Kaum in die Bundesliga aufgestiegen, stellte sich Kölns Trainer Daum mit umstrittenen Äußerungen über Fußball und Homosexualität bloß. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten.
Köln - Vor drei Tagen erst hat sich der 1. FC Köln weiter an Christoph Daum gebunden, jetzt muss sich der Bundesliga-Aufsteiger für umstrittene Äußerungen seines Fußballtrainers zu Homosexuellen rechtfertigen. Im Deutschen Sportfernsehen (DSF) sagt Daum: „Da wird es sehr deutlich, wie sehr wir dort aufgefordert sind, gegen jegliche Bestrebungen, die gleichgeschlechtlich ausgeprägt ist, vorzugehen. Gerade den uns anvertrauten Jugendlichen müssen wir mit einem so großen Verantwortungsbewusstsein entgegentreten, dass wir denen einen besonderen Schutz zukommen lassen.“ Die Sendung soll am kommenden Mittwochabend ausgestrahlt werden.
Daums Äußerungen treffen den Sport in einer Phase, in der sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wie nie zuvor um Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben bemüht. Den Kampf gegen Diskriminierung von Homosexuellen betreibt DFB-Präsident Theo Zwanziger ähnlich intensiv wie den gegen Rassismus im Fußballstadion. Zwanziger kommt in der DSF-Sendung „Das große Tabu – Homosexualität & Fußball“ ebenfalls zu Wort. Er bietet darin seine persönliche Hilfe an, falls sich ein Fußballprofi outen wolle. „Wenn mein Zeitplan es hergibt, und ich würde es wahrscheinlich möglich machen, dann würde ich ihn sofort bei mir empfangen, um zu verdeutlichen: Wir sind Freunde.“
Für seine Offenheit gegenüber Homosexuellen und gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften kritisiert Daum jedoch auch den DFB-Präsidenten: „Ich hätte da wirklich meine Bedenken, wenn dort von Theo Zwanziger irgendwelche Liberalisierungsgedanken einfließen sollten. Ich würde den Schutz der Kinder über jegliche Liberalisierung stellen“, sagt Daum in der DSF-Sendung.
Gestern Abend war Zwanziger Gast des Aktionsabends gegen Homophobie im Fußball im Kölner Stadion. Der DFB-Präsident hatte auf der Fahrt nach Köln von Daums Äußerungen erfahren und mit ihm das Gespräch gesucht. „In dem Telefonat sagte er mir, dass er niemanden diskriminieren wollte. Ich habe keinen Grund, an der Richtigkeit zu zweifeln“, sagte Zwanziger. Zwar seien die Äußerungen „möglicherweise nicht ganz geschickt gewesen“, doch eine ausführlichere Stellungnahme lehnte Zwanziger ab. „Ich hätte noch viele Äußerungen dafür zur Hand, aber dann hätte ich nur dafür gesorgt, dass das über längere Zeit Thema bleibt.“
Volker Beck, der Parlamentarische Geschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, erklärte: „Die Äußerungen zur Homosexualität von Christoph Daum sind unerträglich. Daum diffamiert Lesben und Schwule, indem er sie in die Nähe von Kinderschändern rückt.“ Beck lebt mit seinem Partner in Köln und war gestern ebenfalls Gast des Aktionsabends gegen Homophobie. Daums Äußerungen seien keine besondere Überraschung, sagte Beck dort. Er selbst erlebe Homophobie nahezu täglich. „Warum dann nicht auch im Fußball?“
Beck erwartet aber „eine Entschuldigung von ihm“ und forderte den 1. FC Köln auf, sich von Daums Äußerungen zu distanzieren. „Solche Äußerungen erfordern den Mut zur Offensive.“
Auf Distanz ging der Fußball-Klub gestern nicht, er bemühte sich jedoch um eine Einordnung. „Daum will keine Gruppe diskriminieren. Er hat selbst viele Leute in seinem Bekanntenkreis, die in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben und mit denen er gut auskommt“, sagte Vereinsmanager Michael Meier. Allerdings räumte er ein: „Dass man das so interpretieren kann, will ich gar nicht leugnen.“ Der Manager wollte dem Eindruck entgegentreten, dass Daum Homosexuelle eindeutig diskriminiert hat: „Es ging ihm mehr um den Kinderschutz.“ Der Klub betonte, dass er den Aktionsabend gegen Homophobie im Fußball unterstütze. Schließlich finde er in seinem Stadion statt.
Christoph Daum selbst war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen. In einer Pressemitteilung seines Vereins ließ er jedoch erklären: „Grundsätzlich bin ich ein toleranter und liberaler Mensch. Ich habe keinerlei Berührungsängste zu homosexuellen Menschen. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es einige, die in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben.“ Seine Äußerungen nahm der Trainer nicht zurück, sondern begründete sie vielmehr: „Kinderschutz geht mir aber über alles. Kinder müssen vor Gewalt und sexuellen Übergriffen, ganz gleich ob von homo- oder heterosexuellen Menschen, geschützt werden.“
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 24.05.2008)
Kommentare [ 21 ] Kommentar hinzufügen »
Hoffentlich ist bald mal Schluß mit dieser ganzen Männlichkeitsfarce die im Fußball ja leider immer noch ihre größte Bestätigung findet.
Mein Typ wär er nich...
Wer Homosexuelle mit Kinderschändern auf eine Stufe stellt hat im deutschen Fußball des Jahres 2008 nichts zu suchen, wir leben nicht im Jahr 1933. Dabei ist Daum ein großer Profiteur unseres liberalen Rechtasstaates. Seine beachtliche Karriere als Straftäter (Drogen) ist hier glimpflich zu Ende gegangen, in homophoben, totalitären Regimes wird Drogenkonsum härter sanktioniert.
Fußball-Prolet Daum, der einst peinlich gelogen hat in seiner Drogengeschichte, als moralische Instanz in Deutschland?
Der Doktor (!!!) Zwanziger Belehrungen erteilt, wie er zu arbeiten hat?
Am besten einfach lachen.
mit allen menschen die es gibt tollerantz ehrlichkeit offenheit wo ist das alles geblieben????
der schmutz den man über herrn daum aus schüttet ist wohl wieder mal eine hetz kapagne gegen ihn wie ist das eigentlich mit der öffentliche meinungs äusserrung???
gibt es die noch in deutschland
oder ist die nur auserwählten gegeben???
das wort schwule und lesben gibt es in meinem wortschatz nicht
das sind bürger wie du und ich
jeder ,ja ich sage jeder sollte endlich mal begreifen das die lebensarten von deienm und meinem mitmenschen nicht tolleriert snderen akzeptiert werden sollten
grade unsere politiker sollten sich ruhieg verhalten herr b oder frau m
oder sonstiege !!!!
also lasst daum in frieden seinen job ausführen
ich kenne da ein schönes sprichwort das sich jeder zu hause aufhängen sollte
(wenn jeder vor seiner eigenen haustüre kehren würde
wer ich millionär denn ich würde nur noch besen verkaufen!
peter brühl
Nun trifft es mit Daum einen Mann, der offensichtlich völlig falsch verstanden wurde.
Daum sagt genau was Fakt ist und ist mir mit seiner offenen Einstellung und Meinung sehr viel lieber, als ein heuchlerischer Zwanziger.
Wer lesen und interpretieren kann, ist klar im Vorteil:
Daum hat absolut nichts gegen Schwule Fußballer, sondern vielmehr geht es ihm darum, Jugendliche und Kinder besser zu schützen.
Wo liegt er denn damit falsch ?
Könnte mir vorstellen, dass er die Kinder in ihrer Entwicklung vor jeglichen Einflüssen geschützt wissen will, um sie nicht auf einen Pfad gelangen zu lassen, für das sie gar keine Neigung haben. Vielleicht sollte man sich erst die Sendung ansehen und dann über Daums Worte urteilen.....
Wir leben in einem noch "Rechtsstaat", wo nicht ein Gruppe von Menschen jemandem etwas Vorzuschreiben hat wie ein anderer seine Gedanken Definiert!
Was ist gegen seine Überlegungen Einzuwenden?, nichts!
Ich stehe voll und ganz hinter seinen Überlegungen.
Menschen die seine Aussagen mit 1933 in Verbindung bringen sind Ungebildet und in Bezug auf "Daum" keine Kenntniss seiner Lebenslegende!
Einzuwenden ist, dass Daum in unerträglicher Weise dümmliche, längst widerlegte Vorurteile belebt: Schwule als kinderschändende Monster.
Der Saubermann mit seiner bizarren "Lebenslegende" hat es gerade nötig, sich als Moralwächter aufzuspielen!
Da kann man nicht blauäugig verkünden, ihm liege doch nur der Jugendschutz am Herzen, wogegen man nichts haben könne.
die typische heterosexuelle denke (schwul = gefahr für unsere jugend) ist widerwärtig und zeugt von kleingeist und intoleranz, vergleichbar mit der der nazis.
herr daum sollte sich schämen - gerade in einer stadt wie köln. auf diesem hintergrund wird einem der uli hoeneß geradezu sympatisch.
Da helfen auch keine Halbwhrheiten!
Egal wen Daum als möglichen (Un-)Täter nennt... wer für sich Gleichheit beansprucht... muß sich das gefallen lassen. Denn es zeigt ja das niemand ausgenommen von der Versuchung ist. Oder kommen Kindesmörder und/oder Mißhandler nur aus guten Familien... kommen sie nur aus kriminellen Kreisen... kommen sie nur aus den Slums... kommen sie nur aus der Szene der "anderen" Sexualität? Keinesfalls!
Aber der Aufschrei... der ist wohl typisch... und dienlich? Hoffentlich lässt Christoph Daum sich nicht den Mund verschließen... der Schutz von Kindern geht vor einem möglichen Mßverständnis! Oder?
Daum hat sich nicht allgemein für den Schutz von Kindern ausgesprochen, was ja in Ordnung wäre, sondern explizit Schwule diffamiert. Niemand will ihm die freie Meinungsäußerung nehmen. Aber die frei geäußerte Meinung dazu muss er auch ertragen können.
Missverständnis? Daum hat sich ganz klar verleumderisch geäußert und dabei noch Zwanzigers Politik der Akzeptanz und Toleranz kritisiert. Auch nur ein Missverständnis?
Der Schutz von Kindern dürfte bei einigen Diskutanten nur eine Alibifunktion erfüllen. Nein, es handelt sich um ganz simple Homophobie.
Ich sehe die Einschätzung jegliches gleichgeschlechtliches Verhalten Jugendlicher sei zu unterbinden für unverantwortlich. Herr Daum vermittelt den Eindruck, Homosexualität sei eine ansteckende Krankheit deren Verbreitung man unbedingt verhindern müsse. Was die sexuelle Ausrichtung betrifft, besteht aber keine freie Willensentscheidung. Entweder jemand ist schwul oder nicht. Das Unterdrücken dieser Tatsache durch den eigenen Willen führt nur zu Depressionen, wenn sie von aussen kommt, dann ist es zudem Homophobie.