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Hannover 96

Spielen und verarbeiten

Nach dem Tod von Torwart Robert Enke versucht Hannover 96 mit der Partie beim FC Schalke 04 in den Alltag der Fußball-Bundesliga zurückzukehren.
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Zufrieden und traurig zugleich präsentierte Steven Cherundolo dieses besondere Trikot. Wenn Hannover 96 heute versucht, mit der Partie beim FC Schalke 04 in den Alltag der Fußball-Bundesliga zurückzukehren, dann streift sich die Mannschaft auf Vorschlag des Verteidigers eine Sonderanfertigung über. Zu Ehren von 96-Torhüter Robert Enke, der sich am 10. November von Depressionen geplagt umgebracht hat, wird eine schwarze, von einem Kreis umrandete „1“ die Trikots aller 96-Spieler zieren. Mit diesem Dress wollen sie bei ihrem Auftritt bei Schalke 04 neben dem obligatorischen Trauerflor ein stilles Zeichen setzen. „Robert wird auf immer die Nummer 1 in Hannover bleiben“, sagt Florian Fromlowitz, der als Torhüter die undankbare Nachfolge von Enke antritt.

Als Andreas Bergmann zum Abschluss einer Trainingswoche, die niemandem in Hannover leicht gefallen ist, an der Seite von Cherundolo das Enke-Gedächtnis-Trikot präsentierte, ballte er seine Faust. Er versuchte, einen gefestigten Eindruck von sich und seinen Spielern zu vermitteln. „Wir haben einen guten Geist in dieser Mannschaft“, sagt der Trainer eines Teams, das sich schnell einig war, wie man die Trauer nach Enkes Suizid am besten verarbeitet. Sie wollen wieder raus auf den Rasen. Dass Mitte der Woche, nach fünf trainingsfreien Tagen voller Trauer, auf dem Platz schon wieder gelacht und gegrätscht werden konnte, werten alle als ein gutes Zeichen. „Wir müssen einfach damit klarkommen, dass Robert nicht mehr da ist“, sagt Bergmann. Er ist voller Hoffnung, dass seine Spieler wirklich in der Lage sind, sich gegen Schalke wieder konzentrieren zu können.

Rund 3000 Fans werden sich heute am Hauptbahnhof in Hannover versammeln. Es steht eine Pilgerfahrt in den Westen einer Fußball-Republik an, die wegen Enke zumindest ein paar Tage lang ins Grübeln gekommen ist und jetzt wieder Normalität sucht. Die treuen Fans der Niedersachsen, die ihre Mannschaft auf der Reise nach Gelsenkirchen begleiten, haben beschlossen, im Stadion des Gegners auf besondere Choreografien zu Ehren von Enke zu verzichten. Sie wollen es mit stiller Trauer versuchen. „Ich bin auf die Reaktionen der Schalke-Fans gespannt“, sagt Mittelfeldspieler Christian Schulz. Keiner im Team von Hannover 96 erwartet vom Gegner und dessen Fans Mitleid oder Rücksichtnahme. Schulz geht es um Respekt, mit dem hoffentlich alle der Situation begegnen, die der Spielplan der Fußball-Bundesliga trotz des Todes von Enke vorschreibt. „Das Rad dreht sich weiter“, sagt Schulz. Es ist ein Rad, dass sich auf Dauer nicht aufhalten lässt.

Zwischen den Offiziellen des Vereins und seinen Angestellten musste nicht lange diskutiert werden, ob das Spiel bei Schalke 04 verlegt werden soll. „Wir als Mannschaft wollen das gemeinsam schaffen. Und mir persönlich hat es sehr geholfen, dass ich den Sarg von Robert Enke bei der Trauerfeier tragen durfte“, sagt Arnold Bruggink. Der niederländische Spielmacher in Hannovers Team trägt künftig die Kapitänsbinde, die vorher stets für den immer pflichtbewusst aufgetretenen Enke reserviert war. Bruggink macht kein Geheimnis daraus, dass ihm und seinen Kollegen in Gelsenkirchen ein ganz schwerer Gang bevorsteht. Aber sie wollen ihn gemeinsam gehen. Um für Enke ein Zeichen zu setzen. Und um die Rückkehr in eine Normalität zu schaffen, die ein Duell zweier Rivalen der Bundesliga nun einmal erforderlich macht.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.11.2009)
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