Neun Jahre ist Thomas Schaaf nun Trainer des SV Werder Bremen. Davor war er ungefähr 57 Jahre Spieler und Jugendtrainer und Assistent und was weiß ich noch alles, vielleicht waren es auch 112 Jahre. Ist das nicht schön, wenn einer so bodenständig ist und treu, und der Verein es ebenfalls ist? Wo gibt es das schon noch, ich glaube zuletzt bei einem gewissen Fritz Walter und bei einem gewissen Uwe Seeler.
Den Jüngeren sei erzählt, dass es sich bei Walter um einen Weltmeister aus der Nachkriegszeit handelt und bei Seeler um eine Stürmerikone aus der Zeit um das Wirtschaftswunder herum. Und dann gab es diese Treue noch bei Otto Rehhagel, auch bei Werder. Es ist doch charmant, wenn Fußball noch Romantik atmet.
Im richtigen Leben braucht es allerdings ab und an mal ein wenig Luftveränderung. Und bei einem Trainer ist es wie bei einem Koch. Um ein sehr guter Koch zu werden, muss man auf Wanderschaft gehen, mal in die Küche reinschauen, mal in eine andere. Oder – um im Bild zu bleiben – es rächt sich, wenn man zu lange im eigenen Saft schmort. Will sagen: Werder steht auf Platz zehn vor dem heutigen Spiel gegen den 1. FC Köln und ist so weit von einem Spitzenteam entfernt wie der Fritten-Brater von der Haute Cuisine.
Jahrelang haben wir den Bremern attestiert, dass sie mit einen wunderschönen Fußball spielen, manchmal können sie das auch heute noch. Aber wenn ein Gegner, sagt, nö, ich habe keine Lust aufs schöne Spiel und aufs Abgeschlachtetwerden, dann können die Bremer damit nicht umgehen. Es ist fein, wenn Trainer und Manager sich gut verstehen, aber so ganz ohne Reibung geht es nicht, es muss auch mal zischen und dampfen, wenn’s Menü gelingen soll. Aber in Bremen zischt nichts mehr, es ist kein Dampf dahinter, Einheitsbrei. Es ist wohl an der Zeit, dass Schaaf mal auf Wanderschaft geht und der Klub sich nach neuen Impulsen umschaut.
Noch ein Wort zu Jürgen Klopp, der von Mainz via Fernsehen nach Dortmund gewandert ist? Das ist eine ganz andere Geschichte. Um es mal so zu sagen: Nach seinen jüngsten Auftritten als Rumpelstilzchen wäre es wohl für alle Beteiligten das Beste gewesen, er wäre etwas bodenständiger geblieben und damit in der Zweiten Liga verschwunden.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 16.11.2008)
Kommentare [ 18 ] Kommentar hinzufügen »
Dieses ist wirklich die überflüssigste Kolumne in Ihrer Zeitung. Und das hat schon was zu sagen.
ich genieße die Kommentare von Marcel Reif und bin auch seiner
Meinung, daß in Bremen leider ein Trainerwechsel notwendig
ist.
Wenn ein Trainer so lange beim selben Verein tätig ist,
nutzen sich seine Möglichkeiten der Motivation und des Trainings ab.
Ich habe hohen Respekt und Bewunderung für die Beständigkeit, die Ruhe und den Erfolg mit dem in Bremen gearbeitet wird.
Abeer manchmal ist eine schmerzhafte Trennung notwendig.
Und im Übrigen, lieber vielflieger, ICH interessiere mich sehr wohl für das, was M.R. zu sagen pflegt und wie er es tut. Ich liebe seine Kolumnen!
Aber wir haben dich geliebt, Marcel! Machs gut!
Für den heutigen Spieltag sollte das bedeuteten, daß die Bremer auch über einen Fastfood Imbiß am köllschen Rhein hinaus mit bewährtem Turbofußball das Mondragoner Tor bespielen, um sich von PLatz Elf weg wieder in Sichtweite zur Tabellenspitze hin zu bewegen.
Daß der Meister Daum dem Meister Klopp aus Dortmund im Jäckenbezirk in nichts nachstehen möchte, deutet auf ein nettes Spielchen im Hennespark hin, daß durchaus mit einem fullminanten 4:5 enden könnte.
mir imponieren nur jene Ratschläge und Grundsätze, die der Ratgebende selbst beherzigt. Vielleicht sollten Sie mal einen Kochkurs besuchen.
Als Vielflieger und Kommentator bei Premiere kennen Sie sicher viele Trainer dieser Liga, aber den Menschen Thomas Schaaf kennen Sie wohl nicht.
Werder Bremen und die erarbeitete Position des Trainers Schaaf sind organisch gewachsen. Dieses Prinzip der Kontinuität - auch in der Führung - ist gewollt, oder mit Born zu sprechen: "Bremen ist ein außergewöhnliches Pflaster. Wir bieten seit Jahren mit reduzierten Mitteln Qualitätsfußball an. Wir sitzen alle im selben Boot. Wir stellen uns nicht gegenseitig in Frage". Die Macht also - eine Trainerdebatte loszutreten - haben Sie wohl eher nicht. Solche Themen werden bei Werder kontinuierlich und organisch angegangen. Oder – um dialektisch zu bleiben - Sie zeigen durch Ihren Artikel ein seltenes Talent - sich selbst zu widersprechen und auch noch stolz darauf zu sein.
Liebe Grüße aus Bremen
Burkhard Cuypers
Befassen könnte sich aber mal Premiere mit der Persoanlie Marcel Reif, denn da glaube u.a. ich das der langsam nur noch rumnörgelt und irgendwie nicht mehr ganz auf der Höhe des aktuellen Fußballgeschehens ist. Überhaupt sieht er scheinbar die Bundesliga als lästige Pflicht an, die er aber mitnimmt, da nunmal sonst keine Champions League für ihn drin wäre. Das lässt sich faktisch an seinen Kommentaren festmachen, während seine Kolumne leider blindwütig hypothetisch ist.
Bleibt doch alle mal locker!
Er hat doch nichts weiter getan, als ein paar Denkanstösse zu geben, die so verkehrt doch gar nicht sind. Er hat doch von der Werderführung keinen Trainerwechsel GEFORDERT. Die sind dort doch selbst klug genug zu entscheiden, was gut für alle Beteiligten ist.
Das die Entwicklung bei Werder stagniert ist doch unübersehbar. Für die Bundesliga reichen die momentanen Leistungen noch, aber der Auftritt in der C-League war mehr als nur peinlich und zeigt den wahren Leistungsstand.
Zurück zu M.Reif: Ich mag seine manchmal arrogante Art auch nicht, aber er hat auch seine "hellen Momente", wo er sich vom "Einheitsbrei der Kommentatoren" wohltuend abhebt.
Warum er Klopp attackierte, bleibt mir ein Rätsel. Aber er hat sich ja inzwischen auch offiziell entschuldigt.
es ist immer sehr einfach zu kritisieren, wenn es mal nicht ganz so rosig läuft (was übrigens in Deutschland ja mittlerweile zur Tagesordnung gehört). Wie schnell man (Sie) alles negtiv sieht und dann sofort fordert, daß es vielleicht besser wäre, wenn der Trainer mal "in andere Küchen hineinschaut". Diese Saison ist sicherlich bisher noch nicht so optimal verlaufen, aber Bremen wird sich dort wieder herauskämpfen. Und das zeichnet einen Trainer auch aus, diese schwierigen Phasen zu meistern. Es ist ja nicht so wie in München - wenn es "schlecht" läuft wird der Trainer entlassen und ein neuer/alter geholt. Den Erfolg feiert man immer gerne zusammen, aber bei "Mißerfolg" soll man sofort auf Distanz gehen. Naja, zum Glück denken ja nicht alle so in Deutschland. Übrigens erinnere ich gerne zurück an den Anfang der Saison, als die "Nichtspitzenmannschaft", wie Sie sie nennen, den "großen" FC Bayern an die Wand gespielt und gegen Hoffenheim vielleicht das unterhaltsamste Spiel gewonnen hat. Ist noch gar nicht so lange her!!!!
Bevor man anderen "kluge" Ratschläge gibt, sollte man sich auch mal selbst hinterfragen. Wie lange sind Sie jetzt schon bei Premiere?
Sie werden schon sehen, daß Werder und Thomas Schaaf, wenn Sie diese zugegeben schwierige Phase überwunden haben, gestärkt und für die Zukunft gewappnet daraus hervorgehen.
Bin beeindruckt. Oder eigentlich bin ich das doch nicht, denn ich halte überhaupt nichts von Leuten die nur heisse Luft ablassen.
Dass Luftveränderung nicht immer ein Allheilmittel ist kann man ja am Beispiel Marcel Reif sehen. Trotz diverser Stationen in Ihrer Medienlaufbahn(z.B. Sportreporter, -kommentator und nun auch -kritiker), scheinen Sie sich nicht sehr verändert zu haben.
Ok, Sie haben an Süffisanz gewonnen, aber ist das sinnvoll für einen Sportkommentator?
Ich finde nicht.
Vielleicht wären Sie besser mit dem Sprichwort "Schuster bleib bei deinem Leisten" gefahren.
Ist nur 'ne Idee
=^.^=
@Tagesspiegel:
Sie haben Herrn Reifs Artikel fälschlicherweise dem Sport zugeordnet. Gehört das nicht eher in den Bereich Glosse?