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Hertha und die Bahn

„Herr Hoeneß, komm!“, sagt Herr Mehdorn

Zwei ehemals starke Männer treffen sich auf Gleis 12 am Hauptbahnhof. Bahnchef Mehdorn und Hertha-Manager Hoeneß präsentieren die Verlängerung eines Sponsorvertrages, die allerdings kürzer ausfällt als erwartet worden war.
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Herthinho und die ehemals starken Männer. Hartmut Mehdorn, bald Ex-Bahnchef, und Dieter Hoeneß, bald Ex-Hertha-Manager, stellen das neue Trikot vor. Foto: dpa
Auf Gleis 12 ist die große Welt des Hauptbahnhofs noch recht übersichtlich gestaltet. Von hier aus fahren die Regionalzüge nach Senftenberg, Eisenhüttenstadt und Wünsdorf-Waldstadt, aber am Montag Vormittag um kurz vor elf fährt hier gar nichts. Dafür kommt Hartmut Mehdorn.

Dieter Hoeneß ist schon da. Der Manager von Hertha BSC steht auf dem roten Teppich, den die Bahn vor Gleis 12 ausgerollt hat. Hoeneß ist eine große, beeindruckende Gestalt, so groß und beeindruckend, dass für Mehdorn kein Platz mehr ist auf dem roten Teppich. Er steht daneben. Die beiden Männer schütteln sich die Hände und plaudern ein wenig. Das Blitzlichtgewitter der Fotografen scheint keinen zu stören. Für Mehdorn ist es der wohl letzte große Auftritt als Bahnchef. Am Samstag will der Aufsichtsrat seinen Nachfolger bestimmen. Auch Hoeneß ist ein Mann auf Abruf, sein Vertrag läuft im nächsten Sommer aus.

Gemeinsam wollen die beiden einst starken Männer verkünden, dass ihre Arbeitgeber auch über das Ende ihrer persönlichen Arbeitsverhältnisse zusammenarbeiten werden. Die Bahn bleibt Hauptsponsor des Fußball-Bundesligisten. Das war bekannt. Neu ist, dass die seit drei Jahren laufende Partnerschaft nur um zwei Jahre verlängert wird. „Das hat planungstechnische Gründe“, sagt Mehdorn, „gehen Sie mal davon aus, dass das eine langfristige Partnerschaft ist, die wechselt man nicht wie ein Hemd.“

Um 11.01 Uhr fährt auf Gleis 12 doch noch ein Zug ein. Aus dem Führerstand der Lok grüßt Herthinho, das Zottelmaskottchen des Fußballklubs. Mehdorn geht als erster ans Redepult, aber schon nach ein paar Sätzen ruft er: „Herr Hoeneß, komm!“, also stellt sich der große, kräftige Hertha-Manager neben den kleinen kräftigen Bahnchef. Mehdorn hat nie Fußball gespielt, „dafür waren meine Füße zu kurz“. Er preist die gelungene Partnerschaft zwischen der Bahn und dem Klub, „beide haben ja sehr viele Gemeinsamkeiten“, welche auch immer. Im Wissen um Herthas Ursprünge im Berliner Norden formuliert Mehdorn im besten Weddinger Perfekt, „wir haben uns damals viel vorgenommen gehabt“, und natürlich seien alle Ewartungen in Erfüllung gegangen.

Danach hält auch Dieter Hoeneß eine Rede, in der er verrät, dass „der Herr Mehdorn bei den Verhandlungen vor drei Jahren eine Bedingung hatte: Wir dürfen nicht mehr so viele Rote Karten bekommen“. Na, daran hätten sie sich ja gehalten, „vor allem Joe Simunic“, sagt Hoeneß, was insofern interessant ist, als der Verteidiger Simunic im ersten Jahr mit dem Bahn-B auf der Brust gleich dreimal vom Platz flog. Zum Ende des offiziellen Teils lässt Hoeneß die Bundesregierung noch wissen, welch großen Fehler sie mit der De-facto-Entlassung Mehdorns gemacht habe. Eine offizielle Reaktion aus dem Bundeskanzleramt steht noch aus.

Zum Schluss überreicht der scheidende Hertha-Chef dem scheidenden Bahnchef ein blau-weißes Hertha-Trikot. Mehdorn freut sich, „ich bekomme ein Trikot und Herr Hoeneß eine Lokomotive“. Und zwar die mit Herthinho im Führerstand, sie ist mit dem Hertha-Logo verziert und wird laut Mehdorn in ganz Deutschland Werbung für das kickende Unternehmen aus Berlin machen. Mittlerweile ist es kurz vor halb zwölf, auf dem Nebengleis fährt der ICE aus Köln ein. Die aussteigenden Passagiere schauen neugierig herüber, einer ruft: „Guck mal, der HSV hat eine eigene Lok!“

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(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.04.2009)
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Kommentare [ 2 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von kled kled ist gerade offline | 21.4.2009 9:52 Uhr
Das doppelte Lottchen
Zitat: "Zum Ende des offiziellen Teils lässt Hoeneß die Bundesregierung noch wissen, welch großen Fehler sie mit der De-facto-Entlassung Mehdorns gemacht habe. Eine offizielle Reaktion aus dem Bundeskanzleramt steht noch aus."Zitat-Ende"

Kein Wunder, daß Beide sich so gut verstehen. Machte man ihnen doch oft zum verwechseln ähnliche Vorwürfe. Vor allem auch den, daß sie ihren Laden nach "Gutsherrenart" selbstherrlich regieren....
Comment
von spertel spertel ist gerade offline | 21.4.2009 18:23 Uhr
Warum...
.......denn wieder so giftig nach dem Erfolgserlebnis am Sonntag, werter kled ?

Neben gewissen Gemeinsamkeiten gibt es aber auch signifikante Unterschiede, was die Erfolgsbilanz in Zahlen angeht.

Der eine hat "saniert", der andere hat "ruiniert."

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