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Stadiondiskussion

Herthas Auszugspläne

Der Bundesligist prüft, ob er das Olympiastadion verlassen und eine reine Fußballarena bauen soll, um neue Zuschauerschichten zu gewinnen. Dafür bekommt Hertha Kritik aus dem Senat.
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Seltenes Bild. Ausverkauft ist das Olympiastadion nur in Ausnahmefällen. Meistens kann Hertha es nur zur Hälfte füllen. Foto: dpa
Berlin - Manche Ansichten ändern sich auch im Laufe eines langen Berufslebens nicht. Dieter Hoeneß zum Beispiel denkt als Manager in manchen Angelegenheiten immer noch so wie als Spieler. In seiner Zeit als Stoßstürmer bei Bayern München hat Hoeneß einmal erzählt, dass er am liebsten auf dem Bökelberg in Mönchengladbach spiele, in diesem engen Stadion mit den steilen Rängen, wo die Zuschauer bis fast an die Seitenlinie stehen. Reine Fußballstadien sind Hoeneß auch als Manager von Hertha BSC immer noch die liebsten. In Berlin aber wird seine Vorliebe nicht bedient. Noch nicht. Der Fußball-Bundesligist denkt zumindest darüber nach, ein neues, reines Fußballstadion zu bauen. In Kürze will Hertha eine Studie in Auftrag geben, um prüfen zu lassen, ob ein solches Projekt machbar ist. Das Ergebnis soll in spätestens einem Jahr vorliegen.

Sportsenator Körting schließt eine finanzielle Hilfe des Landes aus

„Der Stadionneubau ist kein akutes Thema“, sagt Hoeneß. „Und konkrete Pläne haben wir schon mal gar nicht.“ Doch allein die Tatsache, dass Hertha über einen Auszug aus dem Olympiastadion nachdenkt, hat beim Berliner Senat schon Verwunderung ausgelöst. Innen- und Sportsenator Ehrhart Körting (SPD) verteidigt das Olympiastadion als „eines der schönsten Stadien der Welt“ und erinnert daran, dass Land und Bund sich erst vor kurzem entschieden haben, es als ein Mehrzweckstadion zu erhalten und zu modernisieren. „Ich meine, dass das Berliner Olympiastadion mit seinem Flair mit modernen Fußballstadien konkurrieren kann.“ 242 Millionen Euro hat die öffentliche Hand für die Renovierung des Stadions ausgegeben. Auch deshalb schloss Körting genauso wie Senatssprecher Richard Meng aus, dass es für einen eventuellen Neubau finanzielle Hilfe des Landes geben könnte.

Das Problem: Das Olympiastadion ist kein reines Fußballstadion

Dieter Hoeneß bestreitet nicht, dass das Olympiastadion „ein wunderschönes Stadion“ ist, allerdings ist es eben kein reines Fußballstadion. Beispiele aus anderen Städten wie Gelsenkirchen, Frankfurt oder Hamburg zeigen, dass sich mit modernen Arenen, unabhängig von der sportlichen Situation, neue Zuschauerschichten erschließen lassen. „Andere Vereine mit reinen Fußballstadien haben einen Wettbewerbsvorteil“, sagt Hoeneß. Der Nachteil für Hertha hat sich erst in dieser Woche wieder gezeigt. Gerade 13 000 Zuschauer wollten am Dienstag das Uefa-Cup-Spiel gegen St. Patrick’s Athletic aus Dublin sehen, und bei den ersten beiden Bundesliga-Heimspielen dieser Saison war das Olympiastadion zu gerade 50 Prozent ausgelastet. Bei keinem anderen Bundesligisten ist die Quote schlechter. „Mit dem Thema beschäftigen wir uns seit Jahren“, sagt Hoeneß.

Der Mietvertrag im Olympiastadion läuft bis 2017 und soll erfüllt werden

Herthas früherer Präsident Bernd Schiphorst, inzwischen Aufsichtsratsvorsitzender des Klubs, hat im Interview mit dem Tagesspiegel schon im Januar bezweifelt, dass der Klub dauerhaft im Olympiastadion bleiben werde: „Ob Hertha im Jahr, sagen wir, 2020 noch im Olympiastadion spielen wird – dahinter setze ich mal ein großes Fragezeichen.“ Bis 2017 läuft der aktuelle Mietvertrag, pro Jahr bezahlen die Berliner rund 4,5 Millionen Euro für ihre Spielstätte. „Es ist nicht unsere Absicht, an diesem Vertrag zu rütteln“, sagt Hoeneß. Auch das Verhältnis zum Senat sei gut, intakt und sehr konstruktiv. Allein mit der Betreibergesellschaft und deren Chef Peter von Löbbecke hat es zuletzt einige Probleme gegeben, zum Beispiel in der Frage, welches Bier im Stadion ausgeschenkt wird.
Die von Hertha geplante Machbarkeitsstudie soll klären, ob ein Neubau überhaupt sinnvoll wäre. Erst wenn sie zu einem positiven Ergebnis käme, stellen sich laut Hoeneß die weiteren Fragen: Wo könnte es gebaut werden? Wie groß soll das Stadion werden? Wie teuer? Und wie ist es für den finanziell nicht auf Rosen gebetteten Verein zu refinanzieren? Meldungen über mögliche Kosten und Standorte wie das Flughafengelände Tempelhof oder am Stadtrand in Dreilinden seien reine Spekulation, sagt Herthas Manager. Allerdings sei angesichts der Anforderungen klar, dass nur drei, vier oder fünf Orte in der Stadt oder am Stadtrand in Frage kämen: Es muss genügend Platz, auch für Parkplätze, vorhanden sein und eine vernünftige Verkehrsanbindung bestehen.

Auf sieben bis acht Jahre beziffert Hoeneß den Vorlauf, um ein solches Projekt zu realisieren. In neun Jahren läuft der Mietvertrag für das Olympiastadion aus. Auf diesen Fall will Hertha sich früh genug vorbereiten. „Die Geschäftsführung hat meine volle Rückendeckung“, sagt Präsident Werner Gegenbauer. Man müsse jetzt die Möglichkeiten ausloten, um im Fall der Fälle nicht ohne Alternative dazustehen. „Sonst kann der Senat in den Verhandlungen seine Konditionen durchdrücken“, sagt Gegenbauer. „Und wer will das schon?“
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Kommentare [ 8 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von dewm dewm ist gerade offline | 18.9.2008 19:33 Uhr
Aufregung umsonst...
Schenkt man diesem Artikel Glauben, ist die Aufregung also völlig umsonst. Klingt doch alles vernünftig...
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von voltwunder voltwunder ist gerade offline | 19.9.2008 9:17 Uhr
Typisch Hertha
Mal wieder viel Lärm um eigentlich nichts. Halbausgegorenes statt sich um spielerische Leitung zu kümmern. Es scheint fast, dass man bei Hertha in den letzten 30 Jahren nur wenig dazu gelernt hat. Unbestritten hätte es Vorteile, wenn Hertha ein eigenes Stadion hätte. Kann man es doch notfalls wieder unter Wert verkaufen, wenn die Schulden drücken, so wie damals die Plätze an der "Plumpe", wo heute Wohnhäuser stehen. Ein Schelm, der denkt, der Uli hat eins, braucht der Dieter auch eins. Die spielerische Qualität hängt aber nicht davon ab , ob man in einem reinen Fußballstadion spielt, die wird davon auch nicht besser, aber vielleicht hört man dann die Pfiffe der enttäuschten Zuschauer deutlicher? Wenn es um die Auslastung geht dann spielt doch besser und bietet den Fans einfach tollen Fußball, der einen Hauptstadtclubs würdig ist.
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von thochi thochi ist gerade offline | 19.9.2008 12:48 Uhr
Was genau macht den Unterschied?
"Der Nachteil für Hertha hat sich erst in dieser Woche wieder gezeigt. Gerade 13 000 Zuschauer wollten am Dienstag das Uefa-Cup-Spiel ... sehen, und bei den ersten beiden Bundesliga-Heimspielen ... gerade 50 Prozent ausgelastet."

Was wäre bei einem reinen Fussballstdion anders? Wieso kommen da dann mehr?
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von dewm dewm ist gerade offline | 19.9.2008 13:05 Uhr
Lassen Sie es sich bitte erklären!
Es gibt Beispiele in Hamburg, Gelsenkirchen, Mönchengladbach, Frankfurt, Hannover, Köln, München sogar in Duisburg und Rostok und wahrscheinlich außerhalb Deutschlands und ich hab sicher einige vergessen... ;-)
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von kraule kraule ist gerade offline | 19.9.2008 16:47 Uhr
@voltwunder
ich kann ihnen aus 1.hand sagen, dass seitens hertha diese diskusion NICHT angestossen wurde!
warum also TYPISCH HERTHA!
Eher typisch hertha"nörgler"...............
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von henniger2 henniger2 ist gerade offline | 19.9.2008 18:09 Uhr
Stadion
Berlin muß nicht bei allen Sachen die rote Ampel tragen.
Los gehts!
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von vilas77 vilas77 ist gerade offline | 19.9.2008 18:46 Uhr
Stadion
Endlich ein vernünftiger Ansatz. Das, ansonsten beeindruckende, Olympiastadion ist einfach kein Fussballstadion. Es wird dort eine Stimmung aufkommen können wie in anderen Stadion. Überdies wird das Olympiastadion nach dem Umbau des Stuttgarter Stadions das letzte Bundesligastadion mit Laufbahn sein, da Nürnberg zZ in der 2. Liga spielt. Ich glaube auch, dass auch neue Kunden angesprochen werden könnten. Ich selber war einmal im Olympiastadion und werde dort kein Fusshallsspiel mehr besuchen, sondern bei Besuchen in meiner Heimatstadt Hamburg richtige Fussballatmosphäre genießen.
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von segelflieger segelflieger ist gerade offline | 21.9.2008 14:36 Uhr
Paßt aber leider zu Berlin
von henniger2 19.09.2008 18:09:26 Uhr
Stadion
Berlin muß nicht bei allen Sachen die rote Ampel tragen.
Los gehts!Das ist Ihr Text, henninger2

Ein neues Fußballstadion wird auch nicht dazu beitragen, die roten Lampe abzugeben! Da müßte schon der Senat Willens sein eine bessere Politik zu machen!

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