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Skispringen

Guten Flug!

Mit großem Teamgeist fliegen Österreichs Skispringer allen davon – und wundern sich über ihre Dominanz.
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Irgendwo auf der Schattenbergschanze hat es am Montagabend ein kurzes Gespräch zwischen Thomas Morgenstern und Andreas Kofler gegeben. Der Jüngere wünschte dem Älteren viel Glück für den zweiten Sprung, freilich mit anderen Worten, als sich österreichische Twens offenbar auszudrücken belieben. „Gib Stoff“, sagte Thomas Morgenstern, „hau di obe!“ Andreas Kofler war ein bisschen gerührt, nicht so sehr ob der Aufforderung, sich von der Schanze herunterzuhauen, sondern weil da der Zweite des ersten Durchgangs dem Ersten des ersten Durchgangs seine Unterstützung zusicherte.„Das ist nicht selbstverständlich“, sagt Andreas Kofler, „das schätze ich schon.“

Dieser ausgezeichnete Teamgeist scheint ein Erfolgsrezept der österreichischen Skispringer zu sein. „Wir verstehen uns super“, bestätigt Andreas Kofler. Der 25 Jahre alte Skispringer aus Innsbruck hat nach dem freundlichen Wunsch des Konkurrenten das von Regen und Wind durcheinandergewirbelte Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf gewonnen. Er blieb nicht der einzige Österreicher, der sich freuen durfte, Thomas Morgenstern kam auf Platz drei, Wolfgang Loitzl wurde Vierter. Sechs Söhne aus dem Land der Berge landeten unter den besten zehn. „Das Ergebnis ist ein Wahnsinn“, sagte Thomas Morgenstern, „das stimmt uns positiv für die weiteren Weltcupspringen.“ Die deutschen Springer hingegen enttäuschten mit den Plätzen zwölf (Pascal Bodmer) und 23 (Martin Schmitt).

So dominant sind seine Österreicher, dass sich Toni Innauer sogar freute, dass der Finne Janne Ahonen mit Platz zwei und dem weitesten Flug des Tages auf 137 Meter einen österreichischen Dreifacherfolg gerade noch verhindert hat. „Das tut der ganzen Situation gut, wenn einer wie er das Gesamtklassement spannend macht“, sagte der Rennsportdirektor für Sprunglauf und Nordische Kombination im Österreichischen Skiverband. Der fünftplatzierte Simon Ammann aus der Schweiz hat bereits über 30 Punkte Rückstand auf Platz eins. Wird die Vierschanzentournee ein Duell Österreich gegen Janne Ahonen? „Das kann, muss aber nicht“, sagt Toni Innauer, „in einer witterungsabhängigen Sportart wie dem Skispringen kann noch viel passieren.“

Tatsächlich profitierten die Österreicher auch vom Oberstdorfer Sauwetter. „Wir nehmen das als Geschenk“, sagte Toni Innauer, „heute hat einiges zusammengepasst, so wird es nicht weitergehen.“ Er weiß zwar, dass sein Land zurzeit über eine Vielzahl von Riesentalenten verfügt, trotzdem staunte er über die eigene Stärke. „Mich wundert es, dass diese Dominanz im Skispringen möglich ist, aber offenbar hat das Team doch sehr viele Dinge ausgezeichnet vorbereitet.“ Innauer war glücklich, und das obwohl sein bisher bester Springer, Gregor Schlierenzauer, mit Rang neun seiner Rolle als Favorit nicht gerecht wurde. „Die Vierschanzentournee ist möglicherweise für ihn immer eine besondere Herausforderung“, sagte Innauer.

Neuer Favorit auf den Gesamtsieg ist nun sein Landsmann Andreas Kofler. Der Goldmedaillengewinner mit der Mannschaft von Turin ist nach einem zweijährigen Tief rechtzeitig in der Weltspitze zurückgekehrt. Der Erfolg von Oberstdorf war erst sein zweiter Weltcupsieg, doch in dieser Saison sprang er nie schlechter als Platz sieben. Beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen (14 Uhr, live im ZDF) dürfte der Sieg daher nur über ihn führen. „Alles ist möglich, ich freue mich jetzt brutal auf Garmisch“, sagte Andreas Kofler, „wichtig ist, dass ich im Flow-Zustand bleibe und die Freiheit weiter genieße.“ Dabei wollte er gar nicht mehr mit dem Grinsen aufhören. Offenbar hatte sich sein Körper mit einer Vielzahl von Endorphinen angereichert, als er sich von der Schanze herunterhaute.



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 31.12.2009)
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