Aachen - Mainz: 2:1 : Die Alemannia singt und lacht

Der Tivoli bebt vor Begeisterung: Alemannia Aachen wirft den Bundesliga-Tabellenführer Mainz mit 2:1 aus dem DFB-Pokal.

Gregor Derichs
Genau hinsehen. Nein, hier feiern nicht die Mainzer. Die Aachener bejubeln ihren Sieg gegen den Bundesliga-Tabellenführer.
Genau hinsehen. Nein, hier feiern nicht die Mainzer. Die Aachener bejubeln ihren Sieg gegen den Bundesliga-Tabellenführer.Foto: Reuters

Kopfschüttelnd betrat Christian Heidel, der Manager des 1. FSV Mainz 05, die Umkleidelobby. Draußen bebte der neue gelb-schwarze Tivoli vor purer Begeisterung der Aachener Fans. „Es ist immer das Gleiche im Pokal. So was kann passieren, muss aber nicht passieren“, sagte Heidel. André Schürrle folgte ihm, der Junioren-Nationalspieler zog ein langes Gesicht. „Die Enttäuschung ist riesengroß. Wir wussten genau, was auf uns zukommt, aber es ist trotzdem passiert“, sagte Schürrle. Mit 1:2 (0:1) verlor Bundesliga-Tabellenführer Mainz beim Zweitligisten Alemannia Aachen, der für die große Überraschung des DFB-Pokals sorgte und ins Achtelfinale am 21./22. Dezember einzog. Der Erfolg des Tabellenzehnten des Unterhauses, hergestellt durch die Tore von Benjamin Auer (26.) und Marco Höger (60.) bei einem Gegentreffer von Adam Szalai (69.), war hoch verdient. Die Mainzer erreichten in keiner Phase ihre Form aus der ersten Liga. „Wir müssen daraus unsere Lehren ziehen und es am Sonntag besser machen“, sagte Heidel. Dann findet das Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund statt.

Die Gäste hatten in dieser Spielzeit in Bremen, beim FC Bayern, in Wolfsburg und Leverkusen gewonnen, aber in Aachen fanden sie vor 25 657 Zuschauern ihren Meister. Die Aachener schlugen die Mainzer mit ihren eigenen Waffen. Angriffslustig, schnell und geradlinig mit Steilpässen in die Schnittstellen der Abwehr stürmten die Offensivkräfte der Alemannia nach vorne. Dies war insofern nicht überraschend, weil der Aachner Trainer Peter Hyballa und Thomas Tuchel einiges gemeinsam haben. Wie der Mainzer Kollege war Hyballa selbst kein erfolgreicher Profi, lernte früh den Trainerberuf im Nachwuchsbereich und verfolgt eine vergleichbare Fußball-Philosophie. Allerdings gibt sich Hyballa weniger zurükhaltend als Tuchel, sondern stellt ausgeprägtes Selbstbewusstsein zur Schau. Tuchel rastete am Spielende aus und wurden wegen Aggressionen gegen den vierten Offiziellen Thorsten Schriever von der Bank verwiesen. Der Mainzer Coach beklagte unter anderem ein nicht anerkanntes Abseitstor von Sami Allagui (32.).


Tuchel hatte wieder einmal die personelle Rotation angeworfen. Im Vergleich zum Sieg am Sonntag in Leverkusen wechselte er aus der Startformation vier Spieler aus. Die seit fünf Ligaspielen ungeschlagenen Aachener spielten mit der Stammelf aus der zweiten Liga. „Das war ein toller Sieg, ein ganz besonderer Erfolg“, freute sich Auer, für die Mainzer ein alter Bekannter, der von 2002 bis 2006 für die Nullfünfer gespielt und 30 Tore erzielt hatte, Der Stürmer traf nach einem überfallartigen Angriff, den Alper Uludag einleitete und Zoltan Stieber mit einer flachen Hereingabe vor das Tor abschloss. „Für Sonntag drücke ich Mainz wieder die Daumen“, sagte Auer.

Der Mainzer Trainer Tuchel musste wegen Meckerns auf die Tribüne.
Der Mainzer Trainer Tuchel musste wegen Meckerns auf die Tribüne.Foto: dapd


In der zweiten Halbzeit hatte der agile Stieber zwei ausgezeichnete Tormöglichkeiten. Zunächst scheiterte der offensive Mittelfeldspieler mit einem Volleyschuss an Wetklo (50.), dann setzte er einen Lupfer über Wetklo hinweg auf die Latte (58.). Nach dem 2:0, das Höger mit einem halbhohen Schuss aus 26 Metern erzielte, reagierte Tuchel und brachte Szalai und Fuchs für Allagui und Karhan. Dem Ungarn Szalai gelang fünf Minuten später der Anschlusstreffer.
Besonders im Blickpunkt stand Lewis Holtby. „Ich sehe Aachen immer noch als meine Liebe. Alemannia ist der Verein, den ich in mein Herz geschlossen habe und der da auch nicht mehr rausgeht“, erklärte der Zwanzigjährige, der seine Profikarriere in Aachen begonnen hatte. 60 Karten hatte er für seine Familie, Verwandte und Freunde aus seinem früheren Verein Sparta Gerderath bestellt. Nach dem Anpfiff winkte er kurz seiner Fangemeinde auf der Tribüne zu, ansonsten war von ihm wenig zu sehen. Er hatte, wie auch andere Mainzer, erhebliche Standprobleme auf dem weichen Boden. Zur Halbzeit kannte Tuchel keine Gnade, für Holtby wechselte er Marcel Risse ein. Aber auch die Wechsel änderten wenig an der Mainzer Unterlegenheit.

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