• „Ab 150 Metern gewinnt nicht der Beste“ Schanzenexperte Ostler über den Windeinfluss

Sport : „Ab 150 Metern gewinnt nicht der Beste“ Schanzenexperte Ostler über den Windeinfluss

Warum Hans Ostler, der frühere Präsident der Vierschanzentournee, anregte, den Wind zu berücksichtigen

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Gegen den Wind. Bei der aktuellen Vierschanzentournee gilt noch die Wertung nach altem  System, zur zweiten Saisonhälfte werden...

Herr Ostler, Sie sind 84 Jahre alt und verändern trotzdem immer noch das Skispringen. Wie kommen Sie dazu?

Ich habe gesehen, dass die Schanzen immer größer geworden sind. Bei den Olympischen Spielen 1936 war der Schanzenrekord noch 84 Meter, da konnte jeder gute Springer seinen Flug bei Rückenwind noch berichtigen. Dann wuchsen die Schanzen auf 100 Meter, 120 Meter, jetzt 150 Meter. Das ist für mich schon Skifliegen. Deshalb habe ich bereits 1996 dem Weltskiverband einen Brief geschrieben, man müsse doch den Wind berücksichtigen. Ich schreibe immer gleich an den Chef.

Warum muss man den Wind berücksichtigen?

Bei der neuen Schanze in Garmisch-Partenkirchen kann man 150 Meter springen. Da hat auch Tourneefavorit Gregor Schlierenzauer keine Chance, wenn er Rückenwind hat ….

... weil der Wind ihn zur Landung drückt?

Genau, bei 100 Metern spielt der Wind keine so große Rolle, aber bei 150 Meter schon. Dann gewinnt nicht der beste Sportler, sondern der mit dem besten Wind. Das ist nicht fair, das tut mir weh.

Was haben Sie gemacht?

Ich habe Professor Gerhard Hochmuth angerufen, er ist Sportwissenschaftler und Biomechaniker an der Universität Leipzig. Ich habe zu ihm gesagt, bevor ich Blödsinn mache, frage ich dich: Ist es möglich, den Wind so zu berechnen, dass der Springer für Rückenwind einen positiven Ausgleich bekommt? Am nächsten Tag ruft er zurück und sagt: Das geht.

Nun werden die Springer nach einer mathematischen Formel bewertet, die Windverhältnisse, Anlauflänge, Haltungsnoten und Sprungweite ins Verhältnis setzt. Die Regel tritt aber erst in der zweiten Hälfte der Weltcupspringen in Kraft. Ärgert Sie das?

Die Kombinierer springen schon nach der Regel im Weltcup. Bisher sind alle Neuerungen im Skispringen bei der Tournee eingeführt worden, ich hätte eigentlich gedacht, dass es auch diesmal klappt.

Es wird kritisiert, dass die Regeln für die Zuschauer zu schwierig zu verstehen sind.

Da sind die Medien gefragt. Sie müssen es erklären. Es muss auch noch ein bisschen an den Regeln gefeilt werden. Und im Stadion muss eine Videowand stehen, die die Windverhältnisse erklärt.

Das Gespräch führte Benedikt Voigt.

Hans Ostler, 84, war Präsident der Vierschanzentournee und des Skiclubs Partenkirchen. Im Weltskiverband war der Verwaltungsdirektor jahrelang für das Sprungkomitee verantwortlich.

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