Sport : Ab durch die Mitte

Barbarez schießt beim 3:0 des HSV gegen Nürnberg das kurioseste Tor des ersten Spieltags

Karsten Doneck

Hamburg - Sergej Barbarez war dieses Tor wohl selbst ein bisschen peinlich. Also eilte er zu dem von ihm gerade überlisteten Raphael Schäfer. Tröstend legte Barbarez einen Arm um die Schulter des Torhüters vom 1. FC Nürnberg und sagte ihm ein paar aufmunternde Worte. Barbarez hatte unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff für den Hamburger SV einen Foulelfmeter auf eine Art und Weise verwandelt, mit der beinahe die Ernsthaftigkeit des Profifußballs ad absurdum geführt worden wäre. Drei Schritte Anlauf nahm Barbarez, er schoss, der Ball flog flach Richtung Tormitte, genau dorthin also, wo Schäfer lauerte. Der Torwart hätte sich bloß zu bücken brauchen, um den Ball zu greifen. Er stand aber allzu breitbeinig da. Und so flog der Ball zwischen seinen Waden hindurch ins Tor zum 2:0 für den HSV. Am Ende feierten die Hamburger mit 3:0 (2:0) einen gelungenen Saisonstart. „Wir haben im richtigen Moment unsere Tore gemacht“, sagte HSV-Trainer Thomas Doll.

Untröstlich war dagegen Raphael Schäfer. „Ich schaue auf den Ball, versuche zu reagieren, indem ich die Beine zumache, da geht er auch schon durch“, sagte der Nürnberger Torhüter nach der wohl kuriosesten Szene dieses ersten Bundesliga-Spieltages. Sergej Barbarez erziele später noch das 3:0, und als er nach diesem Tor ausgewechselt wurde, da erhoben sich viele Hamburger Fans unter den insgesamt 41877 Zuschauern in der AOL-Arena von ihren Sitzplätzen und verabschiedeten den Torjäger mit tosendem Beifall.

Der HSV hatte sehr früh die Grundlage für den Sieg gelegt. Schon nach 180 Sekunden stand Emile Mpenza völlig frei im Nürnberger Strafraum und erzielte das 1:0. Über links hatte Barbarez die Vorarbeit geleistet. „Wir hatten in dieser Szene vier-, fünfmal die Möglichkeit, den Ball rauszuschlagen“, sagte der Nürnberger Trainer Wolfgang Wolf zornig.

Allerdings erwiesen sich die Nürnberger in der Offensive auch als ausgesprochen harmlos. Torjäger Marek Mintal war deutlich die lange verletzungsbedingte Auszeit in der Vorbereitung anzumerken. Eine Viertelstunde vor Schluss vergab er seine beste Möglichkeit recht kläglich. „So einen Ball hätte er in der vorigen Saison noch blind reingemacht“, sagte Wolf. Die Gäste profitierten auch nicht davon, dass die besten Innenverteidiger des HSV fehlten: Die verletzten Daniel van Buyten und Khalid Boulahrouz wurden durch Bastian Reinhardt und Guy Demel ersetzt. Und so sagte Trainer Doll zufrieden: „Wir haben hinten so gut wie nichts zugelassen.“

Überraschend beim HSV war allerdings, dass nicht der spektakuläre Neuzugang Rafael van der Vaart die meisten Akzente setzte, sondern der sonst meist unauffällige David Jarolim. Der Tscheche hatte vor seinem Wechsel zum HSV drei Jahre für den 1. FC Nürnberg gespielt und war entsprechend hoch motiviert.

Sein Teamkollege Barbarez fand Spiel und Ergebnis einfach nur „wunderbar, sehr, sehr schön“ – und traf damit wohl am besten die Stimmung beim HSV und seinem Publikum.

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