Sport : Ab in den Schrank

Bayern hat nach dem Großeinkauf wenig Platz für die jungen deutschen Spieler

Mathias Klappenbach

Berlin - Es ist ein schönes Gefühl, sich nach der Shoppingtour auf die Couch fallen zu lassen, die schönen neuen Schätze nacheinander aus den Tüten zu holen und noch einmal zu begutachten. Nicht immer gefällt einem jedes Einzelstück noch so wie im Laden, aber insgesamt hat es sich meistens doch gelohnt. Auf diesen Effekt hofft auch der FC Bayern München, der mit acht schönen Tüten vom Sommereinkauf heimgekehrt ist. Die Neuerwerbungen brauchen ihren Platz, und das eine oder andere wird dafür nach unten in den Schrank wandern. Der Schrank heißt bei einem Fußballklub Ersatzbank und der Dachboden Tribüne. Hier oder dort könnten sich in der neuen Saison des öfteren Spieler wiederfinden, die noch vor einem Jahr als schön und neu mit langer Gebrauchszeit galten.

Denn der FC Bayern hat in der nächsten Saison eine große Mannschaft. Zumindest, wenn man groß auf die Anzahl der Spieler im Kader bezieht. Beispielsweise so könnte es in der Statistik des ersten Bundesligaspieltags stehen: Kahn – Sagnol, Lucio, Boulahrouz, Lahm – Sosa, van Bommel, Zé Roberto, Ribéry – Toni, Klose. Auf der Bank: Rensing, Demichelis, Altintop sowie die deutschen Nationalspieler Schweinsteiger, Jansen, Podolski, Schlaudraff. Auf der Tribüne: die teuren Innenverteidiger Valerien Ismael und Daniel van Buyten, der in der vergangenen Saison aufstrebende Andreas Ottl neben seinen jungen deutschen Landsleuten Andreas Görlitz und Christian Lell, dazu aus dem ständig große Talente hervorbringenden eigenen Nachwuchs Mats Hummels und der hoch veranlagte Toni Kroos. Die Stürmer Roy Makaay und Roque Santa Cruz sind da als potenzielle Abgänge schon gar nicht mehr aufgezählt. Kommt Miroslav Klose nicht in diesem Sommer nach München, wird mindestens einer von ihnen bleiben und dessen Platz besetzen.

Es ist einige Jahre her, da hatte der FC Bayern einmal das Projekt betrieben, eine Klasseelf um den Kern der deutschen Nationalmannschaft herum aufbauen zu wollen. Nun ist es gut möglich, dass für diese Nationalspieler beim neuen FC Bayern nur wenig Platz sein wird. Die Klubführung hat die WM-Helden Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger mehrfach öffentlich für ihre Leistungen kritisiert. Philipp Lahm wird mit seinem Nationalmannschaftskollegen Marcell Jansen um eine Position links streiten, denn rechts will Willy Sagnol erst einmal verdrängt sein. Schweinsteiger hat es mit dem neuen Star Ribéry und Neun-Millionen Einkauf José Ernesto Sosa zu tun. Und Jan Schlaudraff droht schon jetzt das Schicksal solcher Münchener Ersatzbanklegenden wie Calle del’Haye oder Michael Sternkopf.

Bayerns Trainer Ottmar Hitzfeld versteht es wie kaum ein Zweiter, mit seinem Rotationsprinzip den Kader ruhig zu halten. Sein Auftrag ist aber ein anderer. Er soll schnell eine Mannschaft formen, die Meister wird und im übernächsten Jahr in der Champions League mithalten kann. Dort dominieren eingespielte Teams. Hitzfeld wird es schon schwer genug haben, aus den vielen neuen Spielern eine Einheit zu formen, die erfolgreich und am besten auch noch attraktiv spielt. Zeit und Platz, um Rücksicht auf die Entwicklung junger deutscher Spieler zu nehmen, hat Hitzfeld nicht.

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