Sport : Abbruch statt Aufbruch

von

Der Verfall eines Fußballklubs vollzieht sich in verschiedenen Stufen. Wenn es unfreiwillig komisch wird, ist in der Regel bereits eines der Endstadien erreicht. Man sollte sich also echte Sorgen machen um den 1. FC Köln, zumindest wenn man die Aussage von Kevin McKenna zum Maßstab nimmt. Der Verteidiger hat beim 1:5 gegen Schalke einen Handelfmeter verursacht – und fühlte sich trotz eindeutiger TV-Bilder zu Unrecht bestraft. Er habe doch nur darauf hinweisen wollen, dass im Kölner Strafraum ein verletzter Schalker gelegen habe, sagte McKenna zu seiner Entschuldigung; allein deshalb habe sich sein Arm in unzulässiger Höhe befunden. Netter Versuch.

Der 1. FC Köln ist schon wieder das, was er definitiv nicht mehr sein wollte: die Lachnummer der Liga. Letzter mit null Punkten und 1:8 Toren. Und noch mehr als die düsteren Zahlen erschreckt einen ihr Zustandekommen, das hilflose Gestümper auf dem Rasen – dabei sollte doch alles besser werden. Mit der Einstellung des neuen Trainers Stale Solbakken hat sich in Köln die Hoffnung auf den Aufbruch in die fußballerische Moderne verbunden. Nach nur zwei Spielen aber deutet schon wieder vieles auf Abbruch hin.

Die große Koalition der Besitzstandswahrer aus Boulevardpresse und Sport-1- Stammtisch hat schon die Möglichkeit eines schnellen Trainerwechsels angespielt. Neu wäre das nicht in Köln, wo die Nervosität immer ein bisschen größer ist als im Rest der Republik. Rinus Michels und Morten Olsen, erwiesenermaßen zwei Koryphäen ihres Fachs, wurden einst auch schon nach zwei Spieltagen entlassen – doch das spricht nicht zwangsläufig gegen Solbakken, sondern eher für ihn.

Denn dass die Spieler sein System noch nicht verstehen, muss nicht unbedingt am System liegen. Und auch von Volker Finke kann man halten, was man will; sein Ansatz, dem FC das Kölsche auszutreiben und ihm dafür etwas mehr Freiburg zu verordnen, ist bestimmt nicht der falsche. „Mehr Struktur und Kontinuität“ will der Sportdirektor in den sprunghaften Klub bringen. Den Trainer nach zwei Spielen in Frage zu stellen, wäre angesichts der Vorgeschichte zwar auch ein Ausdruck von Kontinuität. Aber es ist ganz sicher nicht die, die Volker Finke vorschwebt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben