Sport : Abdrehen nur bedingt erlaubt

Beim HSV hofft man nach dem elementar wichtigen Sieg über Braunschweig auf ein bisschen Ruhe – und die Entwicklungsfähigkeit von Hakan Calhanoglu.

Hand auf die Raute. Hakan Calhanoglu (l.) erzielte zwei Tore für den HSV. Foto: dpa
Hand auf die Raute. Hakan Calhanoglu (l.) erzielte zwei Tore für den HSV. Foto: dpaFoto: dpa

Hamburg - Für Hakan Calhanoglu stellte sich gar nicht erst die Frage, in welche Richtung er nun abdrehen würde. Der 19-Jährige stürmte über das halbe Spielfeld und verlor sein Ziel dabei zu keinem Zeitpunkt aus den Augen, es hieß: Thorsten Fink. Der Trainer des Hamburger SV hatte dem jungen Deutsch-Türken für das Duell zwischen dem Tabellenletzten aus Braunschweig und dem ebenfalls miserabel in die Saison gestarteten HSV offenbar die richtigen Worte mit auf den Weg gegeben. Mit zwei Treffern in der Schlussphase hatte Calhanoglu maßgeblichen Anteil am 4:0-Sieg der Hamburger gegen die weiterhin punktlose Eintracht. 

Fink, der vor dem ersten Saisonsieg massiv in der Kritik gestanden hatte, erklärte auf Calhanoglu angesprochen lapidar: „Ich hatte ihm gesagt, er soll ein Tor machen. Hakan hat sich für das Vertrauen bedankt.“ Und der Trainer ergänzte: „Er hat eine unheimliche Technik“. Schon in der dritten Liga hatte Calhanoglu für den Karlsruher SC sieben Mal doppelt getroffen.

In die jüngste Entscheidung des in Mannheim geborenen Mittelfeldspielers für die türkische und gegen die deutsche Nationalmannschaft mischt sich Fink unterdessen nicht ein. Er sagt nur: „Ich habe Angst, dass wir ein Talent verlieren.“ Wenn Calhanoglu am Freitag im Länderspiel der Türkei gegen Andorra eingesetzt wird, kann er logischerweise nicht mehr für Deutschland spielen. Oliver Kreuzer kennt Calhanoglu aus gemeinsamen Karlsruher Zeiten, der HSV-Sportdirektor sagt: „Er ist ein Straßenfußballer, der einem einfach Freude machen muss.“ Für den mit Oberschenkelproblemen angeschlagenen Rafael van der Vaart spät eingewechselt, zeigte der Nachwuchsspieler in elf Minuten Qualitäten, mit denen einst der Niederländer in seinen Anfangsjahren in Hamburg aufgefallen war.

„Ich übe oft mit Rafa nach dem Training noch Freistöße und wenn er nicht da ist, muss ich sie schießen“, sagte Calhanoglu. „Dieses Selbstvertrauen habe ich in mir.“ Auch van der Vaart zeigte sich zuvor ebenfalls von seiner besseren Seite: Mit seinem Tor, exzellenten Freistößen und ausgeprägter Laufbereitschaft tat er viel, um die Kritik an der Interpretation seiner Kapitänsrolle verstummen zu lassen. Nach dem Treffer formte er ein Herz in Richtung Freundin Sabia und Sohn Damian auf der Tribüne – mit seinem Privatleben ist Van der Vaart derzeit offenbar im Reinen, wenngleich seine neue Lebensgefährtin und Ex-Frau Sylvie seit Tagen die Klatschseiten beherrschen.

Auch Fink ist zunächst aus der Schusslinie, nachdem seine Taktik mit den zwei Spitzen Jacques Zoua und dem zweifachen Vorlagengeber Maximilian Beister aufging. „Natürlich bin ich sehr erleichtert. Das war ein guter Schachzug, wie wir gespielt haben“, lobte Präsident Carl-Edgar Jarchow den Fußballlehrer. Der hohe Sieg gegen den Aufsteiger sei die richtige Antwort auf vernichtende Kritik gewesen, aber gleichwohl kein Grund „auszuflippen“. Beister betonte unterdessen: „Für das Selbstvertrauen und die Stimmung in der Stadt war es ein Meilenstein.“ Erstmals nach zwölf Begegnungen spielte der HSV mal wieder zu Null.

Der Erfolg – wie in der Vorsaison nach drei sieglosen Partien – war enorm wichtig. Wirklich aussagekräftig dürften aber erst die Ergebnisse nach der der Länderspiel-Pause sein, wenn der HSV gegen Dortmund und Bremen spielt. Thorsten Fink wäre allerdings nicht Thorsten Fink, würde er nicht mutig prognostizieren: „Wir haben aus dem letzten Jahr ein gutes Gefühl mit Dortmund.“ Damals holte der HSV sechs Punkte gegen den Champions-League-Finalisten.

Wahrscheinlich wird dann Pierre-Michel Lasogga dabei sein: Der lange verletzte U-21-Nationalstürmer von Hertha BSC sollte am Sonntag nach dem Medizinscheck seine Papiere unterschreiben. „Ich rechne mit ihm am Dienstag im Training“, sagte Fink. dpaHAMBURGER SV]

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