• Abedi Pelé mag nicht mehr für Ghana kicken, aber einbringen will er sich allemal - als Verbandspräsident

Sport : Abedi Pelé mag nicht mehr für Ghana kicken, aber einbringen will er sich allemal - als Verbandspräsident

Thomas Hollmann

Der Mann hat es in diesen Tagen nicht leicht. Wo immer er hinkommt, stellen ihm die Menschen die gleiche, unangenehme Frage: "Warum spielst du denn nicht?" Abedi Pelé erzählt dann etwas von fehlender Fitness und dass irgendwann auch einmal Schluss sein muss. Überzeugend klingt das nicht.

Der dreimalige Fußballer Afrikas wäre auch in schlechter Verfassung eine Verstärkung für die zuletzt hilflos agierende ghanaische Nationalelf. Der Wolfsburger Bundesliga-Profi Charles Akonnor ist mit der Spielmacher-Rolle beim Afrika-Cup heillos überfordert; die Nummer 10 klebt ihm wie eine schwere Last auf dem Rücken.

Abedi Pelé enthält sich jeglichen Kommentars zu seinem glücklosen Nachfolger. Der Mann ist ehrlich. Wenn er etwas sagt, dann so, wie er es meint. Also schweigt er lieber. Die ghanaische Mannschaft hat Probleme genug.

Ganz im Gegensatz zu Abedi Pelé. 36 Jahre ist er jetzt alt, und er genießt den Fußball-Ruhestand in vollen Zügen. Nein, er hat wirklich keine Lust mehr, hinter dem Ball herzulaufen. Abedi lässt jetzt laufen. Der ehemalige Profi von 1860 München hat sich nach dem Ende seiner Karriere einen Drittliga-Klub gekauft. Bei dem ist er jetzt in Personalunion Präsident und Trainer.

Seitdem ist beim FC Nania nichts mehr so, wie es einmal war. Zum Training der Jugendmannschaft kommen jedes Mal um die 50 oder 60 Jungen, alle vereint in der Hoffnung, in Pelés Mannschaft aufgenommen zu werden. Ein Freundschaftsspiel des Senioren-Teams auf einem welligen Sandplatz in einem Vorort von Accra verfolgten mehr als 3000 Zuschauer. Deren Hoffnung, auch Abedi Pelé noch einmal in Aktion zu sehen, erfüllte sich allerdings nicht. "Wenn ich sage, dass ich nicht mehr spiele, dann spiele ich auch nicht mehr."

Die Treue zum eigenen Wort ist dem langjährigen Kapitän der ghanaischen Nationalmannschaft nicht nur zum Vorteil ausgelegt worden. Abedi ist häufig angeeckt. Vor allem zu Beginn seiner Laufbahn, wo er sich in der zweiten französischen Liga gegen grätschende Gegner und rassistische Hooligans wehren musste. "Das war nicht immer leicht für mich."

Wieviel einfacher haben es da die Afrikaner, die heute in Europa Fußball spielen? Sie verdienen Millionen, werden ob ihrer Ballfertigkeiten geachtet und sind bisweilen sogar die Stars ihrer Mannschaft. Doch die heile Welt von Ruhm und Reichtum sei ein Trugbild, sagt Abedi Pelé. "Ich habe in den letzten Jahren so viele verzweifelte junge Afrikaner gesehen, die in Europa nicht zurechtgekommen und gescheitert sind." Ist dafür ausschließlich das Interesse der Spieler am schnellen Geld verantwortlich? Nein, sagt Abedi. Er kritisiert die in Afrika gängige Praxis, jugendliche Talente nach Europa zu transferieren.

Führende europäsiche Vereine unterhalten schon seit langem Fußball-Internate in Afrika - vorgeblich, um den Nachwuchs zu fördern. "Den Klubs geht es in Wirklichkeit nur darum, billig an Talente zu kommen." Abedi Pelé fordert den Weltfußball-Verband Fifa auf, eine Altersgrenze von 18 Jahren für Spieler-Transfers aus Afrika einzuführen. "Wie soll den ein 14- oder 15-Jähriger ohne Familie, ohne Freunde und Bekannte in einer fremden Kultur zurechtkommen? Das ist doch brutal."

Abedi sieht sich mit seiner Forderung einer geeinten Front von Vereinen, Verbänden und Familien gegenüber. Jugend-Transfers sichern die Existenz von Verbandspräsidenten, Klubtrainern und Clans. Die potenziellen Arbeitgeber in Europa argumentieren, 18-jährigen Fußballspielern sei nur noch wenig beizubringen, die technischen Grundlagen erlerne ein Spieler in der Pubertät. Dem widerspricht Abide Pelé nicht. Er fordert jedoch die Vereine auf, in die fußballerische Infrastruktur südlich der Sahara zu investieren. "Wenn es denn eines Tages in Afrika auch einmal bessere Plätze und besser ausgebildete Trainer gibt, dann kann ein Jugendlicher hier genauso viel lernen wie in Europa."

Als Visionär lässt sich Abedi Pelé gerne bezeichnen, als Träumer nicht. Zweifelsohne: Der erfolgreiche Bauunternehmer, der wegen seiner zierlichen Statur von vielen Trainern nicht für voll genommen wurde, ist hartnäckig. Mit dieser Ausdauer hat er es zum Spielmacher von Europapokalsieger Olympique Marseille gebracht, und mit dieser Beharrlichkeit wird er sein nächstes Ziel verfolgen: Abedi will Verbandspräsident Ghanas werden. "Denn eines habe ich in meiner Karriere auf jeden Fall gelernt: Dinge kann man nur verändern, wenn man die Macht in den Händen hält."

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