Sport : „…aber wir hatten Biss“

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Herr Hoeneß, die deutsche Nationalmannschaft wird dieser Tage gern mit der von 1986 verglichen. Waren Sie wirklich so schlecht?

Das ist mal wieder typisch deutsch. Die Jungs stehen im Halbfinale, und die Journalisten schreiben die Mannschaft schlecht. Da fehlt wohl der Stoff für andere Geschichten.

Bei Ihnen damals gab es ja genug Stoff.

Allerdings. Die Journalisten wohnten ja in unserem Mannschaftshotel, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Und dann hat der Franz Beckenbauer mit seinen Sprüchen immer was geliefert.

Angeblich hat der Teamchef 1986 gesagt, die Mannschaft sei so schlecht, dass sie nicht mal die Vorrunde überstehen könnte.

Das habe ich damals auch gehört, der Franz hat es uns aber nie persönlich gesagt. Vielleicht wollte er uns ja auch nur motivieren. Sicherlich waren wir spielerisch nicht so gut wie Argentinien oder Frankreich, wichtige Spieler wie Rummenigge oder Völler waren angeschlagen. Aber wir hatten Biss.

Das könnte man alles auch über die heutige Nationalmannschaft sagen.

Stimmt. Uns hat man damals in der Öffentlichkeit genauso wenig zugetraut. Aber die Gegner hatten Respekt, wir waren die Deutschen, die Turniermannschaft. Als wir im Finale den 0:2-Rückstand aufgeholt hatten, da war den Argentiniern die Angst vor uns deutlich anzusehen. Auch einem wie Maradona.

Dieser Respekt war nach der EM vor zwei Jahren schon fast aufgebraucht.

Ja, und es ist eine großartige Leistung dieser jungen deutschen Mannschaft, dass sie jetzt international wieder ernst genommen wird.

Alles ist schon wieder wie früher?

Nein, hundertprozentig noch nicht. Sonst hätten die Amerikaner im Viertelfinale nicht so gut gegen uns gespielt, weil sie vor Ehrfurcht erstarrt wären.

Das Gespräch führte Sven Goldmann.

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