Aberglaube : Das Glück zum Anfassen

Mit den mehr als 11 000 Sportlern sind auch unzählige Glücksbringer in das olympische Dorf eingezogen. Und es sind nicht nur Kuscheltiere, die den Erfolg der Sportler unterstützen sollen. Die deutschen Slalom-Kanuten um den ersten deutschen Olympiasieger Alexander Grimm setzen zum Beispiel auf die Vergangenheit ihres Sports.

Martin Gropp
Talisman
Alte Nummer, neues Glück. Olympiasieger Alexander Grimm mit Talisman.Foto: Privat

Als Horst Woppowa die Kanuten Ende Juli in Augsburg verabschiedete, hielt er alten Stoff in der Hand: Original-Startnummern der Kajak-Wettbewerbe der Münchner Spiele 1972, die damals im Wildwasserkanal von Augsburg ausgetragen wurden. Wir wollten etwas Originelles überreichen, und mir fielen die Startnummern ein“, sagt der Vorsitzende der Kanu-Schwaben Augsburg. Mehr als hundert Stück fand er in einem Karton auf dem Dachboden des Kanu-Bootshauses. Obwohl schon 36 Jahre alt waren die Baumwollleibchen gut in Schuss – weder vergilbt, noch eingelaufen. Bei Alexander Grimms Goldfahrt entfaltete die Startnummer ihre Wirkung aus der Ferne. „Alex hatte die Nummer sicher nicht mit im Boot. Im Wettkampf zählt jedes Gramm Gewicht“, sagt Woppowa.

Bei der Bundeswehr sieht das Glück anders, wenn auch nicht weniger seltsam aus: es ist klein, plüschig, steckt in einer Uniform und hört auf den Namen „Flecki“. Den Teddybär in Flecktarn-Uniform haben die Streitkräfte ihren Sportlern vor den Spielen überreicht und wollten sie damit regelrecht, nun ja, beglücken. Denn obwohl der 20 Zentimeter große Bär ohne Dienstgrad wegen seiner Uniform martialisch aussieht, hat er doch eine friedliche Aufgabe: Er soll seinem Besitzer einfach nur Glück bringen.

Die deutsche Hockey-Torhüterin Kristina Reynolds hat ihren Glücksbringer an die Wand ihres Zimmers im olympischen Dorf genagelt. In einem Rahmen hängt dort nun die Goldmedaille der Spiele von Barcelona, die der ehemalige Nationalspieler Christian Blunck 1992 gewonnen hatte. Er habe Reynolds die Medaille nach Peking mitgegeben, „damit sie sieht, wofür sie dahin fährt“, sagt Blunck. Um seine Medaille hat er keine Angst: Reynolds gilt nicht nur im deutschen Hockeytor als zuverlässig. Außerdem hat Blunck mit Reynolds ein Tauschgeschäft ausgemacht, sollte sie die Medaille verlieren: „Dann bekomme ich die Medaille, die sie diesmal holt.“

Wie die Hockey-Torhüterin hätte auch Kathrin Boron auf Edelmetall setzen können. Als erfolgreichste Ruderin aller Zeiten hat sie genügend Medaillen im Schrank. Doch als Glücksbringer nahm Boron einen kleinen Streichelzoo mit nach China: Wenn sie in den deutschen Doppelvierer steigt, warten drei tierische Glücksbringer auf ihrem Kopfkissen. „Neben einem Tiger drückt uns ein Hase die Daumen “, sagt die Ruderin. Dazu kommt das ältestes Maskottchen: Ein Monchhichi, das sie schon seit ihrer Kindheit zu Wettbewerben begleitet. „Das hat mir meine Oma aus dem Westen mitgebracht. Ich glaube jedes DDR-Kind wollte damals so ein Teil haben“, erzählt die 38-Jährige. Bisher schien die Massenstrategie Boron Erfolg zu bringen: Bei vier Olympischen Spielen hat sie vier Goldmedaillen gewonnen. Am Sonntag will sie die Fünfte holen. Hase, Tiger und Monchhichi werden ihr Bestes dazu tun.

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