Sport : Abfahrt nach oben

Ski-Rennläuferin Riesch ist auf dem Weg zum Star professioneller geworden

Frank Bachner

Berlin – Ernst-Otto Münch hatte sich am Montagabend nochmal intensiv die Röntgenaufnahmen seiner Patientin angeschaut. Die linke Schulter war abgebildet, genau dort hatte die Patientin Maria Riesch vier Wochen zuvor eine Knochenabsplitterung erlitten. Sieht ganz gut aus, signalisierte Münch, der Teamarzt der deutschen Ski-Nationalmannschaft. Im Klartext: Maria Riesch, die deutsche Top-Skiläuferin, kann ein Comeback versuchen. Am Wochenende finden in Val d’Isere zwei Weltcup-Abfahrten statt. Wenn die Schmerzen nicht schlimmer werden, ist Maria Riesch aus Garmisch-Partenkirchen dabei, die Gesamt-Weltcupdritte der vergangenen Saison. Nach vier Wochen Zwangspause, seit ihrem Sturz im Slalom-Training in Araphowe Basin/Colorado, USA.

Vor ihrem Sturz hatte sie noch den Sieg im Gesamtweltcup „im Hinterkopf“. Aber jetzt „ist das Thema wohl erledigt. Ich habe zu viel Rückstand.“ Das ist Pech. „Maria fuhr vor ihrem Sturz auf einem sehr hohen Niveau“, sagt der deutsche Cheftrainer Wolfgang Maier.

Er hätte auch sagen können: Maria Riesch ist professioneller geworden in dieser Saison, erheblich professioneller als früher. Im Sommer 2003 noch sah die Abiturientin im Fernsehen lieber „Marienhof“, als Konditionstraining zu machen. „Ich mag die Lauferei einfach nicht“, sagt sie. Vor dieser Saison war „Marienhof“ nahezu gestrichen, stattdessen quälte sich Maria Riesch auf dem Fahrrad am Bodensee entlang. Eine Tour von 80 Kilometern empfand sie als „furchtbar“, trotzdem legte sie sogar 120 Kilometer zurück. „Nach einer Woche war ich platt.“ Aber zum Saisonauftakt hatte sie Stehvermögen, „deshalb war ich ja so sauer über diese Verletzung“.

Sie wird sich trotzdem weiter auf alle vier Disziplinen konzentrieren. „Warum nicht, wenn ich überall vorne mitfahren kann?“ In der vergangenen Saison schon hatte sie in drei verschiedenen Disziplinen drei Rennen gewonnen. „Meine Erwartungen an mich sind höher als in der letzten Saison“, sagt die 20-Jährige. Andererseits setze sie sich da gar nicht unter Druck. „Ich bin notfalls auch mit dem sechsten Platz zufrieden, wenn ich gut gefahren bin.“

Das Problem ist nur, dass Boulevardzeitungen und Fans das inzwischen anders sehen. Für sie besetzt Riesch die Rolle des Stars, der Hoffnungsträgerin. Ein Star wird nicht einfach nur Sechster. Er hat Erwartungen zu erfüllen. „Ich bin schon ein bisschen in der Schwarz-Weiß-Schiene zwischen Riesenstar und Riesendepp“, sagt Riesch.

Die Ski-Rennläuferin hat diesen Druck schon in der letzten Saison festgestellt, nach ihrem vierten Platz im Slalom in Sestrière. „Ich war hochzufrieden, weil ich nicht so toll gefahren bin. Aber dann sagte jemand: ,Mensch, was war denn heute los?’“ Das hat Maria Riesch „doch sehr geärgert“. Also verwendet sie jetzt einige Energie darauf, ihre öffentliche Rolle nicht zu verinnerlichen. Sie ist „jetzt misstrauischer gegenüber Lob“ und liest nur noch, „was mir zufällig in die Hände fällt“.

„Marienhof“ hat sie am Fernseher zwar kaum verfolgt in diesem Sommer, trotzdem war sie der ARD-Soap so nahe wie nie zuvor. In Folge 2520, gedreht im Oktober, ausgestrahlt am 6. Dezember. Da hatte eine Marit Hofer ihren Auftritt. Es war nur eine kleine Gastrolle. Die Aushilfs-Schauspielerin hieß Maria Riesch.

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