Abfahrts-Zweite in Val d'Isère : Viktoria Rebensburg: Jetzt auch schnell gut

Viktoria Rebensburg entwickelt sich zur kompletten Skifahrerin – bei ihrem zweiten Platz in Val d’Isère überzeugt sie in der Abfahrt.

Schussfahrt ins Glück. Die einstige Riesenslalom-Spezialistin Rebensburg kann jetzt auch Abfahrt.
Schussfahrt ins Glück. Die einstige Riesenslalom-Spezialistin Rebensburg kann jetzt auch Abfahrt.Foto: REUTERS

Viktoria Rebensburg fasste sich ungläubig an den Helm, schaute in den Himmel und ballte überwältigt die Faust. Das beste Abfahrts-Ergebnis ihrer gesamten Weltcup-Karriere konnte die 25-Jährige im ersten Augenblick selbst nicht richtig begreifen. „Dass es so super funktioniert, hätte ich nicht wirklich erwartet oder erträumt“, sagte die Ski-alpin-Rennfahrerin nach ihrem zweiten Platz in Val d’Isère. Geschlagen wurde sie am Samstag nur von Lindsey Vonn, die in den französischen Alpen ihren 61. Weltcupsieg einfuhr. Mit einem weiteren Erfolg am Sonntag könnte die US-Amerikanerin sogar mit der österreichischen Rekordhalterin Annemarie Moser-Pröll gleichziehen. „Das ist ein super Weihnachtsgeschenk“, bemerkte Vonn freudestrahlend.

Auch Viktoria Rebensburg hatte Grund zum Jubel. Die Riesenslalom-Spezialistin präsentiert sich inzwischen im Speedbereich immer konstanter. Schon auf einer ihrer Lieblingsstrecken im kanadischen Lake Louise überzeugte sie vor zwei Wochen mit den Rängen vier im Super-G und fünf in der Abfahrt. „Ich hab’ schon gewusst, dass ich durchaus Chancen habe, vorn mitzufahren“, sagte sie selbstbewusst.

Erster Abfahrts-Podestplatz seit Höfl-Riesch

Für die Frauen im Deutschen Skiverband war Rebensburgs zweiter Platz der erste Weltcup-Podestrang in einer Abfahrt seit dem 24. Januar 2014. Damals hatte die inzwischen zurückgetretene Maria Höfl-Riesch in Cortina d’Ampezzo gewonnen. Neben der langjährigen deutschen Spitzenfahrerin kam in Gina Stechert zuletzt eine Deutsche in einer Weltcup-Abfahrt unter die ersten drei – im Februar 2009 im italienischen Tarvisio.

Rebensburgs neue Stärke in den schnellen Disziplinen hat zu einem nicht unerheblichen Teil technische Gründe. Nach einem Wechsel des Skiausrüsters zur neuen Saison habe sie schon im Frühjahr deutliche Verbesserungen in den Speed-Disziplinen wahrgenommen, sagte Rebensburg. „Ich hab’ vom ersten Schwung weg gespürt, speziell in der Abfahrt, dass es super gut funktioniert hat“, sagte die Olympiasiegerin im Riesenslalom von Vancouver 2010. Am Samstag zeigte sie sich ob des minimalen Abstands von nur 19 Hundertstelsekunden auf die Ausnahmesportlerin Vonn aber selbst ein bisschen überrascht. Exakt denselben Rückstand hatte im Ziel die Österreicherin Elisabeth Görgl zu Buche stehen, mit der sich Rebensburg deshalb den zweiten Rang teilte.

Rebensburgs Teamkolleginnen mit großem Abstand

Auch Markus Anwander, der Cheftrainer der deutschen Frauen, bemerkte schon frühzeitig im Sommertraining, dass es bei Rebensburg „supergut klappt“ in den Speeddisziplinen. „Sie hat sich richtig gemacht, auch in Lake Louise war sie ja schon nah dran am Podest. Sie hat jetzt auch Selbstvertrauen, das merkt man“, urteilte der Coach. Seine anderen Fahrerinnen konnten an Rebensburgs Performance gleichwohl nicht anknüpfen: Patrizia Dorsch wurde 45., Ann Katrin Magg 49., Michaela Wenig schied aus.

Nicht zu schlagen war allerdings Lindsey Vonn, die in ihrem vierten Saisonrennen nach ihrer langen Verletzungspause den zweiten Sieg bejubeln durfte. „Ich habe viel Geschwindigkeit gehabt heute, es war einfach Wahnsinn“, sagte die 30-Jährige und zeigte sich „happy, noch einen Sieg zu haben“. (dpa)

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