Abgang als FC-Präsident : Die gute Tat von Overath

Im Rücktritt von Wolfgang Overath als Präsident des 1. FC Köln sieht Lorenz Maroldt auch ein Ende des traditionsrührseligen Selbstmitleids, das nichts anderes ist als eine Flucht in trotzigschöne Retrogefühle.

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Überraschung: Wolfgang Overath ist nicht mehr Präsident des 1. FC Köln.
Überraschung: Wolfgang Overath ist nicht mehr Präsident des 1. FC Köln.Foto: dpa

"Wir wollen uns nicht mehr über Spielberichte ärgern, nicht mehr die Wochenenden versauen!" – mit diesen Worten begründete Wolfgang Overath am Sonntag seinen überraschenden Rücktritt als Präsident des 1. FC Köln, und den seiner Stellvertreter gleich mit.

Ja, oh ja – sich endlich nicht mehr über Spielberichte ärgern müssen, sich nicht mehr die Wochenenden versauen: Hach, wie wär’ das schön! Einfach nicht mehr hinsehen, einfach nicht mehr hingehen, warum ist man denn da nicht selbst drauf gekommen? Warum hat man sich nur so daran gewöhnt, dass versaute Wochenenden genau so zum FC gehören wie Wolfgang Overath und dessen vereinsschädigende Fründes- und Pfründeswirtschaft?

Aber gar kein Fußball ist auch keine Lösung, und nicht nur deshalb ist der Rücktritt von Overath eine solche: Schluss mit dem traditionsrührseligen Selbstmitleid, das nichts anderes ist als eine Flucht in trotzigschöne Retrogefühle.

Mit der Anbetung Overaths, der sich 2004 im Präsidium niederließ, fing es an; es folgte der Irrglaube an den messianischen Rückkehrergeist des heiligen Christoph Daum; es gipfelte in der sündhaft teuren, endgültigen Remonarchisierung des Vereins durch Prinz Poldi I. Daums Wiederweggang war der Anfang vom Anfang, Overaths Demission zeigt den FC auf einem guten Weg, im Sommer steht die Kapitalisierung von Podolski an. Der Verein wird auch so noch anders genug sein. Aber er bekommt dazu die Chance, ausreichend normal zu werden – für eine dauerhafte Zukunft in der Bundesliga.

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