Sport : Abgefälschter Sieg

Durch ein Abseitstor gewinnt Bochum 1:0 gegen Leverkusen und stürzt Bayer von der Tabellenspitze

Richard Leipold

Bochum. Schön war die Zeit. Das mögen sich die Fans von Bayer Leverkusen nach dem Schlusspfiff in Bochum gedacht haben. Drei Wochen lang hatten die Rheinländer an der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga gestanden. Nun ist sie vorbei, diese schöne Zeit, die für Trainer Klaus Augenthaler ohnehin nur ein schöner Schein war. Das 0:1 in Bochum kostete Bayer die Tabellenführung. Augenthaler hatte die Siegesserie der ersten drei Runden schon vorher relativiert. „Was haben wir denn schon gebracht?“; fragte der Trainer von Bayer Leverkusen bereits vor der Auswärtspartie beim VfL Bochum. Bis dahin hatten seine Spieler das gebracht, was rechnerisch möglich war: neun Punkte. Im Ruhrstadion dann war die Ausbeute geringer: null Tore, null Punkte. Das Endergebnis lautete: 0:1.

Gegen die Westfalen, die mehr liefen und mehr kämpften, verloren die Leverkusener zum ersten Mal in dieser Saison und zum ersten Mal überhaupt in der Bundesliga, seit Augenthaler Bayers Cheftrainer ist. Der bajuwarische Fußball-Lehrer gewann dem mäßigen Auftritt seiner Elf aber auch etwas Gutes ab. „Die ganze Lobhudelei der vergangenen Wochen war mir sowieso nicht recht“, sagte der Trainer. Vielleicht denkt nun auch mancher Spieler: Schön war die Zeit.

Im Ruhrstadion tauchte die Mannschaft, die zu spät und zu wenig nach vorn spielte, ins spielerische Mittelmaß ab. Peter Neururer, Bochums Trainer, hatte das schon vorher gewusst. „Wir werden Bayer Leverkusen schlagen. Es muss schon Unglaubliches passieren, damit das nicht geschieht.“ Allerdings geschah eher auf dem Spielfeld etwas Unglaubliches: Bochum gewann durch ein Abseitstor. Die Hauptrolle dabei spielten Thomas Zdebel und Peter Madsen. Nachdem die Bochumer in ihrer stärkeren ersten Hälfte einige gute Möglichkeiten ausgelassen hatten, machten diese beiden Spieler im zweiten Durchgang aus einer Chance, die eigentlich keine war, das Tor des Tages: Zdebels Schuss sah harmlos aus, wurde aber durch Mittelstürmer Madsen so abgefälscht, dass Schlussmann Butt dem Ball nur noch nachschauen konnte. Schiedsrichter Kemmling übersah allerdings, dass Madsen im Abseits stand.

Pech also für Leverkusens Fans und Spieler. Glück für Bochum. Und vielleicht auch ein wenig für den vom vielen Lob genervten Bayer-Trainer Klaus Augenthaler.

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