Sport : Abgemacht ist abgemacht

Wird das Ultimatum nach Herthas 1:0 in Rostock aufgehoben? Stevens sagt: „Wir haben eine Vereinbarung“

André Görke

Berlin . Der Morgen gestaltete sich problematisch, weil alle etwas von Huub Stevens hören wollten, der aber vor einem verschlossenen Presseraum stand. „Oh, da habe ich ja Glück gehabt“, sagte Stevens, dem solche Termine nicht besonders liegen, ging zurück in die Kabine und ließ Kamerateams und Reporter irritiert auf dem Parkplatz zurück.

Und das sollte es gewesen sein? Kein Kommentar zu dem, was Dieter Hoeneß am Samstagabend angedeutet hatte? Der Manager von Hertha BSC war nach dem 1:0-Sieg bei Hansa Rostock nach Mainz ins „Aktuelle Sportstudio“ geflogen. Dort hatte er sich sinngemäß so geäußert: Jetzt, da Stevens mit Hertha das erste Spiel in dieser Saison gewonnen hat, der Trainer somit auf jeden Fall bis Dienstag im Amt bleibt, könne man doch noch einmal über die zweite Stufe der so genannten Vereinbarung nachdenken. Diese besagt, dass Stevens am Dienstag im DFB-Pokal – wieder bei Hansa Rostock – gewinnen muss. Andernfalls verliert er doch noch seinen Job. Hoeneß sagte, er warte jetzt ab, „was der eine oder andere in den nächsten Tagen von sich gibt, der vorher den Daumen nach unten gesenkt hat. Wenn die sich alle einig sind, bin ich der Erste, der mit sich reden lässt“.

Kommando zurück? Bleibt Stevens Trainer, auch wenn das Team am Dienstag verliert? Irgendwann rauschte ein Taxi auf den Parkplatz. Manager Hoeneß und Pressesprecher Hans-Georg Felder saßen darin, der Mann mit dem Schlüssel für den Presseraum. Sie kamen vom Flughafen. Wenig später trottete Stevens auch wieder aus der Kabine, diesmal gesprächsbereit. „Ja, ich habe die Worte des Managers gehört“, sagte der. Und? „Wir haben eine Vereinbarung.“

Weil Stevens nicht in der Position ist, Ansprüche zu stellen, hält er sich zurück. Nach der Äußerung des Managers am Abend aber sagte Herthas Präsident Bernd Schiphorst: „Ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Wir haben eine klare Vereinbarung.“

Schiphorsts Reaktion ist durchaus verständlich. Auch intern heißt es bei Hertha, man solle nach dem Sieg nichts überstürzen. Die mit Stevens getroffene Abmachung, beide Spiele zu gewinnen, sei in der Tat einstimmig abgesegnet worden. Doch nicht alle seien so überzeugt vom Trainer wie der Manager. Eine Opposition gebe es sehr wohl. Die habe sich jedoch am vergangenen Wochenende in Gesprächen vom Manager überzeugen lassen.

Den Aufsichtsrat habe Hoeneß jedoch nicht gemeint, als er angekündigt hatte, „die Reaktion derjenigen abzuwarten, die den Daumen nach unten“ gesenkt hatten, sagte der Manager am Sonntag. Nur wen dann? „Na, das Drumherum.“ Und wer soll das sein? „Fühlen Sie sich angesprochen“, sagte er den Journalisten. Liegt es nur noch an den Medien? Hoeneß sagt, er habe „in der letzten Woche eine Veränderung in der Mannschaft“ festgestellt.

Die Spieler jedenfalls scheinen sich ihrer Situation und der des Trainers bewusst zu sein. Ihr Auftritt am Samstag war der beste Beweis dafür, dass Stevens und die Mannschaft als Gemeinschaft auftreten. Die Spieler kämpften und hielten dem Druck stand. Als das Spiel vorbei war, nahmen sie sich alle in die Arme, Stevens weinte. „So was lässt mich nicht kalt“, sagte Hoeneß. Vielleicht gebe es „Gerechtigkeit und solche Dinge“.

Schon nach dem Abpfiff hatte Hoeneß mit seinen Äußerungen den Eindruck erweckt, er wolle sich nicht mehr krampfhaft an das Ultimatum halten. Was wäre denn, wenn die Mannschaft am Dienstag gegen Hansa Rostock im Elfmeterschießen verliert, davor aber gut gespielt hat? Genau vor diesem Szenario habe der Beteiligungsausschuss am Montag gewarnt, ist zu hören. Doch Manager Hoeneß blieb bei seinem Plan. Er hat gemerkt, dass es in den Führungsgremien immer noch Vorbehalte gegen die Vereinbarung gibt. Spätestens in der vergangenen Woche, als er und Stevens wenig Unterstützung vom Aufsichtsrat bekamen. Das erklärt seine Haltung: „Wie gesagt, ich will die Reaktionen abwarten“, sagt der Manager. „Falls es notwendig sein sollte, können wir reden.“

Am einfachsten wäre es, Stevens würde am Dienstag gewinnen. Bis Weihnachten solle er dann auf jeden Fall Zeit bekommen, heißt es. Manager Hoeneß hatte schon in Rostock gesagt, dass er bis Dienstag keine Gespräche mit anderen Trainern führen werde. Einen Plan B gibt es jedoch nach wie vor. Denn wie sich Stevens im Falle einer unglücklichen Niederlage verhalten wird, ist noch nicht ganz geklärt. Vielleicht wird er selbst nach einem knappen Ausscheiden aus dem DFB-Pokal in Rostock gehen. Nicht, weil ihm das nicht wehtun würde. Aber es liegt ihm viel daran, seinen Ruf als berechenbarer Arbeiter zu bewahren, der sein Wort hält.

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