Sport : „Abgrundtiefe Liebe“

Christoph Daum über seinen Erfolg in Istanbul

-

Herr Daum, herzlichen Glückwunsch zur Meisterschaft mit Fenerbahce Istanbul! Bleiben Sie jetzt für immer ein Türke?

Warum nicht, hier ist meine zweite Heimat. Der Erfolg ist da, obwohl uns alle Klubs gejagt haben. In den großen europäischen Ligen hat neben uns nur Lyon die Titelverteidigung geschafft.

Fenerbahce hat Ihnen eine Vertragsverlängerung bis 2010 angeboten.

Ich entscheide darüber in dieser Woche. Ich habe mir erst mal bis Donnerstag freigenommen, um mich gedanklich auf die Champions League vorzubereiten.

Warum wollen Sie noch überlegen? Ihr Vereinspräsident Aziz Yildirim hat gesagt, er wolle 100 Millionen Dollar in die Mannschaft investieren.

Diese Meldung ist Schwachsinn. Es werden in den kommenden Jahren 100 Millionen in den gesamten Verein investiert, in Jugendabteilung, Infrastruktur und Mannschaft. Die Annahme, dass ich mir Stars ohne Ende kaufen kann, geht auf einen Übersetzungsfehler zurück.

Haben Sie sich in Istanbul mit den Fans versöhnt?

Versöhnt? Wir haben 30 Millionen Sympathisanten. Wenn da mal ein Fan kommt und mir an der Jacke zieht und fleht „Bitte, bitte Meisterschaft!“, dann ist das kein Ausdruck von Ablehnung. Es ist ein Zeichen abgrundtiefer Liebe.

Dennoch werden Sie oft kritisiert.

Hier in der Presse gab es eine Kampagne, dass Galatasaray zum 100. Vereinsjubiläum Meister wird. Da wollte man uns verunsichern, auch mich. Angeblich hatten dutzende Trainer bei Fenerbahce unterschrieben. Toppmöller, Hitzfeld – alle sollten mich beerben. Das waren alles Märchen aus 1001 Nacht.

Immerhin haben Sie gegen Galatasaray das Pokalfinale klar verloren.

Wir müssen taktisch dazulernen. Wir sind losgestürmt und haben fünf Dinger reingekriegt. Aber in der Meisterschaft haben wir das jetzt wieder gutgemacht.

Herr Daum, wie haben Sie persönlich den Meistertitel gefeiert?

Gar nicht. Ich habe ja Stunden gebraucht, um bei diesen tobenden Menschenmassen aus dem Stadion zu kommen.

Die Fragen stellte Robert Ide.

Christoph Daum, 51,

ist seit zwei Jahren Trainer bei Fenerbahce Istanbul. Mit einem 1:0-Sieg gegen Galatasaray verteidigte der Klub am Sonntag die türkische Meisterschaft.

0 Kommentare

Neuester Kommentar