Sport : Abhängig von Amerika

Die Eisbären haben mit der Saisonvorbereitung begonnen – nur der Spielerkader ist noch lange nicht komplett

Mathias Klappenbach

Berlin - Von draußen durch die Scheibe sieht es Anfang August anachronistisch aus, wie die Eishockeyprofis in der Trainingshalle ihre Zweikämpfe üben und den Torhütern einen Schuss nach dem anderen auf die dicken Schoner knallen. Aber es ist schon wieder soweit, die Berliner Eisbären haben gestern mit dem ersten Mannschaftstraining die Vorbereitung auf die neue Saison begonnen. Am 8. September startet die Deutsche Eishockey-Liga (DEL), und „viele der älteren Spieler machen einen fitteren Eindruck als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr“, sagt Trainer Pierre Pagé. „Man merkt gleich, dass sie hungrig nach Erfolg sind.“ Dennoch gibt es für den Deutschen Meister bis zum Saisonstart noch viel zu tun.

Die Eisbären werden ihren so lange ersehnten Titel mit mehr neuen Spielern verteidigen müssen, als ihnen lieb ist. Da der Arbeitskampf in der nordamerikanischen Profiliga NHL beendet ist und in dieser Saison wieder gespielt werden wird, laufen solche Stars wie Olaf Kölzig, Nathan Dempsey oder Erik Cole wieder dort über das Eis. Neu verpflichtet haben die Eisbären bisher noch keinen Spieler, obwohl insgesamt neun Profis den Verein verlassen haben.

Derzeit stellen die Teams in der NHL ihre Kader zusammen. „Wir müssen warten, wer dort keinen Platz kriegt“, sagt Pagé. „Dann kommen wir an die Reihe, in ein oder zwei Wochen wissen wir schon mehr.“ Da sich der NHL-Klub Carolina Hurricanes die Rechte an Verteidiger Derrick Walser gesichert hat, könnte es sogar sein, dass die Eisbären ohne den zehnten Spieler auskommen müssen.

Gestern waren zwar schon 22 Spieler beim Training, die meisten von ihnen sind aber so genannte Förderlizenzspieler. Mit diesen Lizenzen erhalten junge Spieler die Möglichkeit, gleichzeitig in den unteren Ligen und der DEL zum Einsatz zu kommen. Insgesamt haben die Eisbären, die ihre Jugendarbeit in diesem Jahr weiter intensivieren wollen, 24 solcher Lizenzen vergeben. In der vergangenen Saison waren es 22, und 16 dieser Spieler erhielten tatsächlich auch Eiszeit in der DEL, einige gehören zur Stammformation.

Doch auch wenn laut Trainer Pagé in diesem Jahr wieder einige viel versprechende Talente unter den jungen Spielern sind, werden die Eisbären noch eine ganze Reihe erfahrener Spieler verpflichten müssen. Nach den Abgängen der Torhüter Kölzig und Oliver Jonas ist der älteste der momentan zur Verfügung stehenden Goalies der 19-jährige Daniar Dshunussow. Und auch in den anderen Mannschaftsteilen stehen bislang nur wenige erfahrene Spieler im Kader für diese Saison.

„Natürlich ist es riskant, so lange zu warten“, sagt Pagé. „Aber wir sind nicht der einzige Klub in Europa, der darauf wartet, was in der NHL passiert.“ Die Mannschaften der DEL verfolgen unterschiedliche Strategien bei ihren Transfers. Einige haben ihre Kader bereits fast komplett, andere wie die Frankfurt Lions warten ähnlich wie die Eisbären ab, bis wieder neue Spieler auf den Markt kommen.

Es wird also noch eine ganze Weile dauern, bis die Eisbären die komplette Mannschaft für die angestrebte Titelverteidigung zusammen haben. „Wenn wir wieder Meister werden wollen, brauchen wir gute Spieler“, sagt Pierre Pagé. „Durchschnitt hilft uns nicht weiter.“ Bis aber die guten Spieler da sind und sich mit der Mannschaft eingespielt haben, bleibt für die jungen Spieler die Chance, sich zu präsentieren.

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