Sport : Abhängig

Warum Union Unternehmer Kölmel im Aufsichtsrat haben will

André Görke

Berlin. Sonderlich scharf waren die Worte von Michael Kölmel nie, aber dieser Satz war an Harmlosigkeit kaum zu unterbieten. „Ich wünsche mir Ruhe und die große Koalition.“ Das war überaus höflich gemeint vom einstigen Finanzier des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union, brachte die Debatte um den Krach in der Chefetage nicht wirklich weiter.

Auf welcher Seite steht er denn nun? In einer Woche findet bei Union die außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Und dann soll endlich geklärt sein, wie es weitergeht: mit Kölmel und Heiner Bertram, dem ehemaligen Präsidenten – oder mit Kölmel und dem Aufsichtsrat, der vor einem Monat seinen Kandidaten Jürgen Schlebrowski an die Spitze des Vereins setzte.

Offenbar hat Kölmel jetzt bemerkt, dass er seine Wortwahl etwas präzisieren musste. Die Parteien liegen arg im Streit und wollen von einer großen Koalition überhaupt nichts wissen. Also ließ Kölmel über seine Sprecherin Bianca Krippendorf deutlich mitteilen, dass „ich weder für Herrn Bertram noch für Herrn Schlebrowski Partei ergreifen werde“, aber sehr wohl „in den Aufsichtsrat will“. Ob in dieser Woche überhaupt noch eine Entscheidung fallen wird, „ist unklar“. Vielleicht, sagt Krippendorf, „wird Herr Kölmel die Arbeit erst im Mai 2004 aufnehmen“.

Kölmel investierte Ende der Neunzigerjahre neun Millionen Euro in den Verein. Das war keine Spende, sondern ein Darlehen, das Kölmel wieder zurückhaben will. Kurzfristig ist damit nicht zu rechnen, und wenn man ehrlich ist – langfristig auch nicht. Die neun Millionen Euro muss Union erst an Kölmel zurückzahlen, wenn der Klub Gewinn erwirtschaftet. Also in der Ersten Bundesliga.

Man muss nur ein Beispiel vor Augen haben, um Unions Abhängigkeit zu erkennen: Der Verein hat vor einiger Zeit die Marketingrechte von Kölmel zurückgekauft und als Zahlung vereinbart, einen Teil der Fernsehgelder zu überweisen. In der vergangenen Saison nahm Union 3,4 Millionen Euro ein und sollte davon eine halbe Million Euro an Kölmel zahlen. Doch diese Überweisung konnte sich der Verein nicht leisten, Kölmel hat das Geld daraufhin gestundet. So geht das seit Monaten, die Forderungen sollen auf 800000 Euro angestiegen sein. „Wenn Kölmel morgen sagt: Meine Herren, ich will dieses Geld! Dann müssen wir Insolvenz beantragen“, sagt ein Aufsichtsratsmitglied.

Also wird Kölmel in den Verein eingebunden. Der Aufsichtsrat soll um zwei auf neun Mitglieder erweitert werden. Das achte ist Kölmel, das neunte ein Vorstandsmitglied des Hauptsponsors BSR.

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