Sport : Ablenkung im Tunnel

Carolin Nytra wird Dritte über 100 Meter Hürden

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Berlin - Sie kam nicht als Schnellste aus den Blöcken, aber das war keine Überraschung. Der Start war noch nie eine Stärke der Carolin Nytra. Aber dann kam sie gut ins Rennen, bis zur fünften Hürde war sie knapp in Führung. Doch plötzlich schob sich die Favoritin Priscilla Lopes-Schliep vorbei. Und im Ziel hatte die Kanadierin einen klaren Vorsprung. In der Weltklassezeit von 12,57 Sekunden gewann sie die 100 Meter Hürden. Aber Carolin Nytra rannte kurz danach über die Ziellinie, als Dritte hinter der Kanadierin Predita Felicien (12,71). Nytra benötigte 12,75 Sekunden, für eine sehr gute Zeit für sie.

Das Hauptziel der EM-Dritten Nytra ist nicht der Sieg über Hürdenstars wie Lopes-Schliep. Für sie geht es in erster Linie darum, Wettkampfhärte zu gewinnen „Es war sehr schön heute, fast wie bei der WM 2009“, sagte sie. Rennen wie jenes vom Istaf sind für sie eine extrem harte und effiziente Schule. Carolin Nytra ist immer noch dabei zu lernen, zehn Hürden lang den Rhythmus zu halten. Oft genug hat sie ihn nach der achten Hürden oder vorher schon verloren. Die Angst, gegen eine Hürde zu prallen, wirkt unterschwellig immer noch. Auch die Fähigkeit, wie im Tunnel zu laufen, ist noch nicht optimal ausgeprägt. Sie ertappt sich immer wieder, dass sie gegen Ende eines Rennens auf äußere Faktoren reagiert. Entweder hört sie den Stadionsprecher, der begeistert den Rennverlauf kommentiert, oder sie sieht neben der Bahn jemanden. Dadurch verliert sie kurz ihren Rhythmus und damit auch wertvolle Sekunden. Auch gestern sagte sie: „Es wäre wohl noch mehr drin gewesen, aber ich bin hinten mit meiner hohen Geschwindigkeit nicht zurechtgekommen.“

Aber sie hat wieder etwas gelernt. „Was ich aus 2010 mitnehme? Dass ich mir nicht zu viele Gedanken über große Namen machen sollte.“ Frank Bachner

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