Sport : Abnehmender Erfolg

Die Tennisspielerin Daniela Hantuchova verliert zunehmend – ihre Spiele, ihre gute Laune und ihr Gewicht

Benedikt Voigt

Berlin. Es gibt einige Hinweise dafür, dass die zwei älteren Damen auf der Haupttribüne zum ersten Mal in ihrem Leben ein Tennisspiel besuchten. Zunächst versuchten sie mittels Zeitung herauszufinden, wer die beiden Damen in den kurzen Röcken sind, die sich auf dem Center Court die Bälle zuschlugen. Als sie schließlich die Anzeigentafel auf der Stirnseite des Platzes entdeckt hatten, fragte die Dame mit dem Strohhut: „Wer ist Clijsters?“ Die andere sagte: „Mein Gott, ist die aber dünn.“ Sie hatte Daniela Hantuchova gesehen.

Man muss kein Tennisexperte sein, um sich über die Figur von Daniela Hantuchova zu wundern. Die 20-jährige Slowakin ist extrem schlank, der Media Guide der Frauentennisorganisation WTA, der vor einer Tennissaison herausgegeben wird, gibt ihr Gewicht mit 56 Kilogramm an. Was für ihre Größe von 1,81 Metern tatsächlich wenig ist. Inzwischen soll Hantuchova sogar nur noch rund 50 Kilogramm wiegen. Und ihre Ergebnisse werden gleichzeitig mit dem Gewichtsverlust schwächer. Gestern verlor die Nummer neun der Weltrangliste gegen die Belgierin Kim Clijsters im Viertelfinale der German Open 0:6, 3:6. Erst im zweiten Satz hatte Hantuchova besser ins Spiel gefunden. Trotzdem war die Angelegenheit bereits nach 54 Minuten erledigt.

Was ist los mit Daniela Hantuchova? Es mehren sich die Spekulationen über ihr Essverhalten. Womöglich leide sie an Bulimie, heißt es in Tenniskreisen. Hantuchova widerspricht solchen Erklärungsversuchen, sie sagt, sie sei fit und gesund. Sie war auch schon in der vergangenen Saison extrem schlank. Allerdings hatte das da die Medien noch veranlasst, ihr ein Modelimage anzudichten. Sie sei eine zweite Anna Kurnikowa, hieß es damals, nur spiele sie sogar noch besseres Tennis als die Russin. „The legs of Bratislava“, schrieb eine englische Zeitung, als die Slowakin in Wimbledon spielte, die Beine von Bratislava. Inzwischen aber gibt ihre Figur bereits Anlass zu Wortwitzen. „Was für `ne schmale Hantuchova“ schrieb das Boulevardblatt „BZ“ in dieser Woche.

Inmitten der kräftigen Tennisdamen wie Jennifer Capriati oder Swetlana Kuznetzowa fällt eine Spielerin mit schmalen Armen und Beinen noch deutlicher auf. Doch kraftlos war das Spiel der Slowakin bislang nicht gewesen. Der Aufschlag galt als eine ihrer Stärken. Gestern war das anders. Kim Clijsters entschuldigte das mit dem Untergrund. „Auf Sand ist ihr Aufschlag nicht ihre stärkste Waffe“, sagte die Belgierin. In der vergangenen Saison war Daniela Hantuchova die Aufsteigerin im Damentennis. Von Platz 38 kämpfte sie sich bis auf Rang acht der Weltrangliste vor. Erstmals gewann sie in Indian Wells ein WTA-Turnier, in Wimbledon, bei den US Open und bei den Australian Open 2003 gelangte sie jeweils ins Viertelfinale. Erst danach blieben die Erfolge aus. In Miami scheiterte sie in ihrem ersten Match gegen die Australierin Alicia Molik. In Charleston verlor sie das Viertelfinale gegen die unbekannte US-Amerikanerin Ashley Harkleroad. Beim Fed-Cup Ende April konnte sie sich nur ganz knapp mit 2:6, 7:6, 7:5 gegen Marlene Weingärtner durchsetzen.

Doch Hantuchova, die inzwischen auf ein Karrierepreisgeld von 6974563 Millionen Dollar kommt und in Monte Carlo wohnt, sieht nicht ihr Gewicht und ihre Leistungen abnehmen, sondern die Erwartungen von außen zunehmen. „Vielleicht habe ich einige Matches verloren, die ich hätte gewinnen müssen“, rechtfertigt sie sich, „aber die Leute erwarten von mir auch, dass ich mehr Matches gewinne, somit ist auch der Druck größer.“

Am Freitagnachmittag verließ sie nach ihrer Niederlage gegen Kim Clijsters wortlos den Center Court und würdigte die geduldigen Autogrammjäger keines Blickes. Im Media Guide der WTA blickt sie deutlich freundlicher. Es muss allerdings ein Foto sein, das zu Beginn ihrer Tenniskarriere aufgenommen wurde. Es zeigt sie lächelnd – und pausbäckig.

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