Sport : Abpfiff vor dem Durchbruch

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Berlin Manuel Gräfe fiel fast von der Couch. Es war gegen 16.45 Uhr, als im fernen Frankfurt am Main Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), unter den verdächtigen Spielen Essen gegen Köln nannte. Gräfe war Schiedsrichter dieses Spiels, und Gräfe kommt aus Berlin. „Was lag näher, als dass ich zu den Verdächtigen gehöre“, sagt Gräfe und ringt am Montagabend noch immer um Fassung. Direkt angerufen habe er dann beim DFB und um Auskunft gebeten. „Warum mein Spiel?“, hat Gräfe gefragt.

Der DFB reagiert, gibt einige Stunden später eine Ehrenerklärung für das Schiedsrichtergespann ab. Und doch ist die Partie wohl der Schlüssel zur Frage, ob der verdächtige Schiedsrichter Hoyzer schuldig ist. Vor dem Spiel soll Hoyzer versucht haben, auf einen von Gräfes Assistenten Einfluss zu nehmen (siehe auch Artikel links). Auch der Assistent, Felix Zwayer, kommt aus Berlin und kennt Hoyzer, allerdings haben beide privat nichts miteinander zu tun. Heute, spätestens am Mittwoch, wollen Gräfe und Zwayer an die Öffentlichkeit gehen und Auskunft geben über ihre Situation und was sie über den Fall Hoyzer wissen.

Nicht nur im Wohnzimmer von Gräfe herrschte gestern große Aufregung. Der gesamte Berliner Fußball-Verband war in Aufruhr. Präsident Bernd Schultz sah am Abend konsternierte Gesichter auf der Tagung der Verbandsliga-Schiedsrichter, der höchsten Berliner Spielklasse. „Alle sind schockiert“, berichtet Schultz, der sich „einfach nicht vorstellen kann, dass er sich in der Person Hoyzer so täuschen konnte“. Schultz bittet darum, „nur keinen Generalverdacht über Berlins Schiedsrichter auszusprechen und findet, dass die Schuldigen bestraft werden müssen, wenn sie überführt sind“.

In Berlin tun sich die Schiedsrichter indes sehr schwer, Aussagen über Hoyzer zu machen. So schnell will man einen nicht fallen lassen, der erfolgreich war und zu „unseren Besten gehörte“, wie Schultz sagt. So schnell wie Robert Hoyzer steigen nur wenige auf im Fußball. Mit 18 Jahren war er Schiedsrichter in der Verbandsliga, ein Jahr später in der Oberliga, mit 22 dann in der Regionalliga, und als er zum ersten Mal ein Spiel in der Zweiten Liga leitete, war er gerade einmal 23 Jahre alt. Es hätte sicher nicht mehr lange gedauert, und Robert Hoyzer wäre im Kreis der Erstligaschiedsrichter angekommen. Doch es scheint, als habe er sich selbst aufgehalten – mit 25 Jahren.

Nur knapp verpasste der 1,98 Meter große und 96 Kilogramm schwere Hoyzer den Rekord, der bisher jüngste Schiedsrichter in der Zweiten Liga zu werden. Vor ihm hatten Hans-Jürgen Weber und Markus Merk mit 23 Jahren die Zweite Liga erreicht. Wenn es einen Vorwurf gegen den gelernten Zimmermann gab, dann sein arrogantes Auftreten. Nach dem Pokalspiel zwischen dem SC Paderborn und dem HSV beschwerten sich Hamburgs Spieler nicht nur über die Fehlentscheidungen, sondern auch über Hoyzers Umgangston. Ein Berliner Schiedsrichter sagt: „Manche verkraften den schnellen Aufstieg eben nicht.“ Hoyzer soll sich verändert haben, schwierig im Umgang geworden sein. Einige seiner Schiedsrichter-Freunde sollen den Umgang mit ihm gemieden haben.

Die Nebentätigkeit auf dem Fußballplatz ließ sich gut mit seinem Beruf verbinden. Hoyzer schrieb sich erst an der Technischen Fachhochschule Berlin für Bauingenieurwesen ein, im September wechselte er an die Fachhochschule Salzgitter. Als Schiedsrichter verdiente Hoyzer mehr, als er mit BaföG und Kellnerjob zusammen bekommen hätte. 1500 Euro zahlt der DFB für ein Zweitligaspiel, für das Pokalspiel beim SC Paderborn erhielt er 750 Euro. „Auf seinem Niveau verdient man gutes Geld“, sagt Schultz. Es war Hoyzer wohl zu wenig.

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