Abraham gegen Stieglitz : Ein bisschen Endzeit im Ring

Das Box-Duell Arthur Abraham gegen Robert Stieglitz hat etwas Finales. Sollte der 34 Jahre alte Herausforderer Stieglitz verlieren, wird er seine Karriere vermutlich beenden.

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Robert Stieglitz posiert beim offiziellen Wiegen vor dem WM-Kampf am Samstag.
Robert Stieglitz posiert beim offiziellen Wiegen vor dem WM-Kampf am Samstag.Foto: dpa

Neulich hat der Boxtrainer Dirk Dzemski einen interessanten Satz gesagt. Auf die Frage, ob er seinem Schützling Robert Stieglitz, so er nicht gegen Arthur Abraham gewinnen sollte, zum Rücktritt rate, antwortete der 43-Jährige: „Das hängt doch immer vom Kampf ab und final, ob er dann noch Lust zum Boxen hat.“ Sollte sein Mann weiter für seinen Sport brennen, würde er ihn unterstützen.

Wenn dieser Kampf im Super-Mittelgewicht zwischen Herausforderer Stieglitz und Weltmeister Abraham heute Abend im Gerry-Weber-Stadion (22.15 Uhr/Sat 1) etwas hat, dann ist es der finale Charakter, der ihn umweht. Sollte der 34 Jahre alte Stieglitz (52 Kämpfe, 47 Siege, 27 Ko’s) verlieren, wird er seine Karriere vermutlich beenden. „Ich habe mir immer Gedanken gemacht, war nicht blauäugig und habe die Zeit nach meiner Karriere vorbereitet“, sagt Stieglitz. Und sollte der ein Jahr ältere Abraham (46 Kämpfe, 42 Siege, 28 Ko’s) seinen Titel verlieren, müsste er sich wieder hinten anstellen. „Daran denke ich gar nicht“, sagt Abraham: „Der Titel bleibt in meiner Hand.“

Es ist bereits das vierte Duell der beiden Boxer

Es ist bereits das vierte Duell der beiden Boxer. Im August 2012 knöpfte Abraham durch einen Punktsieg nach zwölf Runden Stieglitz den WM-Titel nach WBO-Version ab. Im März 2013 revanchierte sich Stieglitz. Der Deutsch-Russe Stieglitz deckte Abraham in seiner Wahlheimat Magdeburg drei Runden lang mit wilden Schlägen ein, bis das eine Auge des Weltmeisters zugeschwollen war und es nicht mehr weiterging. Das bisher letzte Duell im März 2014 gewann dann wieder Abraham.

Interessant ist, dass in den bisherigen Duellen jeweils der Herausforderer den Ring mit dem WM-Titel verließ. Das würde dieses Mal für Stieglitz sprechen. Andererseits ist er darauf angewiesen, dass Abraham einen nicht so guten Tag erwischt, oder er diesen irgendwie überraschen kann.

Für einen K.o. fehlt es Stieglitz an Technik und Schlagkraft

Klassisch ausboxen oder gar K.o. schlagen wird er Abraham nicht können, dazu dürfte es Stieglitz an Technik und Schlagkraft fehlen. „Ich werde anders boxen, schlauer und dosierter auftreten“, sagt Stieglitz. Dass er im dritten Kampf gegen den Berliner Abraham einmal zu Boden ging, habe er verdrängt. „Das ist nicht mehr präsent, da es ja nur ein Abknien war, kein direkter Niederschlag“, sagt Stieglitz und erzählt: „Ich habe in der letzten Runde zu viel gemacht – überpacen nennt man das wohl – und bekam die Quittung. Ein Fehler von mir, der mir nicht mehr passiert.“

Ulli Wegner hat da andere Sorgen. Der Trainer von Abraham muss darauf achten, dass sein Schützling die ersten Runden des Kampfes nicht zu abwartend gestaltet oder gar verschläft. „Arthur kann alles besser als Stieglitz, er muss es am Samstag nur abrufen“, sagt Wegner. Für den Fall, dass sein Schützling verliert, hat er bereits angedroht, sich von ihm zu trennen.

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