Sport : Abrüstung durch Aufrüstung

Christian Hönicke

wundert sich nicht über den Überholknopf in der Formel 1 Bei kleinen Kindern funktioniert umgekehrte Psychologie, warum soll sie in der Formel 1 versagen? Jahrelang ist der Automobil-Weltverband Fia mit Bemühungen gescheitert, den großen Automobilherstellern Regeländerungen schmackhaft zu machen, die zu mehr Spannung und Überholmanövern führen. Kein Wunder, denn die meisten dieser Ideen sahen eine drastische Technologie-Abrüstung vor. Der Mangel an Überholmanövern, den in einer offiziellen Umfrage 94 Prozent der Fans beklagen, ergibt sich nämlich vor allem aufgrund der immer weiter reduzierten menschlichen Fehlerquote. Verschalter, durchdrehende Reifen – all die kleinen Fahrfehler, die zu Positionswechseln führen, haben sich durch die dominierende Technik aus der Formel 1 verabschiedet. Das wissen auch BMW, Daimler-Chrysler und Mitstreiter. Dennoch haben sie kein Interesse daran, die spannungshemmenden Bremshilfen und automatischen Getriebe aus den Autos zu verbannen, weil sie den Motorsport zuallererst als Bühne für ihre teuren Entwicklungen sehen.

Jetzt schlägt die Fia offenbar einen Turbo-Knopf vor, wie es ihn auch in der US-amerikanischen Champcar-Serie gibt. Für einen begrenzten Zeitraum versorgt er das Auto mit einer Extraportion Leistung – das Überholen wäre wieder möglich. Also einen weiteren Knopf ans Lenkrad bauen, wo doch eigentlich mindestens fünf entfernt werden müssten? Abrüstung durch Aufrüstung? Das klingt nicht vernünftig. Aber es passt in diese Formel 1. Die Chancen für den Turbo- Knopf stehen gut.

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