Sport : Abschalten, bitte!

Trotz großer Abstiegssorgen bleibt Votava Trainer bei Union

Karsten Doneck

Berlin. Im Fernsehen erhob der Moderator seine Stimme. Der Ton wurde schrill. Jürgen Schlebrowski mochte da nicht mehr hinhören. „Können wir das mal abschalten? Bitte!“, bat er, das Gesicht scherzhaftschmerzhaft verzogen. Gerade flimmerte im Vip-Zelt an der Alten Försterei die Szene über den Bildschrim, in der Wacker Burghausen beim 1. FC Union per Freistoß den 2:1-Siegtreffer erzielte. Schlebrowski, Unions Präsident, hatte genug davon. Die Köpenicker wechseln als Tabellenvorletzter ins neue Jahr, sind akut abstiegsgefährdet. Eine im Fußball durchaus übliche Konsequenz aus solcher Misere wäre ein Trainerwechsel. „Mirko Votava ist der richtige Trainer. Ich habe nach wie vor den Eindruck, er erreicht die Mannschaft, die Kommunikation mit den Spielern funktioniert, und zwar in beide Richtungen. Erst wenn das nicht mehr der Fall wäre, müsste man handeln“, sagt Schlebrowski. Ende der Trainerdiskussion.

Gestern tagte Unions Präsidium. Auch Mirko Votava saß mit in der Runde – auf eigenen Wunsch, wie Schlebrowski betont. Bei der rund vierstündigen Sitzung nahm der Trainer die Gelegenheit wahr, die Hinrunde aus seiner Sicht zu analysieren und ein Konzept vorzustellen, wie der drohende Abstieg doch noch vermieden werden kann. Welche Ideen Votava im Detail hat, das wollte Union unbedingt für sich behalten. Nach der Niederlage gegen Wacker Burghausen hatte der Trainer eher schwammig den Aufbruch zu besseren Zeiten skizziert. „Wenn sich das Pech, das wir während der ganzen Hinrunde gehabt haben, in der Rückrunde in Glück umwandelt, dann kommen wir da unten auch wieder raus“, sagte er. Die derzeitige Lage sieht Votava ohnehin nicht so schwarz wie mancher treuer Fan. „Wir haben nur zwei Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz“, sagt er. Dass dieser Abstand bei Leistungen wie gegen die wahrlich nicht meisterlich aufspielenden Bayern aus Burghausen in Zukunft eher wachsen als schrumpfen wird, verschwieg Votava geflissentlich.

Stattdessen fordert der Trainer Verstärkungen. Kai Apelt, Unions Geschäftsführer, erhielt vom Präsidium den Auftrag, alle Liquiditätsreserven zu prüfen und auszupressen. Mit einer erheblichen Einsparung rechnet Union in Kürze. Der Vertrag mit dem abwanderungswilligen Mittelfeldspieler Kostadin Widolow, Spitzenverdiener mit über 10 000 Euro Monatsgehalt, wird aufgelöst. „Er wird gehen, da bin ich mir sicher“, sagt Schlebrowski. Der Präsident stellt sich derweil weiter schützend vor Votava. Und nutzt jede Gelegenheit, für die sportliche Misere auch Ex-Präsident Heiner Bertram sowie Trainer-Vorgänger Georgi Wassilew in die Verantwortung zu nehmen: „Ich will Herrn Votava keineswegs in Schutz nehmen, aber wir müssen doch objektiv bleiben. Er hat Spieler dabei, die er nicht geholt hat. Das ist kein Kader, den er selbst zusammengestellt hat.“

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