Sport : Abschied des Verfolgers

Der Hamburger SV möchte nicht mehr vom Meistertitel sprechen

Hans Böller[Nürnberg]

Auf dem Weg zur Pressekonferenz hatte Hans Meyer seinen Arm um die Schulter von Thomas Doll gelegt. Vielleicht wollte Meyer den Trainer des Hamburger SV trösten nach der unerwarteten 1:2-Niederlage beim 1. FC Nürnberg. Wie sehr der Nürnberger Coach Meyer den Hamburger schätzt, ist bekannt, auch am Samstag strich Meyer „die positive Art und die exzellente Arbeit“ von Doll heraus.

Unter Doll sind dem Hamburger SV die Sympathien und der Erfolg nur so zugeflogen – womit freilich auch die Ansprüche gewachsen sind. Spätestens mit den spektakulären Transfers von Ailton und Nigel de Jong in der Winterpause gilt der HSV auf einmal als großer Herausforderer des FC Bayern München. Die Hamburger sollten quasi die Versicherung gegen die Langeweile an der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga sein. Zu viel der Ehre, wie Doll nach dem Rückrundenstart in Nürnberg befand, bei dem Ailton kaum auffiel und de Jong erst spät. „Wir müssen sehen, wo wir herkommen“, erklärte Doll. Er erinnerte daran, dass Hamburg im Fußball jahrelang nur Mittelmaß darstellte. „Jetzt sind wir im internationalen Geschäft, dort wollen wir bleiben.“ Aber Ansprüche wie an einen Deutschen Meister dürfe man an sein Team bei aller Wertschätzung noch nicht stellen. Doll drückte es so aus: „Wir wollen nicht gierig werden, und wir sehen es nicht als unsere Aufgabe an, die Nation glücklich zu machen.“

Dass der Rückstand seiner Mannschaft auf die Münchner nun schon neun Punkte beträgt, interessierte den Hamburger Trainer angeblich wenig. „Wer Meister wird, ist mir egal“, sagte er. Ein bisschen traurig war er nach der ersten Auswärtsniederlage dieser Saison natürlich trotzdem, weil einer passablen ersten Halbzeit eine zweite folgte, in der seine Mannschaft kurioserweise nach ihrem glücklichen Führungstreffer durch ein Eigentor des Nürnbergers Andreas Wolf die Linie verlor. Elf Nürnberger, die sich vom frühen Schock des neuerlichen Ausfalls ihres Torjägers Marek Mintal gut erholten, setzten dem HSV zu und zeigten dabei die von Doll konstatierten Grenzen des Wachstums auf. „Da haben wir nicht so Fußball gespielt, wie wir es eigentlich können“, sagte auch Khalid Boulahrouz kleinlaut. Der Hamburger war am prompten Nürnberger Ausgleich unglücklich beteiligt, als er einen Schuss von Ivan Saenko ins eigene Tor abfälschte. Boulahrouz beklagte zu Recht die Unordnung in der Hamburger Defensive, die der eingewechselte Stefan Kießling zum hochverdienten Nürnberger Siegtreffer nutzte. Erstmals in dieser Saison hatte der HSV damit mehr als ein Gegentor kassiert.

Verärgert, aber keineswegs verunsichert oder gar tief deprimiert verließ der Verlierer das Frankenstadion. Trauriger waren ohnehin die Sieger, nachdem die Diagnose von Marek Mintals Verletzung wie befürchtet ausfiel: Für den gerade erst zurückgekehrten Torjäger ist nach einem neuerlichen Mittelfußbruch die Saison vermutlich beendet. Der 28 Jahre alte slowakische Nationalspieler hatte am Samstag sein Comeback gegeben, nachdem er bereits im September einen Bruch des linken Mittelfußes erlitten hatte. „Mareks Verletzung tut uns allen sehr weh“, sagte Trainer Hans Meyer. Das sei ein Rückschlag für den 1. FC Nurnberg.

Für Hamburg war dieses 1:2 hingegen zwar ein Rückschlag, aber nicht das Ende aller Träume. „Diese Niederlage wird uns nicht umhauen“, sagte Thomas Doll. Ihn zumindest nicht.

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