Abschied eines Biathlon-Stars : Der letzte Schuss für Michael Greis

Der Biathlet beendet mit sofortiger Wirkung seine Karriere. Der 36-jährige Greis gewann 2006 drei Goldmedaillen bei Olympia, lief zuletzt den Jüngeren aber nur noch hinterher.

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13 Weltcup-Saisons lief Greis unter deutscher Flagge.
13 Weltcup-Saisons lief Greis unter deutscher Flagge.Foto: AFP

Sein Gewehr war für ihn immer mehr als bloß eine Waffe. Michael Greis konnte Stunden damit zubringen, die richtigen Einstellungen vorzunehmen, eins zu werden mit seinem Sportgerät. „Ich habe in den letzten Tagen hart am Schießstand gearbeitet, um mein Körpergefühl zu verbessern“, sagte der Biathlet nach seinem ersten großen Triumph, dem Olympiasieg über 20 Kilometer am 11. Februar 2006 in San Sicario (Italien). Greis gewann danach noch zwei weitere Goldmedaillen, wurde zum Star der Spiele von Turin und zum Liebling der deutschen Wintersportfans.

Am Mittwoch hat Michael Greis seinen sofortigen Rücktritt vom Biathlon-Sport bekannt gegeben. „Es ist ein guter Zeitpunkt, und es ist der richtige Zeitpunkt“, sagte der 36-Jährige auf einer Pressekonferenz in Kempten. Die Entscheidung, das Gewehr für immer abzulegen, sei in der vergangenen Woche beim Weltcup in Östersund gefallen. „Während der 20 Kilometer ist es in mir gereift. Ich habe gewusst, das ist mein letztes Schießen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl.“ Sein finales Rennen beendete der gebürtige Füssener auf Platz 67, schon länger lief Greis den eigenen Ansprüchen hinterher. Im vergangenen Winter hatte er deshalb schon einmal an Rücktritt gedacht, damals war er nach einer Verletzung zu früh in den Weltcupzirkus zurückgekehrt.

Doch Greis kämpfte sich noch einmal heran, an die ganz großen Erfolge konnte er aber nicht mehr anknüpfen. Trotzdem erklärte der Sportsoldat noch in der vergangenen Woche in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“, er glaube, „dass noch was geht“. Doch nun geht nichts mehr.

13 Saisons hat Michael Greis im Weltcup bestritten. Den Durchbruch schaffte er spät. Greis war 28, als ihm 2005 in San Sicario der erste Sieg gelang – an jenem Ort also, an dem er ein Jahr später zum Olympia-Star wurde. Es folgte die stärkste Phase in seiner Laufbahn. Greis wurde 2006 zu Deutschlands Sportler des Jahres gewählt, er holte zwölf Medaillen bei Weltmeisterschaften und gewann insgesamt 21 Weltcuprennen. Letztmals stand er 2009 in Trondheim in einem Einzelwettbewerb ganz oben auf dem Podest. Seither halfen alles Tüfteln, alle Akribie nicht mehr. Er verlor den Status als Nummer eins im deutschen Männerteam, vor allem in der Loipe konnte er nicht mehr so recht mithalten. „Kampfgeist, Wille, Durchhaltevermögen, Biss – all das war nicht mehr vorhanden. Ich habe eine gewisse Leere gespürt“, sagte er bei seiner Rücktrittserklärung. Wie es jetzt weitergehe? „Ich werde die Schulbank drücken und ein bisschen was fürs Köpfchen machen.“ Greis studiert Internationales Management in Ansbach. Vielleicht kehrt er auch irgendwann als Trainer zum Biathlon zurück, für die nächsten fünf bis zehn Jahre könne er sich das allerdings nicht vorstellen.

„Nicht nur wegen seiner Siege bei Olympia gehört Michael Greis zweifellos zu den größten Biathleten aller Zeiten“, erklärte Thomas Pfüller. Der Generalsekretär und Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes lobte besonders die Rolle von Greis beim Generationenwechsel im deutschen Team. Männer-Trainer Fritz Fischer sagte: „Er wird mir fehlen. Aber ein Riesenkompliment für seine Entscheidung. Denn er macht Platz für einen Jungen im Team.“ Die Ergebnisse der deutschen Männer beim Weltcup-Auftakt am Wochenende in Östersund (Schweden) lassen zumindest hoffen, dass es auch ohne den einstigen Star geht. In den ersten drei Saisonrennen gelangen durch Erik Lesser und Andreas Birnbacher bereits zwei Podestplatzierungen.

Doch ein letztes Mal wird Greis noch an den Einstellungen seines Gewehrs tüfteln. Wie Magdalena Neuer bestreitet er beim Biathlon in der Arena Auf Schalke am 29. Dezember sein Abschiedsrennen. Neuner hatte exakt heute vor einem Jahr ihren Rücktritt angekündigt. Mit Michael Greis verlieren nun auch die deutschen Männer ihre lange Zeit prominenteste Figur.

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