Sport : Abschied in Badelatschen

Claus Vetter

Die Szenerie war von Wehmut geprägt. 2000 Fans applaudierten in der nicht einmal zu einem Viertel gefüllten Deutschlandhalle einer Eishockey-Mannschaft, deren Spieler zum Abschied mit Kindern an der Hand und Badelatschen an den Füßen aufs Eis gekommen war. Am Sonntagabend waren die Berlin Capitals am Tiefpunkt ihrer Talfahrt angelangt. Sie hatten das siebte und damit entscheidende Spiel der Abstiegsrunde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen die Schwenninger Wild Wings 5:7 verloren und waren abgestiegen. Und damit sozusagen zum zweitenmal in dieser Saison: Die Gesellschafter der DEL hatten den verschuldeten Capitals erst vor wenigen Wochen die Lizenz zum 30. April entzogen.

Die wohl traurigste Serie in der Geschichte der DEL hatte für die Capitals noch einen ungeahnten negativen Höhepunkt parat. Torhüter Andrej Mezin war vor dem entscheidenden Spiel abgeflogen. Mezin zog es vor, sich in Weißrussland mit seiner Nationalmannschaft auf die in einer Woche beginnende B-Weltmeisterschaft vorzubereiten. Die zurückgelassenen Kollegen waren gegen Schwenningen zwar sehr engagiert, zum Sieg reichte es aber nicht. Ein unschöner Abschied für die seit zwei Monaten auf ihr Gehalt wartenden Spieler, die sich nun zum Großteil nach neuen Klubs umschauen werden.

Trainer Gunnar Leidborg hat bereits bei den Kassel Huskies unterschrieben. Erbaulich war der letzte Arbeitstag des Schweden in Berlin nicht. Noch im Dezember war Leidborg von den Lesern einer Fachzeitschrift zum "Trainer des Jahres" in der DEL gewählt worden, am Sonntag sah er sich dann mit der wenig erfreulichen Tatsache konfrontiert, Trainer des Absteigers zu sein. "Wenigstens haben die meisten Spieler Charakter gezeigt - im Gegensatz zu manchen anderen bei den Capitals", sagte Leidborg.

Die Leidborg da meinte, waren am Sonntag nicht mehr da. Seit dem Ausstieg des langjährigen Mäzens und Hauptgesellschafters Egon Banghard vor knapp zwei Wochen hat eine Gruppe von Berliner Kaufleuten bei den Capitals das Sagen. Unter dem neuen Geschäftsführer Michael Wuscher soll die Sanierung der mit rund 4,5 Millionen Euro verschuldeten Capitals GmbH vorangetrieben werden. Es gibt Pläne, in der Zweiten Liga zu starten. Nach 15 Jahren haben sich die Berliner aus der höchsten Spielklasse verabschiedet. Heute wird sich Geschäftsführer Michael Wuscher mit dem Insolvenzverwalter treffen, die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gegen die Capitals ist nach dem Abstieg aus der DEL möglich.

Wohin die Capitals abgestiegen sind? Das in den kommenden Tagen die Frage sein. Lorenz Funk, nach dem Einstieg der Investorengruppe zum Sprecher des Klubs erkoren, gab sich Montag vorsichtig. "Es geht weiter", sagte Funk. "Wo? In der Zweiten Liga oder in der Oberliga. Das wird man abwarten müssen." Vorausetzung für den Start in der Zweiten Liga wäre, dass die Capitals GmbH nicht aufgelöst wird. In der Zweiten Liga führt der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) das Wort. Die Berliner müssten sich dort bis zum 30. April gemeldet haben. Ob es so weit kommt? Beim DEB in München wollte Ligenleiter Helmut Bauer am Montag keine Prognose wagen. "Von der sportlichen Seite sind die Capitals für die Zweite Liga qualifiziert", sagte Bauer. "Wir wissen aber nicht, wie sich die wirtschaftliche Situation in Berlin darstellt. Wir kennen keine Details. Es ist völlig unklar, in welche Richtung der Zug fahren soll." Jedenfalls nicht mehr Richtung DEL. Die haben die Capitals am Sonntag erst einmal verlassen.

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