Abschied in Köln : Christoph Daum: Der Messias geht

Christoph Daum kündigt überraschend seinen Vertrag beim 1. FC Köln und wechselt aller Voraussicht nach zu Fenerbahce Istanbul.

Jörg Strohschein[Köln]
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Und tschüss! Christoph Daum verabschiedet sich vom 1. FC Köln. Foto: dpa

Wer Christoph Daum in den letzten Spielen der Saison am Spielfeldrand beobachtet hat, der konnte sehen, wie unzufrieden er war. Immer wieder schüttelte er den Kopf und schlug die Hände vors Gesicht. Es schien, als habe er vielfach keine Antworten auf das, was die Spieler des 1. FC Köln dort veranstalteten. Die Angestellten des Klubs konnten die Erwartungen des Fußballlehrers nicht erfüllen, daraus machte er in vielen Statements, wenn auch meist verklausuliert, nie einen Hehl. Manchmal stimmten die Ergebnisse, die Attraktivität des Kölner Spiels stimmte fast nie. Auch Daum konnte das offenbar nicht ändern. Nun hat der 55-Jährige die Konsequenzen gezogen. Daum hat seinen Vertrag beim FC gekündigt. Wohin er wechselt, ist noch nicht offiziell bestätigt, vermutlich heißt sein neuer Arbeitgeber Fenerbahce Istanbul.

Der Klub bietet Daum große finanzielle Möglichkeiten, um teure, wohl qualitativ höherwertige Spieler zu verpflichten. Beim 1. FC Köln wollten und konnten sie ihm diesen Wunsch nicht erfüllen. Mit der Verpflichtung von Lukas Podolski, der für eine Ablösesumme von zehn Millionen Euro aus München zurückkehrt, scheinen die Möglichkeiten erschöpft zu sein. „Mit meinem neuen Klub, der bis auf Weiteres nicht genannt werden will, habe ich die Möglichkeit, direkt wieder international zu spielen“, sagt Daum. Das ist mit den Kölnern – trotz Podolski – erst einmal nicht möglich. Und Daum hat offenbar die Kraft verloren, die Aufbauarbeit beim FC fortzuführen, ohne die Zusicherung zu erhalten, dass einige weitere Millionen für neue Profis bereitstehen. „Meine Entscheidung ist keine gegen den 1. FC Köln, sondern für die neue Herausforderung“, sagte Daum. „Meine Mission in Köln ist mit dem Aufstieg und dem Erreichen des Mittelfeldplatzes in der abgelaufenen Bundesligasaison erfüllt, worauf ich schon nach dem letzten Bundesligaspieltag hingewiesen habe.“

Trotzdem wurde der Verein von Daums Entschluss überrascht, und so hinterlässt der Fußballlehrer, der bei seiner Ankunft in Köln wie ein Messias gefeiert worden war, ein konsterniertes Umfeld. „Es gab vorher keinerlei Anzeichen, dass Christoph Daum von seiner Kündigungs-Option Gebrauch machen könnte“, sagte Manager Michael Meier. Dass ihm der Klub die Möglichkeit zugesichert hatte, halbjährlich den Vertrag zu kündigen, zeigt, wie sehr sich die Rheinländer ihrem Trainer ausgeliefert haben. Nun stehen sie plötzlich mit ungewöhnlich vielen Konkurrenten im Wettbewerb um einen neuen Trainer. Auch der HSV, Frankfurt und Mönchengladbach sind derzeit auf der Suche, möglicherweise kommt auch noch Bayer Leverkusen hinzu. Das macht die Suche nicht gerade leichter.

Spätestens nach dem Aufstieg vor einem Jahr, als Daum öffentlich damit kokettierte, den FC womöglich zu verlassen und die Zusage für sein weiteres Engagement überaus lange hinauszögerte, hat sich gezeigt, wie aufgeschlossen der Trainer bereits damals für lukrative Angebote war – und wie hilflos sich der Verein dem Vertragswerk zu unterwerfen hatte. Nur mit vielen Worten und weiteren Investitionszusagen konnte Daum damals zu einem Verbleib überredet werden. Diese Wankelmütigkeit hat Daum nicht abgelegt. Dass er noch vor kurzem vom FC als einer Herzensangelegenheit gesprochen hatte, unterstreicht seine Unberechenbarkeit. Erst Mitte Mai hatte Daum in einer Kolumne im Boulevardblatt „Express“ seine Zusage für die kommende Spielzeit gegeben: „Selbstverständlich will ich weiter beim FC bleiben. Ich habe einen Vertrag bis 2010 und den will ich erfüllen.“

Immer wieder hatte Daum betont, dass Köln und der FC immer etwas Besonderes waren. In der Stadt ist ihm die allergrößte Wertschätzung zuteil geworden. „Ein Teil meines Herzens wird immer hier bleiben“, hat er zum Abschied noch mitgeteilt. Die meisten Menschen in Köln aber werden ihm den unvermittelten Wechsel wohl trotzdem übel nehmen.

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