Sport : Abschied mit Gesang

Die DEG zieht als Vizemeister aus der legendären Eishalle an der Brehmstraße aus

Claus Vetter

Berlin - Es war Zeit, sich von 71 Jahren Geschichte zu verabschieden. Als die Eisbären am Ostersamstag im zweiten Play- off-Finalspiel nach zwei Dritteln mit 2:0 führten, war den Anhängern der Düsseldorfer EG bewusst, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit das letzte Spiel im Eisstadion an der Brehmstraße in sein letztes Drittel ging. 10 000 Fans feierten nun ohne Unterbrechung ihre Mannschaft. Die Fans, die etwas zu feiern gehabt hätten, waren hingegen nicht zu hören. Rund 500 Anhänger aus Berlin hatten deutlich akustisches Untergewicht. Noch einmal also hallte es „Heja, heja DEG“ von den Stehtribünen, wurde nach der Melodie des Beatles-Klassiker „Hey Jude“ der eigene Klub gefeiert. Es war ein Abschied mit Emotionen: Ab der kommenden Saison spielt der Klub in einer neuen Multifunktionsarena im Düsseldorfer Stadtteil Rath.

Dass ein bedeutsames Eishockey-Spiel für die Zuschauer im Stadion im letzten Drittel fast zur Nebensache geworden war, hatte auch Pierre Pagé bemerkt. So widmete er sein erstes Statement nach dem Spiel nicht der herausragenden Leistung seiner Mannschaft, sondern den Fans des Verlierers. „Die Stimmung hier war einmalig“, sagte der Trainer der Eisbären, „Düsseldorf hat eine unglaubliche Eishockey-Tradition.“

Zum letzten Mal also schunkelten sich Fans auf ein Spiel ein, zum letzten Mal war in der Stadiongaststätte Kreutzer vor und nach dem Spiel Hochbetrieb. Die Fans freuten sich, als in der Drittelpause Otto Schneitberger als bester DEG-Spieler aller Zeiten ausgezeichnet wurde. Und Peter John Lee wurde ein wenig mulmig zumute. Zwar lag er in der Wahl des besten DEG-Spielers aller Zeiten, die eine Tageszeitung initiiert hatte, nur auf Platz vier, hatte aber während des Spiels einige Mal an die Hallendecke geschielt. Dort hängt sein altes Trikot mit der Nummer 12. Zehn Jahre hat Lee sehr erfolgreich für die DEG gestürmt. „Am Samstag kamen da schon einige Erinnerungen hoch, die Stimmung war früher einmalig“, sagt Lee. „Als Spieler hatte ich an der Brehmstraße meine schönste Zeit.“

Nun ist es nicht so, dass kommende Saison in Düsseldorf nicht mehr Eishockey gespielt würde – im Gegenteil. Der neue ISS-Dome in Rath ist mit 13 400 Plätzen eine der komfortabelsten Arenen der Liga. Allerdings wird der Charme zwischen den Polstersesseln ein anderer sein als im an der Seite offenen Stadion an der Brehmstraße, wo auf zugigen Tribünen zwischen Zigarettenqualm und Bierdunst eher der rustikale Fan befriedigt wurde. Und Frikadellenbrötchen aus dem Hause Kreutzer, angeboten auch am Imbissstand unter der Sitzplatztribüne für zwei Euro das herzhafte Stück, wird es im Dome natürlich auch nicht geben. Cristof Kreutzer, Bruder des DEG-Stürmers Daniel, war zwar erlaubt worden, einen Gastronomiebetrieb in der Arena zu eröffnen. Aber bevor überhaupt etwas passierte, sollte Kreutzer zwei Millionen Euro auf den Tisch legen. Das war dann doch zu viel.

So wird in Düsseldorf ab kommender Saison auch Eishockey vor Polstersesseln geboten. Dass die fantastische Eishockey-Stimmung mit dem letztem höherklassigen Spiel im alten Stadion, wo – entgegen den Gepflogenheiten der Liga – Musikeinspielungen während der Spielunterbrechungen verpönt waren – begraben wurde, ist allerdings nicht gesagt. So sagte ein langjähriger DEG-Fan am Samstag, lange nach Spielschluss: „Als die in den sechziger Jahren das Stadion an der Brehmstraße überdacht wurde, hat sich meine Mutter unwahrscheinlich aufgeregt. Eishockey ist ein Freiluftsport, das mache ich nicht mit, hat sie gesagt.“ Schließlich sei seine Mutter aber weiter zu Spielen der DEG gegangen. „Irgendwann hatte sie sich an das Dach gewöhnt.“

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