Sport : Abschied ohne Ende

Sven Ottke kann nicht aufhören: Heute boxt er in Magdeburg

Hartmut Scherzer

Magdeburg. Im Zyklus von drei Monaten wiederholt sich bei Sven Ottke das gleiche Schauspiel. Der Boxer steigt unerwartet wieder in den Ring und gleichzeitig hört er die Frage: Wie lange noch? Am 14. Juni des vergangenen Jahres hat er sich in Magdeburgs Bördelandhalle sogar als Doppelweltmeister im Supermittelgewicht von seinem treuesten Publikum verabschiedet. Es sollte sein siebter und letzter Auftritt in Magdeburg gewesen sein, so jedenfalls war es damals geplant. Jetzt kehrt er wieder zurück in die erneut ausverkaufte Bördelandhalle.

Mit 36 Jahren hat der unbesiegte Champion bereits vor neun Monaten das immer wieder angekündigte Ende seiner Karriere abermals aufgeschoben. Er boxe noch für seine Rente, entschuldigte sich Ottke salopp. Erst sollte 2002 Schluss sein, dann 2003 und nun, beteuert er, „definitiv 2004“. Wann genau für ihn in diesem Jahr der letzte Gong schlägt, lässt der Berliner mit Wohnsitz Karlsruhe offen. „Ich entscheide von Kampf zu Kampf.“ Wenn er allerdings überraschend gegen den Schweden Armand Krajnc verlieren sollte, dann wäre die Entscheidung wohl gefallen: Schluss. Endgültig. Kein Comeback.

Mit 37 Jahren wolle er nicht mehr durch den Ring flitzen – zumindest nicht mehr lange. Die selbst auferlegte Altersgrenze erreicht Ottke am 3. Juni. Zeit also noch für den allerletzten Gong nach der freiwilligen Verteidigung der Titel von IBF und WBA heute in Magdeburg (ARD, live ab 22.10 Uhr) gegen den ehemaligen WBO-Weltmeister Armand Krajnc (31 Kämpfe, 29 Siege). „Ob es sein vorletzter Kampf sein wird, das weiß ich beim besten Willen nicht“, sagt sein Manager und Promoter Wilfried Sauerland. „Auf alle Fälle wird es nicht sein letzter sein.“

Ottke boxt zum 34. Mal als Profi, verteidigt zum 21. Mal seine Weltmeisterschaft. Doch in den letzten drei Kämpfen nach der siegreichen Titelvereinigung von IBF und WBA gegen den Amerikaner Byron Mitchell vor einem Jahr bot Ottke nur noch schwache Vorstellungen. Zuletzt quälte er sich gegen den Briten Robin Reid am 12. Dezember wie einer, für den es Zeit ist aufzuhören. Auf einen Abschied deutet auch Ottkes Wunsch hin, als übernächstes in der Berliner Waldbühne zu boxen. Die Freiluft-Arena war in der Nachkriegszeit Schauplatz großer Kämpfe deutscher Box-Legenden und ist eine geradezu symbolische Stätte für einen Abschiedskampf: Max Schmeling, damals 43 Jahre alt, verkündete am 31. Oktober 1948 noch vor Bekanntgabe des Urteils (Punktniederlage) nach zehn Runden gegen Richard Vogt in der Waldbühne seinen Rücktritt.

Sauerland hat sich nun schon mal nach freien Samstagsterminen erkundigt. Der 10. oder 17. Juli stünden für Ottkes Kampf in der Waldbühne zur Verfügung. Seinem letzten – möglicherweise.

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