Sport : Abschied ohne Servus

Wie Leverkusens Basketballer vor dem zweiten Play-off-Spiel Alba Berlin verärgern

Benedikt Voigt

Berlin. Die seltsame Flucht der Basketballer von Bayer Leverkusen aus der Max-Schmeling-Halle ist nicht unbeobachtet geblieben. Ein Mitarbeiter von Alba Berlin, der während der Spiele im unterirdischen Eingang der Max-Schmeling-Halle Dienst tut, berichtet: „So schnell hat noch nie eine Mannschaft die Halle verlassen.“ Sekunden nach der Schlusssirene waren die Spieler von Trainer Heimo Förster in ihre Umkleidekabine gelaufen. Ungeduscht stiegen sie in die Trainingsanzüge, eilten sofort auf den Parkplatz der Max-Schmeling-Halle und kehrten nur kurz zurück, um den Mannschaftsbus vorfahren zu lassen. Dann verschwanden sie. Von ihren Gegenspielern hatten sie sich nicht auf dem Parkett verabschiedet, obwohl das eine ungeschriebene Gepflogenheit im Basketball ist. Leverkusens Flügelspieler Dennis Wucherer sagt: „Das war vom Trainer in einer Auszeit vor dem Ende so verordnet.“

Spätestens seit dem Erfolg von Alba Berlin vom Donnerstag (92:86) steckt in der Viertelfinalserie der Basketball-Bundesliga zwischen dem Tabellenersten und dem Tabellenachten große Brisanz. Vor dem heutigen zweiten Spiel in Leverkusen (19.30 Uhr, live auf TV Berlin) sagt Wucherer: „Da wird es sehr hart zur Sache gehen.“ Leverkusen liegt in der Serie Best of five 0:1 zurück – und ist wütend. „Die Schiedsrichter Weichert und Lottermoser waren nicht auf Play-off-Niveau“, sagte Heimo Förster nach dem ersten Spiel. „Alba hat nicht verdient gewonnen.“ Die übliche verbale Gratulation an den gegnerischen Trainer verweigerte der Leverkusener Trainer in der Pressekonferenz – ebenso wie zuvor seine Mannschaft auf dem Spielfeld. „Ich wollte das nicht“, sagt Förster. Das wiederum erzürnt Emir Mutapcic. Albas Trainer sagt: „Das ist respektlos.“ Auch DeJuan Collins wunderte sich über das Verhalten der Leverkusener Spieler. „Das ist doch schrecklich“, sagte Albas Aufbauspieler, „Basketball hat in Deutschland schon genug schlechte Presse.“

Förster rechtfertigte seine Anweisung. „Die Spieler können sich noch verabschieden, wenn die Play-off-Serie vorbei ist.“ Schiedsrichter Boris Schmidt erklärt: „Es gibt keine Regel, die das Verabschieden vorschreibt – ob das Verhalten sportlich war, ist eine andere Sache.“ Leverkusens Trainer will offenbar den Kontakt zwischen beiden Teams auf ein Minimum beschränken. Die zwei Trainingstermine in Berlin, die sein Team eingeräumt bekam, hat er ungenutzt verstreichen lassen.

Das alles dürfte dazu beitragen, dass der heutige Kontakt der beiden Teams auf dem Spielfeld sehr intensiv werden dürfte. „Wir werden versuchen, Alba wieder ein bisschen zu ärgern“, sagt Wucherer. Ihm ist das im ersten Spiel am besten gelungen. Mit 19 Punkten, 12 Assists und zehn Rebounds erreichte er in drei statistischen Kategorien zweistellige Werte. Triple Double nennen das die Basketballer, es ist der schriftliche Beweis für eine herausragende Leistung. Dieses Kunststück hatte Wucherer unlängst schon einmal vollbracht. „Die ganze Saison läuft gut für mich“, sagt Wucherer. „Seit John Best weggegangen ist, muss ich noch mehr Verantwortung übernehmen, das ist eine Rolle, in der ich mich sehr wohl fühle.“

Wucherer ist der letzte Spieler aus jenen Zeiten, als Leverkusen bis 1996 sieben Meistertitel in Folge holte. Im Gegensatz zu Christian Welp, Henning Harnisch, Gunter Behnke oder Hansi Gnad, die alle irgendwann das Trikot der Berliner trugen, wechselte er nie zu Alba. „Einer muss ja den Gegenspieler machen“, sagt Wucherer. Es ist eine Rolle, die ihm liegt. Am Donnerstag pfiff ihn das Berliner Publikum ab jenem Zeitpunkt aus, als er sich über eine Schiedsrichterentscheidung derart aufregte, dass er von den Leverkusenern beruhigt mussten. Das störte ihn nicht weiter. Wucherer sagt: „Die Spieler, die ausgepfiffen werden, sind meistens diejenigen, vor denen Zuschauer und Gegner am meisten Angst haben.“

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