Sport : Abschied vom 1. FC Bertram

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Claus Vetter über den Rauswurf

des Präsidenten beim 1. FC Union

Die Szene war symbolträchtig. Nebeneinander schritten der Präsident und der Trainer des 1. FC Union vom Platz, nachdem der Verein wieder nicht gewonnen hatte. Heiner Bertram klopfte Mirko Votava sogar auf die Schulter, der Vereinschef demonstrierte Eintracht mit seinem erfolglosen Coach. Angesichts der Lage des FußballZweitligisten war es eine seltsame Vorstellung, die Bertram am Sonntag nach dem Spiel gegen Regensburg im Stadion an der Alten Försterei aufführte. Der Klub aus Köpenick war wieder ohne Erfolg, bereits zum siebten Mal im achten Spiel. Union ist Tabellenletzter, die sportliche Zukunft erscheint düster – dem Aufsichtsrat des Klubs gar zu düster. Am Donnerstag beschloss das siebenköpfige Gremium den Rauswurf des Präsidenten.

Nun ist es branchenüblich, dass der Präsident den Trainer feuert, wenn es sportlich nicht läuft. Aber der Aufsichtsrat den Präsidenten? Das erscheint ungewöhnlich, darf aber im Falle Union nicht unbedingt überraschen. Bertram hatte sich stets hinter Trainer Votava gestellt und immer Verantwortung für die sportliche Lage übernommen. Das fiel ihm lange nicht schwer: Der Aufstieg in die Zweite Liga, das DFB-Pokalfinale – unter Bertram gab es viel zu feiern. Sechs Jahre hat er an der Alten Försterei regiert. Der 1. FC Union wurde in dieser Zeit zum 1. FC Bertram. Einen Manager hat der Klub schon lange nicht mehr. Neben sich wollte der allmächtige Präsident niemanden dulden. Wenn aber einer keine Machtansprüche anmeldete – wie der stille, unerfahrene Trainer Votava –, dann klopfte ihm Bertram schon mal auf die Schulter.

Nun ist Bertram ein Opfer seiner eigenen Macht geworden. Gerade der Umstand, dass der Präsident in der Krise seine Fehleinschätzungen im sportlichen Bereich nicht einsehen wollte und sich für unantastbar hielt, wurde ihm zum Verhängnis. Der Aufsichtsrat ist zu dem Schluss gekommen, dass der 1. FC Bertram wohl nie mehr als ein mittelmäßiger Zweitligist werden würde. Ob allerdings aus dem 1. FC Union ohne Bertram mehr wird, ist noch nicht bewiesen.

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