Sport : Abschied vom Bosporus

Christoph Daum verlässt wohl Fenerbahce Istanbul

Thomas Seibert[Istanbul]

Gleich reihenweise sanken die Spieler von Fenerbahce Istanbul nach dem Schlusspfiff auf den Rasen und schlugen verzweifelt die Hände vors Gesicht: Für Christoph Daum und seinen Klub sollte das Auswärtsspiel am Sonntagabend im westtürkischen Denizli den dritten Titel in Folge bringen, aber daraus wurde nichts. Fenerbahce kam nicht über ein 1:1 hinaus, während in Istanbul Lokalrivale Galatasaray zum Saisonabschluss souverän 3:0 gewann und so dem Klub von Trainer Daum die Meisterschaft wegschnappte. Schon das Pokalfinale vor einigen Wochen hatte Daum verloren. Noch in der Kabine in Denizli habe der deutsche Trainer seine Spieler deshalb über seinen Rücktritt informiert, meldeten die türkischen Zeitungen am Montag. Dem Sportinformationsdienst sagte Daum: „Ich habe das Präsidium um ein Gespräch gebeten. Es gibt einige Gründe, meine Zukunft zu diskutieren. Dabei spielen sowohl gesundheitliche als auch sportliche Aspekte eine Rolle.“

Daum will die Türkei offenbar verlassen – jenes Land, das er in den vergangenen Jahren als seine zweite Heimat bezeichnet hatte. „Ich versuche nicht, aus dem Vertrag zu kommen, weil ich schon einen neuen Verein im Hintergrund habe“, sagte Daum. Zu den Gründen, die für einen Abschied vom Bosporus gehören, zählt zum einen Daums Gesundheit. Den 52-Jährigen plagen Hüftbeschwerden, er wird sich einer Operation unterziehen. Ein anderer Grund ist, dass Daum den Kader nicht für stark genug hält, um im nächsten Jahr in der Champions League mithalten zu können.

Zweimal hintereinander hatte Daum mit Fenerbahce in den Jahren 2004 und 2005 die Meisterschaft geholt. Die Vereinsführung hatte ihn 2003 als Retter verpflichtet. In den neunziger Jahren hatte Daum bereits mit Besiktas Istanbul Erfolge gefeiert. In jüngster Zeit hatte Daum seinen makellosen Ruf allerdings verloren. „Der Hauptschuldige dafür, dass Fenerbahce die Meisterschaft verpasst hat, heißt Daum“, giftete die Zeitung „Hürriyet“ am Montag. Denn vom Kader galt Fenerbahce selbst bei gegnerischen Fans als das stärkste Team in der „Süper Lig“. Die Brasilianer Alex de Souza und Marcio Nobre, der Ghanaer Stephen Appiah und der Franzose Nicolas Anelka machten Daums Klub zur Elitemannschaft.

Die größeren Vermögensverhältnisse konnte Fenerbahce jedoch nicht in den Titel ummünzen. Während Galatasaray feierte, machten sich rund 100 enttäuschte Anhänger von Fenerbahce auf dem Weg zum Istanbuler Flughafen, um Daum und seine Spieler nach der Rückkehr aus Denizli auszupfeifen. In mehreren Städten der Türkei entlud sich der Frust der Fenerbahce-Fans in Schlägereien mit Galatasaray-Anhängern; in Istanbul musste die Polizei sogar Warnschüsse in die Luft abgeben. Seinen Abschied vom Bosporus hätte Daum sich sicher anders vorgestellt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar