Sport : Abschied vom Schmerz

Wimbledon-Siegerin Bartoli beendet ihre Karriere.

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Berlin - Marion Bartoli kämpfte gegen die Tränen an, aber irgendwann kullerten sie der Französin doch über die Wangen. Es war schwer für sie, unendlich schwer. Bartoli hatte gerade in der zweiten Runde des Turniers von Cincinnati gegen Simona Halep verloren, aber deshalb weinte sie nicht. Sie weinte, weil diese Dreisatzniederlage das letzte Match ihrer Karriere war. Und ganz freiwillig verabschiedete sich Bartoli nicht nach 13 Jahren von der Tennistour. „Mein Köper ist so kaputt und ausgelaugt, und ich habe ständig Schmerzen. Es geht einfach nicht mehr“, sagte sie betrübt.

Dabei hatte sie es vor sechs Wochen mit ihrem Sieg in Wimbledon über Sabine Lisicki der ganzen Welt gezeigt. Allen, die sie mit ihrer kuriosen Technik, dem hektischen Herumgehopse auf dem Tennisplatz und ihrem üppigen Körpergewicht stets belächelt hatten. Bartoli passte nie in die Norm der telegenen Tennis-Athletin. Als sie kürzlich in Wimbledon von einem BBC-Reporter beleidigt wurde, indem er etwas flapsig behauptete, Bartoli wäre nur deshalb eine so zielstrebige, clevere Kämpferin geworden, weil sie eben nie schön, schlank und groß sein würde, konterte die Französin: „Ich bin nicht blond, das ist eine Tatsache. Aber habe ich davon geträumt, einen Modelvertrag zu bekommen? Nein. Habe ich davon geträumt, Wimbledon zu gewinnen? Absolut, ja!“ Viele hatten der 29-Jährigen aber auch das kaum noch zugetraut, doch Bartoli sagte nun, sie habe sich in Wimbledon ans absolute Limit getrieben, um sich ihren Traum zu erfüllen. Seit Jahren schon plagte sie sich mit Verletzungen, allein in dieser Saison schmerzten wieder die Schulter, die Hüfte, der Rücken und vor allem die Achillessehne. „Wenn ich 45 Minuten Tennis spiele, tut mein ganzer Körper weh“, sagte Bartoli, „und ich kann hinterher nicht einmal mehr richtig laufen.“ Auf den stumpfen, amerikanischen Hartplätzen sei es besonders schlimm.

So machte es auch keinen Sinn mehr, den Abschied bis zu den US Open hinauszuzögern. Eine große Bühne mit viel Tamtam wollte die Französin ohnehin nicht haben. „Wenn man die Leute fragt, wie ich so bin“, sinnierte Bartoli, „dann sagen sie: Marion ist ein netter Mensch. Darauf bin ich sehr stolz.“ Man musste Bartolis Spielstil nicht mögen, mit dem sie acht Titel gewann und Nummer sieben der Welt wurde. Doch es verdient Respekt, dass sie gegen alle Widerstände nie von ihrem Weg abgewichen ist.Petra Philippsen

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