Sport : Abschied von der Tradition

Wie die Hamburger ihr Tennisturnier retten wollen

Michael becker

Seinen spektakulärsten Netzangriff hat das bedeutendste deutsche Tennisturnier in diesem Jahr bereits erlebt, bevor der erste Ball geschlagen wird. Kurz vor dem Start des heute beginnenden Herren-Masters am Hamburger Rothenbaum verblüffte der Erste Bürgermeister Ole von Beust mit folgender Diagnose: „Der Standort Rothenbaum hat keine Zukunft.“ Das Ende des einzigen deutschen Turniers der ATP-Masters-Serie soll dies jedoch keinesfalls bedeuten. Die Vision des CDU-Politikers sieht vielmehr einen Umzug vor. Das wegen seiner Lage in einem Wohngebiet nur für eine Großveranstaltung im Jahr nutzbare und daher unrentable Stadion auf dem traditionsreichen Gelände am Rothenbaum soll abgerissen und durch Wohnraum ersetzt werden.

Dafür soll das Turnier ab dem Jahr 2008 im Hamburger Volkspark stattfinden. Mit dem Neubau dreier Courts für 12 000, 5000 und 3000 Zuschauer soll dort im Verbund mit der AOL-Arena des Fußball-Bundesligisten HSV und der Multifunktionshalle Color-Line-Arena ein hochmoderner Komplex entstehen.

Doch obwohl sich der Deutsche Tennis Bund (DTB) und die Stadt in ihrem Willen zum Erhalt des Turniers einig zu sein scheinen, wird nun die Finanzierung des auf rund 25 Millionen Euro geschätzten Projekts kontrovers bis hitzig diskutiert. Denn es kristallisiert sich heraus, dass der finanziell klamme DTB allenfalls einen geringen Teil der Kosten übernehmen könnte. Sollte der Verkauf der Immobilie am Rothenbaum nicht genügend Geld einbringen und sich kein anderer Investor finden, wäre der Senat gefordert. Zumal DTB-Präsident Georg von Waldenfels bereits vor dessen Vorstoß in einem Brief an von Beust dargelegt hat, dass der Verband schon in der Zeit bis 2008 jährliche Subventionen von bis zu einer Million Euro zur Durchführung des Events mit einem Gesamtbudget von 4,8 Millionen Euro benötigt. „Wenn nicht, werden wir das Herrenturnier am Hamburger Rothenbaum verkaufen müssen", hieß es in dem Schreiben. Einen Umzug bezeichnete der DTB-Chef als „einzige Chance, das Turnier in Hamburg zu halten“.

Neben prominenter Rückendeckung (Rothenbaum-Chairman Boris Becker: „Von mir aus können wir morgen anfangen“) gab es allerdings auch Kritik: „Ich weiß nicht, was den Bürgermeister geritten hat“, sagte der sportpolitische Sprecher der Hamburger SPD, Jürgen Schmidt. Obgleich auch er den Plan für grundsätzlich sinnvoll halte, dürfe die Stadt nicht in die eigene Tasche greifen. Die Forderung des DTB nach öffentlicher Förderung bezeichnet Schmidt als Affront: „Die haben in guten Zeiten gelebt wie die Götter in Frankreich, ohne eine müde Mark zurückzulegen.“

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