Abschied von Hans-Dieter Flick : Kontinuität sieht anders aus

Hans-Dieter Flick beendet sein Engagement als DFB-Sportdirektor. Die Fluktuation in diesem Amt hat Tradition. Deswegen ist es an der Zeit, sorgfältiger bei der Personalauswahl zu werden. Ein Kommentar.

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Hans-Dieter Flick beendet sein Engagement beim DFB.
Hans-Dieter Flick beendet sein Engagement beim DFB.Foto: dpa

Natürlich ist das reine Spekulation, aber wer weiß: Wenn die Geschichte im Frühjahr 2006 anders angefangen hätte und der Deutsche Fußball-Bund damals dem Wunsch seines Bundestrainers Jürgen Klinsmann nachgekommen wäre, vielleicht, vielleicht, vielleicht hätte Bernhard Peters jetzt schon sein zehnjähriges Dienstjubiläum als DFB-Sportdirektor gefeiert. Stattdessen muss der Verband den Posten jetzt mal wieder neu besetzen – zum dritten Mal in etwas mehr als zehn Jahren. Nach Matthias Sammer und Robin Dutt ist nun auch Hans-Dieter Flick mit dem Wunsch an den DFB herangetreten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden. Sammer wollte lieber Sportdirektor bei den Bayern sein, Dutt Trainer bei Werder Bremen – und Flick möchte mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Kontinuität sieht anders aus.

Erst recht in einer Funktion, die nach Kontinuität schreit, weil es nicht um schnelle, sofort sichtbare Erfolge geht, sondern um weitsichtige Entscheidungen, deren Ertrag sich oft erst viele Jahre später erkennen lässt. Flick wäre dafür genau der richtige Mann gewesen: jemand, den es anders als Sammer oder Dutt nicht in die erste Reihe drängt. Flick ist keiner für große Worte, kein begnadeter Rhetor, sondern ein Frickler im Verborgenen.

Auch wegen seiner spröden öffentlichen Auftritte hat man dazu geneigt, Flick und seine Kompetenz zu unterschätzen. Genauso wie das gesamte Amt: Braucht man beim DFB überhaupt einen Sportdirektor? Ist der stete Wechsel nicht ein Argument dafür, sich den Posten einfach zu sparen? Weltmeister ist Deutschland 2014 schließlich geworden, als das Amt gerade mal nicht besetzt war. Genau deshalb braucht der DFB genau jetzt einen Sportdirektor.

Jemanden, der sich nicht von Erfolgen der Vergangenheit blenden lässt, wie das nach dem WM-Titel 1990 der Fall war. Jemanden, der Trends zeitig erkennt, der die große Linie nicht nur vorgibt, sondern sie auch in die Praxis herunterbricht. Die Talente mögen in den Vereinen ausgebildet werden; wo die Ausbildung aber hinführen soll, das kann ein übergeordneter Sportdirektor sehr wohl beeinflussen.
Bisher hat noch kein Sportdirektor beim DFB das Vertragsende im Amt erlebt. Aber das ist noch lange kein Argument gegen das Amt. Es ist ein Argument, bei der Personalauswahl noch ein bisschen sorgfältiger vorzugehen.

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