Abschied von Hertha : Marko Pantelic: Der Exzentriker geht leise

So lief Marko Pantelics letztes Heimspiel für Hertha BSC.

Michael Rosentritt

Berlin - Marko Pantelic streicht sich noch einmal mit seiner Linken durchs lange schwarze Haar, dann kickt er den Ball am Anstoßpunkt kurz zu Raffael. Das Spiel beginnt. Für Marko Pantelic ist es kein normales Spiel. Es wird sein letztes im Olympiastadion im Trikot von Hertha BSC sein. Sein Vertrag läuft nach der Saison aus. Und die Saison sieht kein weiteres Heimspiel für Hertha vor. In einer Woche ist Schluss. Aber noch einmal kann und will er sich den Fans zeigen, die ihn in ihr Herz geschlossen haben.

Nach sieben Spielminuten attackiert Schalkes Jermaine Jones Herthas Nummer 9 – Pantelic geht zu Boden. Nach kurzer Behandlung kommt er wieder auf die Beine. Das Publikum feiert ihn dafür. Gute zehn Minuten später verliert der Rang förmlich die Fassung. Nach einem feinen Pass von Raffael erzielt Pantelic ein Tor, welchem das Schiedsrichtergespann wegen angeblicher Abseitsstellung die Anerkennung versagt – eine Fehlentscheidung.

Doch diese Aktion ist so etwas wie eine Initialzündung für die Berliner, die nun mutiger werden. In der 23. Minute gibt Pantelic eine Kostprobe seiner exzellenten Schusstechnik ab. Nach einem halbhohen Anspiel dreht er sich um den gegnerischen Spieler herum und zieht direkt mit dem linken Fuß ab. Mit einer Glanztat pariert Schalkes Torwart Manuel Neuer den Schuss. Kurz vor der Halbzeit bricht Pantelic in den Strafraum ein, stößt vor bis zur Grundlinie und passt zurück auf den freistehenden Pal Dardai. Allerdings verzieht der Ungar.

Manches Mal steht Pantelic wie teilnahmslos auf dem Platz, um sich dann mit einem kurzen Antritt einen entscheidenden Vorteil zu verschaffen. Nicht immer kriegt er dann den Ball zugepasst. Pantelic hat aber auch gelernt, diese scheinbar unnützen Wege zu gehen. Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit ist es wieder Pantelic, der als erster aufs Schalker Tor schießt. Nach gut einer Stunde kriegt er Unterstützung. Für Patrick Ebert kommt sein Sturmkollege Andrej Woronin ins Spiel. Das hat zur Folge, dass Pantelic deutlicher in die Spitze rückt. In der 72. Minute steigt er nach einer Flanke von Dardai zum Kopfball hoch. Pantelic kommt nicht gut genug hinter den Ball, der Ball geht drüber.

Um 17.10 Uhr endet Pantelics letztes Hertha-Heimspiel. Trainer Favre holt ihn zehn Minuten vor Spielschluss vom Feld. Dann nimmt der 30-Jährige am Ende der Ersatzbank Platz. Es wird kein Tor mehr fallen. Pantelic erhebt sich, geht mit seinen Mitspielern auf eine halbe Ehrenrunde. Er lässt sich ein wenig zurückfallen auf der blauen Bahn. Als Herthas erfolgreichste Stürmer der vergangenen vier Jahre die Ostkurve erreicht, nimmt er sich unter dem Applaus der Fans das Mikrofon: „Ich bin stolz, dass ich ein Teil des Vereins und der Mannschaft war. Ich habe immer alles gegeben. Danke für die vier Jahre.“ Dann beißt er sich einmal kurz auf die Lippen. Die Kurve ruft noch einmal seinen Namen: „Marko Pantelic – oho!“ Dann geht er zu den Treppen, die hinab in die Kabine führen. Pantelic verschwindet und in ihm einer, der das Publikum in Berlin oft und gut unterhalten hat.

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