Abschiedsspiel : Diego: So viel Gefühl

Im Pokalfinale von Berlin hat Diego seine letzten 90 Minuten in Deutschland gespielt. Michael Rosentritt hat ihn dabei genau beobachtet.

Michael Rosentritt
279322_0_c847c1f4.jpg
Bye bye Berlin, Bye bye Bremen.Foto: dpa

Das Spiel ist gerade mal fünf Minuten alt, da nimmt Diego den Ball in die Hand. Nicht, dass der Brasilianer des SV Werder ungeschickte Füße hätte, aber jetzt will er es genau machen. Es gibt einen Freistoß für die Bremer in der Hälfte des Gegners, und das ist Angelegenheit des Kunstschützen. Diego legt sich den Ball liebevoll zurecht. Genauso liebevoll kickt er ihn dann mit viel Effet direkt auf den Kopf von Sebastian Prödl, dessen Kopfball aber nicht den Weg ins Tor findet. Doch die Aktion zeigt wunderbar, weshalb sie Diego in Bremen geliebt haben: Der nur 1,75 Meter große Spielmacher hat so viel Gefühl in seinen Füßen.

Vor drei Jahren kam der inzwischen 24-Jährige vom FC Porto an die Weser. Sechs Millionen Euro hat er damals gekostet. In ein paar Tagen wird er weiterziehen zu Juventus Turin, das knapp 25 Millionen für ihn bezahlt. Aber noch einmal will er sein Können zeigen – in seinem letzten, seinem 128. Spiel für die Norddeutschen. 52 Tore hat er erzielt, und ihm fielen oft so wunderbare Sachen auf dem Platz ein. Aber einen Titel haben sie mit ihm nicht gewonnen – nun soll es klappen. Die 30.000 Bremer Fans im Olympiastadion lassen ihn nach gelungenen Aktionen immer mal wieder hochleben.

Brillant - und fleißig

Beim verlorenen Uefa-Cup-Finale gegen Donezk haben sie Diego schmerzlich vermisst. Jetzt aber klappt es. So bald die Bremer in Ballbesitz sind, suchen sie ihre Nummer 10. Diego ist fleißig, immer wieder läuft er dem ballführenden Spieler entgegen und bietet sich so an. Meist wird er vom Leverkusener Arturo Vidal beschattet. Trotzdem fädelt Diego zahlreiche Angriffe ein. In der 25. Minute erzielt er beinahe die Führung, als er fast im Liegen an einen von Torwart Adler abprallenden Ball kommt. Er trifft ihn nicht voll. In die Halbzeit verabschiedet sich Diego mit einem filigran getimten Freistoß auf Naldos Kopf. Torwart Adler lenkt den Ball über die Querlatte.

Als 13 Minuten in der zweiten Hälfte gespielt sind und der Ball bei Diego landet, macht der Brasilianer das, was er am besten kann: ein, zwei Gegner austricksen und einen feinen Pass in die Tiefe spielen. Dieses Mal bedient er Mesut Özil, der schließlich die Führung erzielt. Nun wird das Spiel intensiver, doch Diego legt eine kleine Pause ein. Auch das gehört zu seinem Stil. Plötzlich taucht er wie aus dem Nichts auf und macht etwas Überraschendes. Es sei denn, er wird gefoult, was oft passiert. In der 70. Minute muss er auf dem Platz behandelt werden. Als er weitermachen kann, brandet in der Bremer Kurve Applaus auf. Die Fans wissen, wie wichtig der Spielmacher für ihr Team ist. In der Endphase des Spiels, als Leverkusen immer mehr riskiert, muss Diego defensiver arbeiten. Das hat er unter Trainer Thomas Schaaf lernen müssen. Er tut es, denn er spürt, dass er einem Titel nie näher war als in seinem letzten Spiel für Bremen.

Am Ende hebt er die Trophäe tatsächlich in den Himmel. Als letzte große Tat für Werder Bremen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar