Abschiedsspiel : Wie Kollegen Lukas Podolski erlebt haben

"Der war mit seinem linken Huf sozusagen der Killer": Am Mittwoch nimmt Lukas Podolski gegen England nach 13 Jahren Abschied von der Nationalelf. Vier Weggefährten blicken zurück.

Marcell Jansen, Marcel Koller, Hansi Flick und Fredi Bobic
Gelöst: Lukas Podolski bei der Pressekonferenz vor seinem Abschiedsspiel.
Gelöst: Lukas Podolski bei der Pressekonferenz vor seinem Abschiedsspiel.Foto: Marius Becker/dpa

MARCELL JANSEN

Mein Gott, wie lange kenne ich Poldi jetzt schon? Mehr als 20 Jahre, zwei Drittel meines Lebens. Wir haben schon in der D-Jugend gegeneinander gespielt, er mit dem 1. FC Köln, ich mit Borussia Mönchengladbach. Seitdem haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt, bei den Junioren, in den U-Nationalmannschaften, in der Bundesliga, bei der A-Nationalmannschaft. Wir haben zusammen zwei WM-Turniere bestritten und ein Jahr zusammen bei den Bayern gespielt.

Das erste Mal, dass ich jenseits des Fußballplatzes mit ihm zu tun hatte, müsste bei einer längeren Busfahrt gewesen sein. Da war ich mit der Niederrhein-Auswahl unterwegs und Lukas mit dem Mittelrhein. Das war eine sehr lustige Tour, wie man sich das eben vorstellt, wenn Poldi dabei ist. Der ist schon damals für den einen oder anderen Quatsch gut gewesen. Eigentlich hat er sich in all den Jahren nicht verändert. Poldi ist sich immer treu geblieben. Er weiß, wo er herkommt. Das merkt man bei ihm einfach und das macht ihn, glaube ich, auch so beliebt.

Die Derbys Gladbach gegen Köln haben auch in der Jugend immer gut gelebt. Das waren brisante Duelle mit vielen Toren, da ging es heiß her – auch weil beide Klubs sehr gute Jugendmannschaften hatten. Poldi ist schon damals herausgestochen. Er hat als Zehner oder als hängende Spitze gespielt, ist schon in der Jugend meistens Torschützenkönig gewesen, weil er unglaublich abschlussstark war und für sein Alter einen unglaublichen Bums im linken Fuß hatte.

Podolski und Marcell Jansen spielten in ihrer Jugend oft gegeneinander, in der Nationalmannschaft dann später auch zusammen.
Podolski und Marcell Jansen spielten in ihrer Jugend oft gegeneinander, in der Nationalmannschaft dann später auch zusammen.Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Spätestens ab der B-Jugend war Podolski in ganz Nordrhein-Westfalen bekannt. Und darüber hinaus. Die Kölner hatten überhaupt ein paar gute Jungs. Lukas Sinkiewicz zum Beispiel, der später zusammen mit mir in der Nationalmannschaft debütiert hat. Aber Poldi war schon besonders. Der war mit seinem linken Huf sozusagen der Killer.

Marcell Jansen, 31, stammt aus der Jugend von Borussia Mönchengladbach. Nach Stationen bei Bayern und dem HSV hat er 2015 seine Karriere als Profi beendet.

MARCEL KOLLER

Anfang November 2003 bin ich Trainer beim 1. FC Köln geworden. Kurz darauf habe ich Lukas Podolski zum ersten Mal auf dem Fußballplatz gesehen – beim Training unserer A-Jugend. Da hat man schon einiges erkennen können: dass er einen sehr starken linken Fuß hat, einen perfekten Körperschwerpunkt, dass er sehr dynamisch und kräftig ist. Als wir nach meinem ersten Spiel mit dem FC für vier Tage ins Trainingslager nach Hennef gefahren sind, habe ich mir gedacht: „Okay, nehmen wir ihn einfach mal mit. Mal sehen, was er draufhat.“ Ich habe ihm gesagt, dass er alles raushauen und mir zeigen solle, ob er schon bei den Profis dabei sein könne. Nach den vier Tagen würden wir dann entscheiden, wie es weitergeht.

"Doppelpass alleine? Vergiss es!"
Lukas Podolski ist nicht nur wegen seiner Tore zum Publikumsliebling geworden, sondern auch wegen seiner lockeren Art. Viele seiner Sprüche haben einen festen Platz in der Fußballkultur der vergangenen Jahre. Hier eine Auswahl - mal gewollt, mal ungewollt philosophisch, aber immer lustig: "Fußball ist einfach: Rein das Ding - und ab nach Hause." - Mit diesem einfachen Prinzip hat es Podolski immerhin zum Weltmeister gebracht.Weitere Bilder anzeigen
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22.03.2017 11:51Lukas Podolski ist nicht nur wegen seiner Tore zum Publikumsliebling geworden, sondern auch wegen seiner lockeren Art. Viele...

Poldi selbst hatte damit gar nicht gerechnet. Er spielte in der A-Jugend und hätte eigentlich noch den Weg über die U 23 gehen müssen. Er war ein bisschen nervös. Aber bei dem Gespräch in meinem Büro habe ich versucht, ihm Mut und Vertrauen zu geben. Er hat dann im Trainingslager wirklich Vollgas gegeben. Nach den vier Tagen konnte ich ihn gar nicht mehr zur U 19 zurückschicken.

Unser Sportdirektor Andreas Rettig war in Hennef dabei, er hat natürlich auch gesehen, was Lukas draufhat. Noch im Trainingslager hat Poldi seinen ersten Profivertrag unterschrieben. Ein paar Wochen später hat er in der Bundesliga debütiert, von da an war er fast immer von Anfang an dabei. Ich konnte gar nicht mehr auf ihn verzichten. Er hat bei mir auf der Zehn gespielt und ist im Grunde für zwei Spieler gelaufen. Wenn er den Ball hatte, bedeutete das immer Gefahr für den Gegner – weil er den Ball halten konnte und Zug zum Tor hatte. Man hat auch gesehen, dass Lukas mental sehr stark ist. Können ist das eine; dieses Können aber auch umzusetzen und bei den Profis so zu spielen, als würde wie in der Jugend niemand zuschauen, das ist schon eine besondere mentale Qualität.

Podolski und sein damaliger Trainer Marcel Koller im Jahr 2004.
Podolski und sein damaliger Trainer Marcel Koller im Jahr 2004.Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Zehn Tore hat Lukas in dieser Saison erzielt, er war unser mit Abstand bester Torschütze, trotzdem sind wir am Ende abgestiegen. Die Zeitungen hatten damals nicht viel Positives über uns zu berichten. Kein Wunder, dass sie sich auf Lukas gestürzt haben, auf „Prinz Poldi“, einen 18-Jährigen aus der eigenen Jugend. Was für mich überragend zu sehen war: Er hat sich davon überhaupt nicht beeinflussen lassen. Er ist immer der Poldi geblieben, der bodenständig ist und sagt, was er auf dem Herzen hat. Die Aufregung um seine Person hat ihn nie interessiert.

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Best-of Sprüche von Lukas Podolski
Best-of Sprüche von Lukas Podolski

Lukas hat sich nie darauf ausgeruht, dass ihn alle in die Höhe geschrieben haben. Er hat im Spiel immer das gemacht, was er machen musste. Im Training war das anders. Da hat er auch mal versucht, sich ein bisschen zurückzunehmen, so wie das einige ältere Spieler gemacht haben. Aber er war 18, hatte Kraft bis zum Abwinken. Ich habe ihm gesagt: „Du kannst dich jetzt nicht zurücklehnen. Du bist auf einem guten Weg. Aber den Durchbruch hast du noch nicht geschafft. Wenn du jetzt nachlässt, wird es schwierig.“ Dann sind wir raus auf den Trainingsplatz, und er hat gegrätscht, geackert, geschossen – es war eine reine Freude.

Marcel Koller, 56, war in der Saison 2003/04 Trainer des 1. FC Köln. Seit November 2011 trainiert der Schweizer die österreichische Nationalmannschaft.

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