Sport : Abschlag in die Zukunft

Wie das deutsche Profigolf seine Nachwuchsprobleme in den Griff bekommen will

Petra Himmel[München]

Martin Hasenbein hat sich das deutsche Profigolf einmal genauer angesehen. „Alles in allem haben wir zwischen 20 und 25 Profis, die aktiv Turniere bestreiten“, stellt Hasenbein ernüchtert fest. Das ist nicht viel. Die Wahrscheinlichkeit, dass man aus 20 Spielern nach drei Selektierungsstufen einen Sieger bekommt, geht gegen null. „Da darf man eigentlich nichts erwarten“, sagt Hasenbein.

Martin Hasenbein ist Trainer des Pro Teams Germany, in dem derzeit neun Herren und eine Dame bei ihren ersten Versuchen im Profigolf betreut werden. Die ambitionierten Talente sollen wie die anderen Nachwuchsprofis irgendwann den Weg über die drittklassige EPD-Tour auf die zweitklassige Challenge-Tour nehmen, um von dort aus den Sprung auf die europäische PGA-Tour zu schaffen, wo sie vielleicht einmal ein Turnier gewinnen könnten. Die BMW International Open zum Beispiel, die am Donnerstag im Golfclub München Nord-Eichenried beginnen und bei denen aus deutscher Sicht wieder einmal nur Bernhard Langer realistische Siegchancen hat. Das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern.

Martin Hasenbein weiß das, aber er sieht auch die kleinen Schritte, die das deutsche Profigolf im Moment macht. Wo bislang nur ein Deutscher, Kariem Baraka, einen festen Platz auf der Challenge-Tour hat, werden es in der nächsten Saison wahrscheinlich vier oder fünf sein. Mit dem Nürnberger Jochen Lupprian, der auch in Eichenried startet, hat ein Deutscher eine feste Spielberechtigung auf der asiatischen Tour. Und im Amateurlager diskutieren ein paar begabte Spieler darüber, auch den Schritt ins Profilager zu wagen. Trotzdem: „In Schweden gibt es 500 Profis“, sagt Hasenbein, „wenn es da einer auf eine Tour außerhalb der Landesgrenzen schafft, hat er schon einmal 450 Konkurrenten hinter sich gelassen – da kann man dann von Auslese sprechen.“

Topspieler entwickeln sich in Schweden oder den USA vor allem deshalb vermehrt, weil sie eine frühe Betreuung erfahren. Wo in Deutschland ein Kind erst dann den Platz betreten darf, wenn es nach einem teuren Kurs die Platzreife erreicht hat, legt es in Schweden von den Kinderabschlägen los. „Die Kleinen müssten auch viel mehr unter sich spielen können“, fordert Stefan Quirmbach als Präsident der PGA of Germany, dem Verband aller Golflehrer und -profis. „Der Nachwuchs sollte nicht bei Klubturnieren mit Erwachsenen spielen, sondern mit Gleichaltrigen.“ Klubteams sollten statt einmal gleich zehnmal im Jahr gegeneinander antreten, wenn es nach Quirmbach geht. „Dann müssten sich die Klubs verstärkt um die Ausbildung guter Spieler kümmern.“

Der deutsche Spitzennachwuchs landet bei Rainer Mund. Der ehemalige Profispieler ist als Nationaltrainer für den Deutschen Golf Verband (DGV) zuständig. Bessere Trainingsbedingungen, mehr Effizienz beim Training, Vernetzung mit Heimtrainern und besserer Kontakt zur Profiszene – so stellt sich Mund Nachwuchsförderung vor.Zuletzt hat Mund Fanny Sunesson, jahrelang Nick Faldos Caddie, ins Trainingslager geholt. „Die hat den Jungs schonungslos ihr Feedback bezüglich deren Verhalten und Spielweise gegeben“, erzählt Mund. „Gute handwerkliche Erfolge“, wie er es nennt, kann er inzwischen verzeichnen. Die Herren etwa sind in diesem Jahr Vizeeuropameister geworden und waren dabei gegen die Sieger aus Großbritannien keineswegs chancenlos.

Doch es gibt noch mehr hausgemachte Probleme. Noch immer sind Golfklub-Präsidenten häufig weniger sportlich als gesellschaftlich engagiert. Amateure, ob im Klub auf Sportwartebene oder im DGV- Präsidium, entscheiden über Training und Leistungsoptimierung. Dazu ist Kindern aus sozial gut gestellten Familien „seriöses Training“, wie Mund es nennt, bisweilen schwer zu vermitteln. Schinden wollen sich die wenigsten. Angesichts all dieser Voraussetzungen die Hoffnung auf einen zweiten Bernhard Langer zu nähren, ist illusorisch. Langers Neffe Kariem Baraka glaubt: „Einen wie Bernhard wird es wahrscheinlich nie wieder geben.“

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