Sport : Abschlag statt Abschied Auch mit 46 denkt Golfprofi Langer nicht ans Karriereende

Thomas Lötz

Bernhard Langer hat unlängst einen Einblick in seine Handlungsmaximen gegeben. „Ich bin sehr zielstrebig und gebe niemals auf“, hat der deutsche Golfprofi gesagt. „Ich suche immer nach Lösungen für Probleme. Ich bin ehrlich und geradlinig.“ – „Ich, ich, ich“: Es ist vielleicht sogar dieses selbstgerechte Ethos, das aus dem Sohn eines Maurers im oberschwäbischen Anhausen den erfolgreichsten Golfer Deutschlands gemacht hat. Aus nicht eben wohlhabenden Verhältnissen kommend, hat Langer immer stur seine Linie verfolgt, hat sich durchgesetzt, gegen den Willen seiner bodenständigen Familie. Er solle einen anständigen Beruf erlernen, hieß es da. Und er hat den Kampf gegen seine gesundheitlichen Probleme gewonnen, hat jenes unfreiwillige Zucken der Arm- und Schultermuskulatur beim Putten bezwungen.

Langers jüngste Triumphe waren Siege über den Schotten Sandy Lyle und den Waliser Ian Woosnam. Die beiden Briten waren Langers verbliebene Konkurrenten um den Posten des Kapitäns der europäischen Ryder-Cup-Mannschaft der Saison 2004. Nachdem die beiden entscheidenden Gremien, das Tournament- und das Ryder-Cup-Komitee, sich Ende Juli auf ihn festgelegt hatten, zeigte Langer sich besonders erfreut darüber, dass er in geheimer Abstimmung und einstimmig gewählt worden war. „Das ist ein Meilenstein in meiner Karriere.“ Im September 2004 wird der Deutsche das Team Europa im traditionellen Vergleich mit den besten Golfern der USA betreuen. Der alle zwei Jahre ausgetragene Ryder-Cup wird dann in Oakland Hills im US-Bundesstaat Michigan stattfinden. Vor zwei Jahren gewannen die Europäer.

Ein großer Wettkampf, ein tolles Amt, eigentlich könnte alles doch so schön sein, wären da nicht diese Fragen nach dem Ende der Laufbahn des Bernhard Langer. Denn die Beförderung zum Kapitän eines Ryder-Cup- Teams, die bekommen gemeinhin Profis, die im Herbst ihrer Karriere stehen. Doch bei Langer ist es nicht allein das Alter, kommendes Jahr wird er 47, noch seine – wie er selbst eingesteht – bis dato wenig berauschende Saison. Es ist wohl auch das Gerede vom Machtwechsel in der deutschen Golfszene. Langer wurde vor einer Woche erstmals in seiner Karriere von einem Landsmann in der Weltrangliste überholt. Nach guten Vorstellungen auf der US-Tour lag der in Prag lebende Alexander Cejka am vergangenen Montag auf Platz 64 der Weltrangliste, Langer zwei Plätze dahinter. Trotzdem, Langer zeigte sich unbeeindruckt. „Das bedeutet nicht, dass ich meine Karriere nun beende“, sagte er. „Ich will noch drei oder vier Jahre auf der regulären Tour spielen.“

Langer wurde als ein Ignorant kritisiert, als einer, der den Zeitpunkt eines ordentlichen Abgangs zu verpassen droht. Dabei wurde ignoriert, dass Langers Erfolge gar nicht so lange zurückliegen. In der zweiten Hälfte der vergangenen Saison hat er bewiesen, was er noch kann. Da gewann er im November gemeinsam mit dem Schotten Colin Montgomerie überraschend das gut besetzte Volvo Masters in Valderrama.

Doch spielt er weiter so durchschnittlich wie in dieser Saison bisher, droht ihm der Verlust der Tourkarte für die Veranstaltungen in den USA. Sollte dies passieren, wäre Langer fürs kommende Jahr auf Einladungen von Veranstaltern angewiesen oder müsste Ende dieses Jahres an der Qualifikation für die US-PGA-Tour 2004 teilnehmen. Bernhard Langer irritiert das nicht. „Ich kann das Qualifikationsturnier mitspielen oder auf Einladungen spielen“, sagt er. „In keinem Fall wird es das Ende meiner Karriere bedeuten.“

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