• Abseits der großen Fußballwelt Trainer Pierre Littbarski ist Australischer Meister

Sport : Abseits der großen Fußballwelt Trainer Pierre Littbarski ist Australischer Meister

Alexander Hofmann[Sydney]

Pierre Littbarski stürmte aufs Feld und versank in einer Welle aus Blau. In seinem dunkelblauen Anzug, hellblauen Hemd und mit blauer Krawatte war er farblich kaum von seinen Spielern zu unterscheiden, die dem Weltmeister von 1990 gerade seinen ersten Titel als Trainer eingebracht hatten. Littbarskis australischer Verein Sydney FC gewann gestern das „Grand Final“ gegen die Central Coast Mariners im heimischen Aussie Stadium mit 1:0. Das einzige Tor erzielte in der 62. Minute Steve Corica auf Vorlage des prominentesten Spielers der neu gegründeten A-League, Dwight Yorke. Littbarski hat nach seinen Lehrjahren in Japan, als Helfer von Berti Vogts in Leverkusen und als Chefcoach in Duisburg endlich den erhofften Erfolg gelandet, wenn auch abseits der großen Fußballwelt.

Fraglich blieb aber trotz des Triumphes, ob der frühere Dribbelkünstler auf dem fünften Kontinent bleibt. Sein Vertrag sieht eine Option für ein weiteres Jahr vor, der gebürtige Berliner und ehemalige Spieler des 1. FC Köln will aber nur dann weitermachen, wenn ihm ein längerfristiger Kontrakt angeboten wird.

Beim Finale hielt sich Littbarski stark zurück. Noch während der Saison hatte er mit lautstarken Ausbrüchen Aufsehen erregt. Diesmal war er zwar auch laut, betrug sich aber ansonsten mustergültig vor den 41 689 Fans – einer Traumkulisse für den Fußball in Australien, der lange ein Mauerblümchendasein im Schatten von Rugby und Cricket gefristet hatte.

Die A-League mit nur acht Teams von Perth im Westen bis zum 7000 Kilometer entfernten neuseeländischen Auckland hat das Spiel neu belebt. Sydney hatte im Schnitt 16 000 Zuschauer, die Liga 11 000. In der von ethnischen Spannungen zerrissenen alten Liga kamen im Schnitt nur 4000 Fans. Die erste WM-Qualifikation der Nationalmannschaft seit 1974 hat dem oft verspotteten Sport zusätzlichen Schwung verliehen.

Im Endspiel standen die gegensätzlichsten Teams der Liga. Hier der Glamourklub mit Littbarski, dem ehemaligen Manchester-United-Profi Yorke und Hollywoodstar Anthony LaPaglia als Teileigner des Vereins aus der größten Stadt Australiens. Die Mariners dagegen kommen aus dem Städtchen Gosford gut 50 Kilometer nördlich von Sydney, wo viele Menschen zu Hause sind, die es sich nicht mehr leisten können, im teuren Sydney zu leben. Littbarski fühlt sich in Australien mit seiner Familie wohl. Nicht zuletzt, weil er sich fast unerkannt auf der Straße zeigen konnte. Das wird sich jetzt wohl ändern – wenn er denn bleibt.

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