Sport : Absprung aus Berlin

Jörg Wenig

Nach nur einem Jahr ist das Projekt Nils Schumann der LG Nike gescheitert. Vor knapp zwölf Monaten gaben die Verantwortlichen des Berliner Leichtathletik-Klubs den spektakulären Wechsel des 800-m-Olympiasiegers vom thüringischen Klub SV Großengottern zur LG Nike bekannt. Gestern meldete nun die Zeitung "Thüringer Allgemeine", dass der 23-Jährige seinen Zwei-Jahres-Vertrag gekündigt habe. Gegenüber dem Tagesspiegel wurde bestätigt, dass bei der LG Nike ein Kündigungsschreiben von Schumanns Anwalt eingegangen ist. Der Läufer, der bei der WM Fünfter war, befindet sich zurzeit in einem mehrwöchigen Trainingslager in Südafrika. Von dort wird er erst Anfang Dezember, also nach der Wechselfrist, zurückkommen.

Nachdem Erfolgstrainer Dieter Hermann vor einem Jahr auch aus Enttäuschung über den Vereinswechsel seine Betreuung von Schumann eingestellt hatte, arbeiteten die beiden bereits seit einigen Monaten wieder zusammen. Insofern spricht viel für eine Rückkehr zu seinem alten Verein nach Großengottern, für den Hermann als Trainer arbeitet. Zumal Nils Schumann ohnehin stets seinen Wohnsitz in Erfurt behalten hatte. Die von der LG Nike und zunächst auch von Schumann selbst geplante stärkere Bindung an Berlin ist nicht zustande gekommen. Die Freundin Schumanns, die derzeit mit einer Dopingsperre belegte Hochspringerin Amewu Mensah, ist zwar eine Berlinerin, lebt aber in Leverkusen.

Schumanns noch bis einschließlich 2005 laufender Vertrag in Millionenhöhe mit dem Sportartikelhersteller Nike, der im Zuge des letztjährigen Vereinswechsels geschlossen wurde, wäre von einer Rückkehr nach Thüringen offenbar unabhängig. Frank Lebert, der bei Nike zuständige Promotion-Manager, wollte gestern noch keinen Kommentar zu einem Wechsel Schumanns abgeben. Eigentlich dürfte Nike immer noch Wert darauf legen, dass der Olympiasieger für den Klub des Sportartikelherstellers startet.

Obwohl der Rückzug Schumanns für die LG Nike wie auch für die gesamte Berliner Leichtathletik ein harter Schlag ist, wird er die Existenz des Vereins nicht in Frage stellen. Allerdings wird es schwieriger, ohne Schumann ein Vermarktungskonzept zu entwickeln. "Schumanns Rückkehr hat mich nicht überrascht, nur der Zeitpunkt der Veröffentlichung überraschte auch mich", sagte Klaus Kärcher, der Manager des Läufers, der auch die Vermarktung der LG Nike übernehmen sollte. Dabei blieb es aber offenbar bei den Plänen. Kärcher erklärte, der Wechsel hänge sicher nicht mit mangelndem Marketing zusammen. "Ganz generell gilt, dass das Wichtigste für die Leistung des Athleten ein intaktes Umfeld ist."

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