Sport : Absteigen, um mitzufahren

Jörg Jaksche, der Kronzeuge des Radsports, hat wieder einen Job – er fährt jetzt für einen Euro

Mathias Klappenbach
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Zurück in der Tretmühle. Jörg Jaksche hatte schon seinen Rücktritt erklärt, weil er nicht mehr damit rechnete, noch einen...

Berlin - Wer länger arbeitslos ist, muss auch einen Job annehmen, der unter seinen Qualifikationen liegt. Jörg Jaksche macht das jetzt, weil er dabei immerhin noch seinen erlernten Beruf ausüben kann. Gerechnet hatte er damit nicht mehr und wie so viele, die in ihrem Job keine Anstellung mehr finden, schon damit abgeschlossen. Der Kronzeuge des Radsports hatte seine Karriere im vergangenen April für beendet erklärt, weil kein Rennstall dem, der das Schweigen über Doping gebrochen hatte, einen Vertrag geben wollte. Aber 2009 wird der 32-Jährige wieder Radrennen fahren. Für das Drittliga-Team Cinelli – und als Ein-Euro-Jobber. Nicht pro Stunde, sondern im Jahr. „Ich bin wohl der erste Ein-Euro-Profi“, sagte Jaksche der „Süddeutschen Zeitung“. „Der erste Ein-Euro-Teilzeitprofi.“

Jaksche wird ein kleines Programm für den kleinen Rennstall bestreiten, er hat einen Vertrag für ein Jahr. „Ich bin froh, dass es doch noch geklappt hat. Mal sehen, wie es wird“, sagt Jaksche. „Ich gehe vorsichtig und mit wenig Illusionen an die Sache.“ Die hat er ohnehin recht schnell nach seinem Geständnis und seinen Aussagen über das Dopingsystem im Radsport Mitte 2007 verloren. Ein paar Monate lang war er in den Medien noch als Experte und Mahner gefragt, bevor er schließlich im Oktober ein Fernstudium für Wirtschaftsrecht begann.

Auf sein Geständnis war eine Welle weiterer Beichten anderer Fahrer über verjährte Vergehen gefolgt und unter anderem der Rückzug des deutschen Großsponsors Telekom. Aber sonst nicht viel. Jaksche, dessen Sperre in diesem Jahr abgelaufen ist, beschwerte sich viele Monate darüber, dass es für einen wie ihn keine Arbeit mehr gebe. Ebenso wie der andere deutsche Kronzeuge, Patrik Sinkewitz. Der hat vor sechs Wochen eine neue Anstellung bei einem zweitklassigen Rennstall gefunden, die normal bezahlt wird. Jörg Jaksche hatte die Idee für seinen ungewöhnlichen Vertrag selbst. „Natürlich ist das alles ein Symbol und ein Ego-Trip", sagt Jaksche. „Notfalls fahre ich auch umsonst – aber ich will selber entscheiden, wann ich aufhöre.“ Jaksche hat, als er noch zum System gehörte, sehr gut verdient und kann es sich leisten, für den symbolischen Euro und eine Aufwandsentschädigung zu fahren. Dass er nun in der Liga ist, in der nicht nur Kronzeugen, sondern auch die Fahrer landen, die nach Skandalen für die großen Teams entweder gesperrt oder aus Imagegründen nicht mehr vermittelbar sind, ficht ihn nicht an.

Ebenso wenig wie das Wissen, dass er nun wieder mit gedopten Fahrern in einem Feld radelt: „Ich bin einfach müde, darüber zu diskutieren.“ Jaksche sagt von sich, er sei mit sich im Reinen. „Denn bei mir kann nichts mehr dazukommen – und es kommt auch nichts mehr rein.“

Die Arbeitslosigkeit hat Jörg Jaksche dazu gebracht, sich zu arrangieren. Radsportler ist nicht nur ein Beruf, sondern auch eine Berufung, die so süchtig machen kann, dass man das niedrigste Gehalt akzeptiert. Sein erstes Rennen 2009 fährt Jaksche im Februar, wenn sein Team an der renommierten Mittelmeer-Rundfahrt teilnehmen darf. Sie ist das erste große Rennen, das Jaksche gewonnen hat. Das war 2004 und wurde noch gut entlohnt.

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