Sport : Abstieg als Beförderung

Marko Rehmer spielt heute bei Herthas Amateuren

Friedhard Teuffel

Berlin - Seitdem Marko Rehmer sich von seinem Hals-Nasen-Ohrenarzt im Frühjahr eine Spritze gegen seine Schmerzen im Kiefer geben ließ, läuft es nicht mehr gut für den Fußballspieler. Die Deutsche Fußball-Liga sperrte ihn für neun Pflichtspiele, weil das Schmerzmittel meldepflichtig war und Rehmer damit gegen die Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen hatte. Auf sein Gehalt verzichtete Rehmer bis September mehr oder weniger freiwillig, weil er seinem Verein Hertha BSC bis dahin nicht in der Bundesliga zur Verfügung steht. Und jetzt noch dies: Im DFB- Pokal hätte Rehmer spielen dürfen, aber er kommt an diesem Samstag gegen Schalke 04 nur bei Herthas Amateuren zum Einsatz.

Mit dem Abstieg zu den Amateuren hat Rehmer jedoch nur auf den ersten Blick einen Tiefpunkt erreicht. Herthas sportliche Leitung will die Berufung in den Amateurkader als Beförderung verstanden wissen. „Es ist keine Degradierung, sondern eine Chance“, sagt Manager Dieter Hoeneß. Denn gegen Schalke könne sich Rehmer richtig beweisen. „Da kann er mithelfen, ein Abwehrbollwerk aufzubauen.“

Von der Auslosung des DFB-Pokals her ist auf jeden Fall die sportlich attraktivere Aufgabe, heute um 18.30 Uhr im Amateurstadion gegen Bundesligaklub Schalke 04 zu spielen als mit Herthas Profis am Sonntag beim TSV Aindling, einem Klub aus der Bayernliga. „Gegen Aindling müssen Tore geschossen werden“, sagt Hoeneß. Das ist nicht die Aufgabe des Abwehrspielers Marko Rehmer.

Es gibt noch einen anderen Grund, warum das Heimspiel gegen Schalke angenehmer ist. Er liegt in der jüngeren Geschichte. Herthas Amateure dürfen an ihre Vergangenheit im DFB-Pokal anknüpfen, die Profis nicht. 1993 erreichten die Amateure das Finale im Pokal im Olympiastadion und gingen als „Hertha-Bubis“ in die Vereinsgeschichte ein. Einen solchen Erfolg haben die Profis seitdem nicht geschafft, im Gegenteil. Vor zwei Jahren schieden sie in der ersten Runde bei Holstein Kiel aus, in der vergangenen verloren sie im Achtelfinale 1:6 bei Werder Bremen.

Bei den Amateuren befindet sich der 32 Jahre alte Rehmer heute ohnehin in bester Gesellschaft. Denn neben ihm hat Trainer Falko Götz sechs weitere Spieler aus dem Bundesligakader für die Amateurmannschaft vorgesehen: Malik Fathi, Ashkan Dejagah, Andreas Schmidt, Sofian Chahed, Alexander Ludwig und Nourreddine Semghoun. Sie sollen Erfahrungen sammeln gegen Schalke.

Dass er Rehmer nicht mit nach Aindling nimmt, hat Götz auch noch so begründet: „Weil er bei den Amateuren 90 Minuten durchspielen kann.“ Sein darauf folgendes Grinsen konnte der neben ihm sitzende Karsten Heine nicht sehen. Sonst hätte der Trainer der Amateurmannschaft vielleicht sofort verstanden, was Götz meinte: Dass Rehmer mit den Amateuren Schalke schon nach 90 Minuten besiegen wird.

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